Unser kleines Nest


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Im heutigen Hörspiel belauschen wir ein Liebespärchen, dass sich endlich einen lange gehegten Wunsch wahrgemacht hat: Sie sind zusammen gezogen!

Das ist keine kleine Sache und hat einige ernste Konsequenzen, die beide noch gar nicht bedacht haben.


Download der Sendung hier.
Backgroundmusik: “Weekend Relaxation | Jazz & Chill” von Fantastic Music
Musiktitel: „C’est La Vie“ von NATTA / CC BY-NC-SA 3.0


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Die Geschichte zum Lesen

HW: Oh, mein Gott! Was ist denn in diesen Kisten? Sammelst Du vielleicht Ziegelsteine?
FA: Nein, Schatz, da sind nur Bücher drinnen. Nur Bücher. Du weißt doch, dass ich eine Leseratte bin. Und dann kommt noch das Studium obendrauf…
HW: Na ja, ist ja auch nicht so schlimm. Sind nur diese 13 Kisten, oder?
FA: Ja, nur die. Und kuck mal: Ich habe die Couch schon freigeräumt! Wollen wir kurz ein Päuschen machen?

HW: Au ja! Gute Idee! Wer hätte gedacht, dass das so ein Geschleppe wird?
FA: Ja, ich hätte auch gedacht, wir hätten das ganze Zeug vor Mitternacht hier oben. Wann genau müssen wir den Sprinter zurück geben?
HW: Das ist eigentlich egal. Der muss halt morgens um 7:00 h den Schlüssel im Briefkasten haben, wenn er den Laden aufsperrt. Sonst müssen wir noch einen Tag zahlen.

FA: Na ja, das kriegen wir schon hin, oder?
HW: Ja, jetzt haben wir’s gleich geschafft, denke ich auch.
FA: Kuck mal! Unsere eigene kleine Wohnung!
HW: Ja, nicht zu fassen, oder?
FA: Das kleine Nest, wo wir uns zu zweit von der Welt verstecken können! Nur Du und ich!
HW: Schon unglaublich, wie viel Miete so ein kleines Nest kostet!
FA: Ja, denn viel kleiner dürfte das Nest auch nicht sein!

HW: Trotzdem. Klein, aber mein! Ich bin wirklich froh, dass das mit meinen Eltern so unproblematisch war. Ich hatte mich darauf eingestellt, dass die rumzicken, aber es ging total easy!
FA: Meine Mutter hat mir überraschenderweise auch keinen Stress gemacht. Sie meinte nur, ich solle aufpassen, dass ich nicht ein Heimchen am Herd werde! Was immer ein Heimchen auch ist …
HW: Das sind so kleine Heuschrecken, mit denen man Reptilien füttert.
FA: Echt?

HW: Sicher. Mein Vater ist da sogar in so einem Terrariumsverein.
FA: Hä? Was soll das? Meint meine Mutter, Du würdest mich fressen?
HW: Das wäre doch ein berechtigter Verdacht!
FA: Strange, oder? Ich bin echt froh, dass ich die los bin. Die ist manchmal wirklich so seltsam drauf. Ich glaube fast, die kifft zuviel.

HW: Ja, ich bin auch froh, dass ich meine Mutter los bin! Die hat sich immer aufgeregt! Jetzt, wo ich ausgezogen bin, kann mich keiner mehr rumkommandieren!
FA: Jawohl! Jetzt sind wir frei!!
HW: Genau! Ab jetzt leere ich den Aschenbecher aus, wann ich will!
FA: Genau! (überlegt) Nö. Halt, warte mal! Welchen Aschenbecher?
HW: Na, meinen Aschenbecher. Muss noch in einer Kiste sein.
FA: Aber Du willst nicht in der Wohnung rauchen, oder?
HW: Wo denn sonst? Soweit ich weiß, haben wir weder einen Balkon, noch eine Terrasse hier im 10ten Stock!

FA: Aber Du weißt schon, dass ich Asthma habe, oder? Und Du weißt, was DAS hier ist? Das hier ist ein Inhalator. Du hast schon einmal gesehen, dass ich das regelmäßig inhalieren muss, oder?
HW: Fuck! Soll das heißen, ich muss jedes Mal ins Erdgeschoss runter, wenn ich eine rauchen will?
FA: Tut mir leid, aber Du weißt ja, wieviel mehr Geld die für Wohnungen verlangen, die einen Balkon haben, oder? Das sind lässig drei- oder vierhundert Euro im Monat. Das können wir uns nicht leisten. Ich meine, diese Kohle musst Du ja erst einmal verdienen! Mit Balkon hätte bedeutet, wir wären jetzt immer noch daheim.

HW: (nörglerisch) Ja, schon gut. Verstehe schon.
FA: Es wird alles gut, mein Schnucki!
HW: (versöhnt) Ja, ich glaube auch!
FA: Und vielleicht hörst Du einfach das Rauchen auf. Das kostet nur Geld und ist ungesund und Du stinkst danach wie ein Aschenbecher.
HW: Na, ich werde sicher nicht alle Viertelstunde runter ins Erdgeschoss fahren, so viel ist schon einmal sicher.

