Vergessene Sci-Fi-Filme


Herr Wunderlich ist Science-Fiction-Fan. Wer als Vierjähriger die Mondlandung gesehen hat, als Neunjähriger „Raumschiff Enterprise“ und als Zwölfjähriger „Krieg der Sterne“, der kann vielleicht auch nicht anders…

Doch mit der Zeit geraten alte Filme natürlich in Vergessenheit. Heute geht es um solche angestaubten Exemplare, die vielleicht gealtert sind, aber trotzdem noch unterhaltsam sind.

Vielleicht, weil sie nicht so sklavisch nach Drehbuch-Rezepten gekocht sind wie die Blockbuster-Ware von heute.

Lautlos im Weltraum
Dark Star – Movie Trailer
Rollerball Official Trailer
Der Junge und sein Hund
Sador – Herrscher im Weltraum


Download der Episode hier.
Musik:
Shoutout to the Exes“ von Schoolkids / CC BY 3.0
Die morgenradio-Playlist auf jamendo


Skript zur Sendung


Beim Explikator habe ich ja einmal die Woche von Filmen oder vom Fernsehen berichtet. Da lebte ich noch alleine in einer kleinen Wohnung und hatte keine Frau, keine Hunde, keine Katzen, aber viel Zeit.

Da war ich noch richtig up-to-date. Jetzt hänge ich ganz schön hinterher. Wenn ich auf Letterboxd kucke, was meine Freunde dort so an Filmen kucken und auch mögen, dann wundere ich mich immer ein bisschen.

Es hat nicht nur den Grund, dass ich jetzt wieder sozusagen in einer Familiensituation lebe und die Zeit knapp wäre. Es ist auch ein bisschen so, dass ich mittlerweile etwas abgebrüht bin. Ich kenne mittlerweile die Rezeptur des Drehbuchschreibers einfach. Ist oft sehr ähnlich.

Die erste Action kommt nach 10% des Films, nach 15% akzeptiert die Hauptfigur die Umstände, bei 25% wird die Herausforderung deutlich, bei 50% hat die Hauptfigur eine wichtige Erkenntnis, bei 75% gibt es einen schrecklichen Rückschlag und bei 90% beginnt dann der Showdown.

Von dem aus der ganze Film konstruiert ist. Klingt ein bisschen sehr formelhaft, aber diese Struktur ist bei einem Großteil der Filme, die aus Hollywood kommen, sehr gut protokolliert. Und der ganze Marvel oder DC-Mist oder die neuen Star Treks oder Star Wars, die funktionieren alle genau so.

Und das langweilt mich schon ziemlich. Ich sitze bei Action-Szenen auch nicht mehr gefesselt im Kinostuhl, denn meistens identifiziere ich mich nicht mehr mit den Handelnden. Die sind auch alle irgendwie zu steril konstruiert.

Aber vielleicht bin auch nur ein alter Mann, der anfängt nostalgisch zu werden. Und innerlich denkt: Früher war alles besser. Vielleicht ist man gegen das Gefühl einfach nicht immun, selbst, wenn man es bemerkt. Sicher so ein hirnbiologisches Ding…

Trotzdem will ich heute auf ein paar Science-Fiction-Filme hinweisen, die ein bisschen in Vergessenheit geraten sind. Aber trotzdem gut. Sci Fi ist eigentlich meine Lieblings-Film-Gattung. Da ist es mir am öftesten passiert, dass ich so im Film drinnen war, dass ich die Zeit vergessen habe. Das letzte Mal übrigens bei James Camerons „Avatar“. Gebe ich offen zu. Auch wenn das Drehbuch sogar besonders formelhaft war.

Hier aber also X Empfehlungen aus der Vergangenheit des Genres.

