Krieg der Buchstaben

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Schon seit Anbeginn der Zeit, seit Erfindung der Schrift, gab es einen unterschwelligen Konflikt zwischen den Buchstaben. Wer hatte eigentlich festgelegt, dass ausgerechnet ein Vokal immer der erste Buchstabe sein müsste? Und warum brauchte man so viele Konsonanten?

Wie dann genau der Krieg der Buchstaben ausbrach und wer zu den ersten Opfern gehörte, versuchen wir in der heutigen Dokumentation zu beleuchten!


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Download der Sendung hier.

Musiktitel: „ABC-Song“ von Bommel und die Bömmelchens / CC BY-NC-SA 3.0

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Die Geschichte zum Lesen

Wie bei jedem Konflikt herrscht auch bei diesem keine Klarheit darüber, wer ihn begann oder wie die Situation so eskalierte. Die meisten Konsonanten geben dem A die alleinige Schuld, als üblichem Verdächtigen bei Provokationen aller Art.

Selbst unter Beibehaltung größtmöglicher Objektivität kann man behaupten, dass das A sich – ohne jemals gewählt worden zu sein – für den Anführer der Vokale hielt. Mehr noch, es war der Meinung gottgewollter Erster zu sein und die Führungsrolle aller Buchstaben stehe ihm auf Lebenszeit zu!

Vielleicht war es wirklich sein satirisches Post in Quora, in dem er sich ein bisschen über Konsonanten lustig machte, der das erste böse Blut erzeugte?

„Konsonanten“, schrieb das A, „heißen von Natur aus Mitlaute, das ist schließlich die Wortbedeutung. Sie sind die Mitläufer unter den Buchstaben. Hilflos hängen sie sich an die edlen Vokale, die nur den natürlichen Luftstrom beeinflussen und beschmutzen dabei das Göttliche mit tierischer Körperlichkeit.“

„Ich meine, schaut euch einmal die Plosivlaute an! Wie sich die Menschen anspucken bei einem ‚P‘! Wahrscheinlich hat kein einzelner Buchstabe mehr Tote auf dem Gewissen wie das P, das den Beinamen ‚Tröpfcheninfektion‘ führen sollte.“

„Oder die Frikative! Hört euch in Ruhe ein ‚S‘ an – ist das nicht die Sprache des Verführers? Wie hat sich die Schlange im Paradies wohl den Menschen genähert? Gezischt hat sie ihre Botschaft.“

„Von den Nasallauten möchte ich lieber gar nicht sprechen, das ist unter meiner Würde. Die basieren ja nicht einmal auf einem anständigen Artikulationsort, die heißen ja schon nach der Nase! Rotzlaute sollte man die nennen!“

„Überhaupt sind die Mitläuferlaute ein nutzloser Haufen, darum braucht es ja so viele. Während es im Prinzip möglich ist, alle Emotion mit Vokalen zu äußern, egal ob es Liebe, Lust, Wut, Ekel oder Genuss ist, braucht man von den Konsonanten aus irgendeinem Grund immer ein Pärchen! Was ist so ein ‚B‘ schon mehr als ein verweichlichtes ‚P‘? Wofür braucht man eigentlich ein ‚K‘, wenn es ein ‚G‘ gibt? Die Franken oder die Sachsen brauchen das auf jeden Fall nicht.“

„Pah! Konsonanten! Überflüssig sind die, Schwächlinge im Ausdruck und einfach die Dutzendware unter den Buchstaben.“

Ja, das war mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit der Auslöser für eine Reihe von negativen Gefühlen bei den so Geschmähten. Haben wir eigentlich in der Einleitung erwähnt, dass das ‚A‘ ein klitzekleines Alkoholproblem hat?

Das fällt mir gerade ein, weil man das auch über das ‚S‘ munkelt, dass sich persönlich angegriffen fühlte und im Podcast ‚Applaus für Approximanten‘ meinte, der Buchstabe A wäre nichts anderes als die international gültige Abkürzung für ‚Arschloch‘. Und wenn Konsonanten so unwichtig sich, dann solle der alte Angeber doch seine nächste Schmähschrift ohne Konsonanten verfassen!

Prompt antworte das ‚O‘ auf diese Herausforderung mit einer Erklärung auf YouTube, die schnell 5 Millionen Views hatte und sogar die CDU anregte, in ihren Rängen nach jemanden zu suchen, der ein Smartphone bedienen kann.