FA: Und hier auf Deiner Couch ist es doch so gemütlich, oder?
HW: Ja, die ist schon cool. Aber, Moment, wieso ist das denn meine Couch?
FA: Na ja, weil Du hier schläfst.
HW: Ach?
FA: Ja, und ich schlafe im Schlafzimmer.
HW: Ach?
FA: Na klar.
HW: Ich dachte, wir sind ein Liebespaar!
FA: Ja, und? Was hat das denn damit zu tun?
HW: Und wir würden auch Liebe machen!

FA: Klar, aber dann ist es doch umso praktischer, wenn wir dafür mehrere Orte zur Auswahl haben, oder?
HW: Und warum schlafen wir nicht gemeinsam im Schlafzimmer? Das Bett wäre doch breit genug?
FA: Einsvierzig? Nein, das geht nicht, mein Lieber. Ich bin eine sehr raumgreifende Schläferin. Und ich brauche meinen Schlaf, gerade jetzt, wo bald die Prüfungsphase beginnt. Und Du schnarchst.
HW: Das tu‘ ich nicht!

FA: Doch, das tust Du! Aber kuck doch nicht so enttäuscht, mein Süßer! Keine Angst, dass wird uns eher verbinden als trennen!
HW: Pfft! Gerade zusammengezogen und schon leben wir wie ein altes Ehepaar!
FA: Stell‘ Dir vor, wie praktisch das ist! Hier, auf Deiner Couch, können wir uns einen romantischen Film ankucken und dabei Chips essen. Und dann können wir in meinem Bett Liebe machen, ohne das alles voller Brösel ist!
HW: Ach. Und danach kann ich wieder rüber gehen und auf der Couch schlafen. In den Bröseln!

FA: Na, komm! Als ob Dir das was ausmacht! Wenn ich nur daran denke, welche Mengen Erdnussschalen aus dem Ding beim Einladen gefallen sind!
HW: Ja, das war ein bisschen eklig, zugegeben.
FA: Das wird supergemütlich, glaub‘ mir! Keine Angst. Das klingt jetzt unromantisch, aber das hat viele Vorteile. Da kann ich schon schlafen und Du kannst Dir Deine blöden Horrorfilme ankucken – das würde sonst ja nicht gehen, oder?

HW: Das klingt schon ein bisschen wie ein Vorteil. Ach, das erinnert mich übrigens: Kommenden Donnerstag haben die Jungs und ich hier Fernsehabend!
FA: Was? Das geht nicht! Da kommen Gabi und Steffi!
HW: Wieso kommen die denn?
FA: Auch zum Fernsehabend!

HW: Was? Ihr wollt auch das Staffelfinale von „The Orville“ kucken?
FA: Wie bitte? Nein! Da beginnen die Olympischen Spiele!
HW: Wer will das denn sehen?
FA: Na, Gabi und Steffi und ich!
HW: Aber die Jungs und ich haben das schon vorher ausgemacht!
FA: Das weißt Du doch gar nicht!

HW: Das steht schon seit Januar fest! Seit die Sendetermine raus sind!
FA: Pah! Das mit der Olympiade steht schon seit vier Jahren fest!
HW: Und das ist mein Fernseher!
FA: Der an meine Boxen angeschlossen ist!
HW: Du willst einfach immer Deinen Kopf durchsetzen!
FA: Will ich gar nicht!
HW: Ich habe wirklich keinen Bock, schon wieder nachzugeben.
FA: So geht das aber nicht!
HW: So geht das auch nicht!

FA: Warte mal. Lass uns nicht gleich am ersten Tag streiten.
HW: Nein, das wäre kein gutes Omen für unser Zusammenleben.
FA: Nein. Wir müssen das irgendwie organisieren. Wir müssen das mit den Fernsehterminen halt einfach abwechselnd machen. Dieses Mal kommen halt meine Freundinnen und ihr geht halt zu Manfred und das nächste Mal müssen wir uns halt nach etwas Anderem umsehen. Können wir das so machen?
HW: Ich habe den Eindruck, dass schon wieder ich den Kürzeren gezogen habe.
FA: Schatz, wenn es Dir wichtig ist, dann können wir das auch umgekehrt machen. Wenn es Dir wirklich wichtig ist, dann trete ich zurück.

HW: Ach. Passt schon. Ist schon gut. Machen wir’s, wie Du vorgeschlagen hast.
FA: Prima! Schön, dass wir das so toll hinkriegen! Es hilft halt, wenn man verliebt ist!
HW: Ja, Schatz! Wir werden das schon hinkriegen mit dem Zusammenleben, oder?
FA: Wird schon werden!

HW: Du, ich habe übrigens einen Mords-Kohldampf! Wollen wir die Wohnung mit unserem ersten Essen hier einweihen?
FA: Das wäre hübsch! Kannst Du mal in die Kiste hinter Dich greifen? Da sollten die Kerzenständer sein! Ich habe hier schon eine Flasche Wein vorbereitet. Und unser erstes gemeinsames Abendessen!
HW: Da bin ich ja gespannt!
FA: So. Jetzt ist es doch gemütlich! Kannst Du die Lampe … ich meine, kannst Du die Glühbirne mal ausschalten?