Lautlos im Weltraum – Silent Running von 1972

Ein wirklich wegweisender Film. Mit Sicherheit der erste „grüne“ Sci-Fi-Film. Öko-Denken in outer space. Und das aus dem Jahr 1972. Weit und breit kein Greenpeace, keine grünen Parteien und nichts, genau nichts wurde recycelt. Für die Folge über die Ölkrise habe ich nachrecherchiert, wieviel fossille Brennstoffe wir damals sinnlos verpulvert haben und es war sehr ernüchternd.

In dem Film wird der erste Öko-Held von Bruce Dern gespielt. Ein schlaksiger Träumer, der gerne frisches Obst und Gemüse ißt, dass er selber angebaut hat. Das Problem ist nur, dass alle Pflanzen auf der Erde den Betrieb eingestellt haben. Nur hier auf diesem riesigen Raumschiff sind alle Arten in riesigen Galskuppeln für die Zukunft bewahrt.

Aber auf der Erde besinnt man sich bald anders. Die Kuppel sind zu sprengen, damit man die Raumschiffe wieder für den Kommerz einsetzen kann. Das ganze Programm ist gecancelt. Die anderen Astronauten freuen sich tierisch, bald auf die Erde zurückkehren zu können und beginnen schon einmal im Übermut, alles kaputt zu machen.

Da muß dann unser Held handeln. Gott sei Dank hat er drei kleine Roboter, die auf Deutsch eigentlich Tick, Trick und Track heißen müssten, die ihm helfen.

Ein großartiger Film, der erstaunlich gut gealtert ist. Mit zwei Songs von Joan Baez. Übrigens super clever mit einem kleinen Etat innerhalb von 32 Drehtagen an Bord eines alten Flugzeugträgers – das Making-Of ist selber eine interessante Sache. Hat mich persönlich damals sehr bewegt. (weinerlich) Vor allem, als der eine kleine Roboter sein Beinchen verliert…

Dark Star von 1974: Danke für die Beachtung aller Sicherheitsmaßnahmen

Man kann von John Carpenter halten, was man will. Einige lieben ihn und seine Filme, andere nicht. Er ist auf jeden Fall ein Selfmade-Man, der diesen Film mit einem lächerlichen Budget schon an der Filmhochschule begonnen hat.

„Dark Star“ ist wahrscheinlich die erste große Satire auf das Genre Science Fiction und auf der anderen Seite auch eine Hommage an den großen Klassiker „Odyssee im Weltraum“.
Auch hier gibt es eine künstliche Intelligenz, mit der man mehr oder weniger philosophische Gespräche führen kann. Aber weil der Film aus dem Kalten Krieg stammt, ist die KI halt eine Bombe. Die irgendwann beschließt, dass ihr Lebenssinn halt im Explodieren besteht – kann man ihr wahrscheinlich nicht verdenken.

Was der junge Carpenter da eigentlich sagen will, als er die Odysee von Kubrick sozusagen sarkastisch beerdigt, dass wußte er wohl selber nicht. Er sagt im Interview: „Irgendwie würde Dark Star irgend etwas Wahres über unser Leben aussagen.“

Das ist irgendwie der ungenaueste Werbeclaim aller Zeiten.

Bekannt ist der Film auch dafür, dass hier zum allerersten Mal das Wort „Alien“ verwendet wird für Außerirdische. In der deutschen Synchronisation noch mit „Exot“ übersetzt. Was dann den Alienfilmen eine ganz andere AfD-Note gegeben hätte. „Exot III – Die Rückkehr des Exoten“!

Und übrigens auch der einzige Film, den ich kenne, wo der „Director’s Cut“ 10 Minuten kürzer ist als die Version, die im Kino lief. Oder jetzt auf YouTube zu finden ist. Auch in Deutsch.

„Rollerball“ von 1975 – München in der Zukunft

Das ist ein vergessener Film, den ich natürlich mag, weil er zum Großteil in München gedreht wurde. Das Olympia-Gelände und das BMW-Museum waren so Sci-Fi, dass es für die Filmemacher das richtige Ambiente war für einen Film, der weit, weit in der Zukunft spielt. Nämlich im Jahre 2018. Ja. Genau. Jetzt.

