What’s in a Name?


Da läuft man sein ganzes Leben mit einem Wort herum, dass einen identifizieren soll. Der Vorname wird auf gespenstische Weise unser Ich.

Prägt aber die Namenswahl auch unseren Charakter? Oder die Bedeutung des Namens?

Und: Welche Vornamen kann man als Eltern eigentlich vergeben und welche nicht? Kann man seinen Vornamen ändern?


Download der Episode hier.
Link: Liebeckes Onomastik: https://www.onomastik.com/
Musik: „The Magic Words” von Cracked Latin / CC BY-NC-ND 3.0
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Skript zur Sendung


Es stellt sich aber, wenn man so über Vornamen nachdenkt, die eine entscheidende Frage: Sagen sie etwas über den Charakter der betreffenden Person aus? Oder sind das alles nur Vorurteile?

Ich glaube, Vornamen sagen sehr wohl etwas über die Person aus. Das hat meiner Meinung drei Gründe:

Erstens: Die Wahl des Vornamens machen ja die Eltern. Und das machen sie aus verschiedenen Gründen. Zum Beispiel danach, welche Vornamen sie für cool halten. Und dieses „Cool“ ist in jeder Gesellschafts-Schicht eben anders. Des einen Kevin ist der anderen Alexander. So wie eben bei Chantal und Elisabeth meinetwegen.

Zweitens: Jedes Wort hat natürlich einen Klang. Und jeder Name auch. Es macht durchaus einen Unterschied, ob man Zeit seines Lebens „Kurt“ oder „Jean-Claude“ gerufen wird. „Kurt“ kann man schimpfen wie eine Peitsche, aber „Jean-Claude“ bleibt auch bei schweren Vergehen immer noch honigweich. Das macht einen Unterschied.

Und drittens: Wir verbinden unbewusst immer mit bestimmten Namen auch bestimmte Charakter-Eigenschaften. Ob wir wollen oder nicht.

Der Namenforscher Thomas Liebecke hat in einer Langzeitstudie auf seiner Website 2300 Vornamen von den Nutzern bewerten lassen und aus den 500.000 Abstimmungsergebnissen Wirkungsprofile erstellt. Die Linguisten nennen das Onogramme. Link auf der Website.

Wenn wir also „Maximilian“ hören, denken wir an kleine Jungs. Die sind schlau und zuverlässig, aber auch ein bisschen frech und kommen eher aus wohlhabenden Familien.

Die „Marie“ ist ein kleines Mädchen. Sie ist lieb und lustig, zuverlässig und attraktiv. Aber sie ist nicht sportlich und in Sachen Intelligenz… naja…

Der „Anton“ ist dafür ein alter Mensch, eher aus dem Ländlichen und keiner mag seinen Namen mehr. So wie die „Elisabeth“ auch nicht mehr die Jüngste ist und Intelligenz verbinden wir mit beiden Namen nicht.

Interessant auch die Beobachtung des Namensforschers, dass Langformen als erfolgreicher und intelligenter bewertet werden als Kurzformen. Jennifer, Alexander oder Maximilian sind Winner und Jenny, Alex und Max eher nicht.

Übrigens spielt die ethymologische Bedeutung des Namens praktisch keine Rolle. Eltern kucken da viel zu intensiv in Vornamens-Listen rum.

Mit Emma vebrinden wir eben nicht das althochdeutsch für „Die Göttliche“, sondern eher Feminismus wegen der bekannten Zeitschrift.

Und das Emil ein „Wetteifernder“ ist, weiß auch kein Mensch. Ich denke mir persönlich immer „…und die Detektive“ dazu.

Wir haben unbewusste Erwartungen beim Hören eines Nachnamens. So wie bei jedem Wort. Die kommen zum einen natürlich aus persönlichen Erfahrungen aber auch durch berühmte Träger des Namens. Wir entwickeln da ein Kollektiv-Empfinden. Logisch, dass heute kaum noch „Adolfs“ getauft werden, oder?

Und mit diesem Kollektiv-Empfinden wird man als Namensträger immer konfrontiert. Anders ausgedrückt: Unser Vorname erzeugt immer im Gegenüber ein Vorurteil. Und das ändert sein Verhalten. Und dieses Verhalten, dem wir dann begegnen, prägt natürlich auch unseren Charakter.

Berühmt ist das Zitat einer Grundschul-Lehrerin, die sagte: „Kevin ist kein Vorname, Kevin ist eine Diagnose.“

Doch die Wahrheit ist eben: Ein Kevin wird gemacht. Von uns allen. Kollektiv. Er wird auf Kevin geprägt, weil wir alle eben dieses blöde Kevin-Vorurteil haben.

Insofern haben wir mit unseren Vorurteilen gewissen Namen gegenüber halt auch einfach zu oft recht. Ein Teufelskreis der Vornamen sozusagen.