HW: Klar.
FA: So! Das schaut doch schon ganz gemütlich aus in unserem kleinen Nest, oder?
HW: Was ist das denn?
FA: Was meinst Du?
HW: Na das!
FA: Das ist unser Abendessen!
HW: Das sind Butterbrote von Deiner Mutter. In Frischhaltefolie.

FA: Und hier, die Beilage nicht vergessen!
HW: Kartoffelchips?
FA: Und, wenn Du willst, als Nachspeise noch das hier!
HW: Ein Snickers?
FA: Genau! Das schneiden wir mit dem Messer in kleine Scheiben und dann tun wir so, als wäre es eine Delikatesse und füttern uns damit gegenseitig!
HW: Das ist also das Menü, dass Du meintest, als Du gesagt hast: „Für das romantische Candle-Light-Dinner ist schon gesorgt?“

FA: JA. Ist das nicht romantisch?
HW: Ehrlich gesagt: Nein. Kein bisschen. Das ist eher traurig. Das erste Essen in unserer neuen Wohnung ist Butterbrot von zu Hause. Und da ist ja nicht einmal ein Belag drauf!
FA: Na, ist halt ein Butterbrot. Warum sollte das denn Butterbrot heißen? Mit Käse wäre es ja ein Käsebrot und mit Wurst wäre es ein Wurstbrot.
HW: Gib es zu: Du hast nicht die geringste Ahnung vom Kochen.
FA: Null.

HW: Aber Du hast gesagt, Du kümmerst Dich darum. Obwohl Du die Frau bist und ich der Mann.
FA: Hab‘ ich. So wie Du Dir einen Job gesucht hast, um das Geld zu verdienen. Obwohl Du der Mann bist und ich die Frau.
HW: Ach, erinnere mich bloß nicht an den blöden Job! Ich hasse ihn!
FA: Und ich hasse Kochen! (Weinerlich) Mir ist im Leben noch nie irgendetwas gelungen, was ich gekocht habe! Ich dachte wirklich, Du würdest das mit den Butterbroten romantisch finden …

HW: Ach, meine Kleine! Du musst doch nicht weinen! Wegen Butterbroten! Ich würde mein Leben lang Butterbrote essen, wenn wir dafür zusammenbleiben würden. Aber …
FA: Aber was?
HW: Aber irgendwie ist unsere Beziehung nicht …
FA: Unsere Beziehung ist was nicht?
HW: Na ja, unsere Beziehung leidet ein bisschen darunter, dass wir jetzt zusammen wohnen, oder?
FA: Findest Du?
HW: Findest Du nicht?

FA: Na ja, wir haben uns jetzt in einer Viertelstunde dreimal gestritten.
HW: Und vorher das ganze Leben noch nicht ein einziges Mal!
FA: Das ist schon irgendwie auffallend.
HW: Vielleicht …
FA: Vielleicht was?
HW: Vielleicht sollten wir …
FA: Jetzt schweig‘ doch nicht immer so bedeutungsvoll! Vielleicht sollten wir was?
HW: Wir sollten das hier alles abblasen. Wir sind noch nicht soweit. Wir sollten wieder heim zu unseren Eltern ziehen!

FA: Darum haben die uns auch so schnell ziehen lassen! Die wussten, das würde schief gehen!
HW: Genau! Das ist die Erklärung! Die wollten, dass wir uns die Hörner abstoßen und erkennen, dass wir einfach noch nicht reif genug sind!
FA: So lief das! Garantiert! Das sieht denen mal wieder ähnlich! Ja, lass uns wieder nach Hause ziehen! Ich freue mich schon wieder auf mein Kinderzimmer!
HW: Und ich freue mich, wenn ich wieder am Fenster rauchen kann!

FA: Und wir können dann beide einen Fernsehabend am Donnerstag haben!
HW: Ja! Wie toll! Und wir können weiter ein Liebespaar bleiben!
FA: Genau! Wir müssen unsere Beziehung nicht mit so Scheiß belasten wie Alltag.
HW: Ist ja auch kein Wunder, dass das nicht geklappt hat.
FA: Nein. Wir sind einfach noch zu jung. Vielleicht versuchen wir das noch einmal nach meinen Prüfungen und der Probezeit? So in zwei Jahren?

HW: Ja! Das machen wir! Wer hat denn festgelegt, dass man nicht mit Vierzig noch bei seinen Eltern leben kann?
FA: (spöttisch) Moment! Ich werde erst nächstes Jahr vierzig!
HW: Tut mir leid, meine Kleine!
FA: Hach! Ich freu‘ mich schon darauf, wenn wir das nächste Mal zusammenziehen!
HW: Das wird sicher romantisch!
FA: Unser eigenes kleines Nest!
HW: Nur Du und ich!


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