Wie ihr vielleicht bemerkt habt: Die Menschheit hat den Krieg überwunden. Die gesamte Welt wird von riesigen Corporations beherrscht, die das Leben aller regeln und kontrollieren. Die leitenden Angestellten führen ein privilegiertes Leben mit Privathubschraubern, Mätressen und jeglichem Luxus. Die Masse der Menschen wird mit der Droge „Soma“ und ständigem Fernsehen ruhig gestellt.

Und im Fernsehen läuft das brutale Rollerball. Ein blutiger Sport und James Caan ist einer der Stars, der sich gegen das Etablissement auflehnt, weil sie ihm seine Lieblingskonkubine weggenommen haben.

Rollerball sollte gnadenlos brutal und blutig wirken, um in den Zweistünder die damals notwendige Sozialkritik unterzubringen. Aber zum einen funktionierte das Spiel so großartig, dass es Cast und Stuntmen, in Drehpausen zum Spaß weiterspielten. Eine unblutige Variante war in 10 Minuten entwickelt. Und zum anderen kamen diese Kämpfe beim eingeladenen Münchner Publikum so gut an, dass es Überlegungen g ab, tatsächlich eine Liga einzurichten, was den Autoren entsprechend entsetzte.

War alles ein bisschen zu sehr auf Sozialkritik gebürstet, aber galt uns damals trotzdem als ultra-brutaler Film. Das dies der erste Film ist, in dem die Stuntmen im Nachspann namentlich erwähnt werden ist ein interessantes Indiz dafür, was man erreichen wollte.

Obwohl er nur ein mittelmäßiger Erfolg war, hat dieser Streifen aber doch zu einer ganzen Subgattung von Nachahmern geführt, zu nennen wären da „Death Race 2000“ und „Death Sport“. Das Thema von institutionalisierter Gewalt in Massenmedien taucht natürlich auch immer wiederauf, wie z.B. in „Running Man“ oder zuletzt in der Hunger-Games-Reihe.

Der Junge und sein Hund – A boy and his dog auch 1975

Das ist ein Film, der sich heute richtig schwer erklären lässt. Sehr, sehr strange und natürlich das Gegenteil von politisch korrekt. Wir haben hier einen sehr, sehr jungen Don Johnson – der aus Miami Vice, richtig – und einen Hund.

Die beiden sind telepathisch miteinander verbunden und sie wandern durch eine dystopische Zukunft. Alles ist wirklich scheiße gelaufen in der Zukunft und wir befinden uns in einer Wüste namens USA, nach einem Atomkrieg.

Das ist seltsamerweise der vierte Weltkrieg, der im Jahr 2007 stattgefunden hat und nur sieben Tage gedauert hat. Dabei ist eigentlich alles kaputt gegangen, was man Zivilisation nennen kann.

Zum Beispiel gibt es praktisch nichts mehr zu essen als alte Konserven. Ach, und Frauen gibt es auch nicht mehr. Gut, dass der Hund mit dem Namen Blood eine seltsame Fähigkeit besitzt und die ist es, Frauen aufzuspüren. An denen sich dann der Protagonist, Vic – also Don Johnson – dann vergeht.

Klar, das klingt ekelig. Ist es ja auch. Und das wissen auch der Junge und sein Hund. Der Hund braucht den Jungen, um Futter zu finden und der Junge den Hund, um Frauen zu finden.

Denn in diesem Film nach einer Kurzgeschichte von Harlan Ellison bleibt von der Zivilisation nichts mehr übrig. Es geht nur um Fressen und Sex.

Das sollte ein warnendes Märchen sein: Wenn wir den kleinen dünnen Film der Zivilisation von der Wunde namens Leben abziehen, dann werden wir Menschen halt zu Tieren.