Wenn ihr also dieses Jahr Namen zu vergeben habt, oder jemand kennt, der Namen zu vergeben hat, hier ein paar Trendnamen von 2018.

Auf der Seite „Vornamen.com“ werten die Betreiber die Suchanfragen ihrer Benutzer aus und können so im laufenden Jahr schon immer ganz gute Prognosen abgeben, was die trendigsten Vornamen des Jahrgangs werden.
Und das wären:
Clea, Lian, Ares, Greta, Lenia, Kiana, Anton, Silas, Noomi, Jakob, Leano, Jonte, Yannick, Nora, Janis, Noel, Theresa, Kaya, Adrian und Eleonora.

Da sind jetzt wenige Namen dabei, die ich sooo toll finde. Da versucht eine ganze Elterngeneration besonders originell zu sein, befürchte ich. Aber wer weiß, zu was es nütze ist.

Also, Fazit: Vornamen durchaus wichtig. Verdammt wichtig. Darum hat der Gesetzgeber den Eltern auch Schranken bei der Vergabe gesetzt. Um die Kinder zu schützen vor Spott und Scham und psychischen Schäden.

Wir haben als Teil des Namensrechts tatsächlich auch ein Vornamensrecht. Aber das ist sehr uneindeutig und schwabbelig, der Gesetzgeber wollte die Eltern nur in Härtefällen einschränken. Mit der Zeit ist da so eine Art Gebrauchsrecht draus geworden und es gibt ein paar sichere No-Gos.

Der Name muss als Vorname erkennbar sein. „Frieden Mit Gott Allein Durch Jesus Christus“ wurde deswegen abgelehnt.

Der Vorname muss eindeutig männlich oder weiblich sein.

Der Name darf die Kleinen auch nicht der Lächerlichkeit preisgeben. „Hosenscheißer“ wurde abgelehnt.

Ortsnamen, Markennamen oder Titel dürfen Vornamen auch nicht sein. Sowohl „Agfa“ als auch „Lord“ sind vor Gericht gescheitert. Und ich wette, die lassen bei meiner Namensänderung „Indiana“ auch nicht durchgehen…

Familiennamen dürfen keine Vornamen sein. „Schröder“ oder „Hemmingway“ wurden nicht zugelassen.

Und dann dürfen es auch nicht zuviel Vornamen werden. Eine Mutter hat sich für „Chenekwahow Tecumseh Migiskau Kioma Ernesto Inti Prithibi Pathar Chajara Majim Henriko Alessandro“ bis zum Verfassungsgericht durchgeklagt, das dann die Maximalzahl verbindlich auf fünf festlegte.

Alles in allem aber ist man bei der Namensvergabe aber dem jeweiligen Standesamt ausgeliefert. Wenn der oder die Beamtin gerade bekifft ist, dann geht wahrscheinlich mehr, als bei eingetragenen Mitgliedern der AfD.

Darum hier ein kleines Quiz! Ich nenne Dir ein paar Vornamen und Du musst raten, ob sie zugelassen wurden oder nicht. Ich habe mir übrigens keinen Namen ausgedacht, das sind alles Namen, die – wahrscheinlich sadistisch veranlagte – Eltern ihren Kindern geben wollten.
Alles klar?

Quiz

Es gibt aber, solltet ihr selber zufällig „Bluna Fanta Müller“ oder „Blaubeere Popo Schmidt“ heißen, eine letzte Hoffnung.

Man kann in Deutschland auch seinen Vornamen ändern. Dafür gibt es an jedem Standesamt Anträge. Die Änderung kostet auch nur schlappe 225 Euro. Aber es braucht schon einen triftigen Grund. Die akzeptierten Gründe sind:

Religiöse Motive
– Traumatische Erlebnisse aus der Kindheit, die mit dem Namen zusammenhängen.
– Es liegt ein Name vor, den die Mehrheit als anstößig ansieht.
– Der aktuelle Name lädt zu Wortspielen oder zur Lächerlichkeit ein.
– Der aktuelle Name ist umständlich auszusprechen und kompliziert zu schreiben.
– Das Geschlecht ist aus dem aktuellen Namen nicht eindeutig erkennbar.
– Oder die Anpassung des Namens nach einer Geschlechtsumwandlung.

Mit anderen Worten die gleichen Kriterien wie bei der Namensvergabe. Der neue Standesbeamte korrigiert also praktisch den Fehler des bekifften Vorgängers.

Sehr nützlich, um das genehmigt zu bekommen, ist da natürlich ein psychologisches Gutachten. Aber die sind ja anscheinend leicht zu beschaffen. Wenn ein Psychologe Donald Trump die geistige Gesundheit attestiert, dann scheint die Messlatte dieser Profession ja recht niedrig zu liegen.