Der Wortlaut der Erklärung war:

„Ou Uioui eaoi oio o ii eoa uioa ieo oy ou ei aoi aoi iu. iu Aoi!“

Nun liefen die Dinge schnell aus dem Ruder und es gibt verschiedene Theorien, wie der Konflikt sich nun entwickelte.

R, S und T, die reichsten und einflussreichsten der Konsonanten gründeten einen Weltverband mit dem Namen „Association for the Benefit of Consonants“ – abgekürzt A.B.C. und forderten schlicht Demokratie unter den Buchstaben! Freie Wahlen ohne Proporz!

Das T verlautbarte: „Man darf es ja in diesem Alphabet nicht sagen, danke Merkel, aber es herrscht großer Missmut unter den Buchstaben! Wir als Weltverband wollen endgültig damit Schluss machen, dass jedes Alphabet mit dem unbeliebtesten aller Vokale anfängt. Für uns ist jedes Lexikon, jede Lesefibel ein Schlag ins Gesicht! Und, was ich noch sagen wollte: Das O verwendet in seinem unlesbaren Bullshit-Gedicht das ‚Y‘ und das ist ein Konsonant! So! Da haben Sie es!“

Zwar wurde viel über dieses Interview gespottet, weil das T wohl übersehen hat, dass sein eigener Weltverband auch mit dem Buchstaben A beginnt, aber für solche feuillitonistischen Feinheiten war der Zeitpunkt bereits verstrichen.

Es war das oben geschmähte Y, das doch noch eine Friedensinitiative startete und twitterte: „Es ist alles ein Wahnsinn! Ich lehne das binäre Denken der anderen Buchstaben ab und bleibe, was ich bin! Sexy, hyp und frey! Ich bin weder Konsonant noch Vokal, leckt mich olle om Orsch!“

Weder der ABC noch der frisch gegründete Verband der Vokale „Vocals for the World“, kurz ‚VW‘ äußerten sich zu den Statements von Y, was darauf zurückzuführen ist, dass am gleichen Tag das „S“ tot im Bett aufgefunden wurde!

Der Täter wurde nie gefunden, aber die Leiche wurde malträtiert und in die Form de Buchtaben ‚I‘ gequetcht, wewegen der Verdacht natürlich ofort auf ihn fiel!

Kurz danach kam die Retourkutche! Eine Gruppe von Kononanten unter Führung de verpotteten K brachen in die Wohnung de ‚I‘ ein, erchoen da kleine ‚i‘ und ergriffen da groe ‚I‘. Dann begannen ie, e durch die Trae zu chleifen und mihandelten e dabei. Ie traten e, puckten e an und chluge e mit Töcken, bi e vertarb.

Deer Vorgang wurde von den Attentätern auf dem Handy auf YouTube getreamt und alle Meden begannen nachenander deen Tream zu enden. Ene Chande für alle Buchtaben und der Begnn vom Ende!

Natürlch folgte man auch bem VW deen Übertragungen und hatte den Endruck, de Auenanderetzungen hätten ene neue Dmenon errecht und man würde überrannt werden von der überlegenen Zahl an Kononanten, wenn man jetzt ncht entchloen durchgrff.

Während alo der Mob der maroderenden Mtlaute noch den Lechnam de ermordeten Vokal durch die Traen chlffen, tartete bem VW en Auto mt chwerbewaffneten Vokalen. Wer genau auf dee Mordmon mt fuhr, t heute noch ungeklärt.

Au dem Wagen eröffneten de Tätr da Feuer auf de Meute. Zwe der getroffenen Buchtaben, nämlich da ‚W‘ und da ‚M‘ aren ofort tot, da ‚T‘ verbluee noch vor Or an enen cheren Verletzungen.

e er n olchen Konflken ka e Laufe der Nach zu ener Anor, al Haupquarer der Vokale ene Bobe hochgng und das ‚U‘ und das ‚A‘ n Stück zerren wrden.

Danach hören die ufzechngen uf. r ien, d d ‚P‘, d ‚F‘ und d ‚D‘ L näche rben und d ‚O‘ und d ‚X‘ ze ge äer.

r lle hen und been, ch eer Konlk nel wederhl!

Herr, e be un!


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