Oder eigentlich noch schlimmer als Tiere, denn der Hund – klingt komisch – ist der einzige sympathische Charakter in diesem Film.

Man braucht die kleine Zivilisation von seltsamen Menschen, die sich seit Jahrzehnten in Bunkern verstecken, eigentlich fast nicht mehr erwähnen. Diese Art von Post-War-Ästhetik kennen wir mittlerweile schon recht gut.

Das liegt zum Beispiel auch an Mad Max. Einer Reihe von mittlerweile vier Filmen. Wobei hier außergewöhnlicherweise der letzte Film mit Abstand der beste ist.

Mad Max ist eine Schöpfung von George Miller. Und fragt man den, was sein wichtigster Einfluß war, dann sagt er: Der Junge und sein Hund. Einer der ersten Post-Nuklear-Dystopien.

Und jetzt müssen wir einen Sprung machen. Denn 1977 kam „Star Wars“ ins Kino. Und das war ein Riesenerfolg, auch wenn keiner das geahnt hätte. Auch nicht George Lucas selber. Ich finde, in der Geschichte vom Erfolg dieses Films wird immer seine Frau vergessen. Marcia Griffin hat den Film erst so geschnitten, dass er aufsehenerregend neu aussah.

Der Cut ist neben dem Drehbuch und der Regie so wichtig für einen Film, aber Cutterinnen werden einfach nicht genug geschätzt. Es gibt eine sehr langweilige Version von Star Wars, so wie Lucas sie geschnitten hatte. Die fiel beim Testpublikum gnadenlos durch.

Aber egal, ich verquatsche mich schon wieder. 1977 kam also Star Wars und war ein Riesenerfolg. Nicht nur der Film, sondern auch der Merchandise. Also wurde das Konzept natürlich geklaut. Star-Wars-Klons sind ein Genre für sich. Und ein sehr lustiges. Viele der schrägsten Adaptionen stammen aus unserem Nachbarland Italien.

Aber da gibt es natürlich einen berühmten Trash-Regisseur, der sich auch einmal daran probieren musste. Und der den unterhaltsamsten Klon geschaffen hat.

Sador – Herrscher des Weltraums oder: Battle Beyond the Stars von 1980

Das ist ein Meta-Vergnügen. Ein bisschen ‚was für Menschen, die Trash mögen. Kein Einsteiger-Science-Fiction.

Die Geschichte ist schnell erzählt. Da ist also ein kleiner Bauernjunge. So wie eben Luke Skywalker. Bloß, dass es hier Johnboy Walton aus der Fernsehserie „Die Waltons“ ist. Oder eigentlich eben Richard Thomas. Der übrigens eine ganze Reihe an richtig guten Filmen gemacht hat. Aber natürlich nicht Sador.

Und da ist ein schlimmer Space-Bösewicht. Und natürlich ein weiblicher Sidekick mit überdurchschnittlich großen Brüsten. Die wird gespielt von Darelnne Flugel, die auch noch bessere Filme drehen durfte. Na ja, Kunststück.

Der Rest vom Plot ist komplett unübersichtlich und ist voller Außerirdischer und vor allem vielen Gefechten mit Laserwaffen. Das ist das Wichtigste.

Ansonsten ist das einfach „Die glorreichen Sieben“ noch einmal erzählt. Also dieser sagenhafte Western mit Yul Brynner und Steve McQueen. Der wiederum ein Remake ist von den „Sieben Samurai“ von Akira Kurosawa. Was wiederum auf einer japanischen Legende basiert, die wohl ursprünglich aus China stammt.

Der Film ist also eher ein ironisches Vergnügen. Kann man sozusagen satirisch kucken. Aber, wenn man sich von der Vorstellung verabschiedet hat, hier etwas Neues und wirklich Kreatives zu kucken, kann man daran Spaß haben.

So. Das waren die fünf zu Unrecht vergessenen Science-Fiction-Filme.