Übergangsweise



Trennungen sind schmerzhaft, aber unvermeidlich. Wir alle müssen das erleben, keine Beziehung ist endlos oder ewig. Das kann für beide Partner dauerhaft zu Belastungen führen. 

In unserem heutigen Hörspiel geht es um die ganzen Probleme, die so eine Trennung mit sich bringt und um die Vermeidung von eventuellen Folgeschäden. Durch einen eher ungewöhnlichen Einfall, kann man das – für beide Seiten – in eine Win-Win-Situation verwandeln!


Download der Sendung hier.
Musiktitel: „Is It Right?“ von Lower Loveday / CC BY-SA 3.0


Was denkst Du? Deine Meinung über diese Geschichte bei uns im Forum.
(Nur für Unterstützer)


Skript zur Sendung

Sie: Hallo! Schön, dass Du doch noch gekommen bist! Freut mich!

Er: Woher hast Du bitte meine neue Handynummer?

Sie: Das war nicht einfach, zugegeben. Willst Du Dich nicht setzen?

Er: Ich habe echt keine Zeit für Dich, tut mir leid!

Sie: Hübsch schaust Du aus!

Er: Ich weiß.

Sie: Die Ohrringe, sind die neu?

Er: Geht Dich einen feuchten Kehrricht an!

Sie: Bitte! Hör mich an! Ich weiß, dass Du jetzt Zeit hast. Darum habe ich extra dieses Kaffee ausgesucht. Weil das genau neben Deinem Fitness-Studio liegt.

Er: Du bist echt unheimlich! Was soll dieses Hinterher-Spionieren?

Sie: Setz Dich doch. Bitte! Nur fünf Minuten!

Er: Fünf Minuten? Niemals. Ich gebe Dir eine.

Sie: Von mir aus. Besser als nichts. Aber setz‘ Dich bitte!

Er: Na gut. Zufrieden?

Sie: Schon viel besser. Darf ich Dich zu einem Kaffee einladen?

Er: Auf gar keinen Fall!

Sie: Ein Glas Prosecco? Ein isotonisches Getränk? Eine Schokolade?

Er: Du kannst mich auf genau gar nichts einladen!

Sie: Na gut. Also. Es gibt schon einen Grund, warum ich noch einmal mit Dir sprechen will.

Er: Und teilst Du den mit?

Sie: Na gut. Ich mach’s ganz knapp. Also… (Pause) Ich… (Pause) Du fehlst mir!

Er: Wie bitte?

Sie: Du fehlst mir. Ich kann nicht mehr richtig schlafen…

Er: Versuchs doch mal mit Melatonin. Müsste noch eine Dose rumstehen aus den Staaten.

Sie: Ich bin den ganzen Tag total nervös.

Er: Da würde ich Johanniskraut empfehlen.

Sie: Ich kann kaum noch arbeiten, weil ich mich nicht richtig konzentrieren kann!

Er: Selbst das ist behandelbar. Ritalin würde mir da einfallen…

Sie: Ich schaffe es morgens kaum, mir richtig die Schuhe zu zubinden!

Er: Dann schaff‘ Dir Slipper an. Oder Schuhe mit Klettverschluss!

Sie: Verstehst Du nicht? Ich komme nicht über unsere Trennung hinweg! Ich kann so nicht mehr leben!

Er: Hör‘ mal zu, Du Witzfigur! Ich habe nicht Schluss gemacht, sondern Du! Du hast mich eiskalt nach sechs Wochen abserviert! Erinnerst Du Dich? Und das ohne Angabe von irgendwelchen Gründen. Einfach so: Ciao und Bye bye!

Sie: Ich war mir selber nicht sicher, warum. Aber jetzt weiß ich es!

Er: Ach! Und was waren Deine Gründe?

Sie: Ich, ich, ich begann Gefühle für Dich zu entwickeln.

Er: Ach so! Nach sechs Wochen hast Du Gefühle für mich entwickelt? Welche denn?

Sie: Ich habe begonnen, tiefe Gefühle für Dich zu entwickeln.

Er: Du? Tiefe Gefühle? Im Ernst? Das kann ich mir kaum vorstellen. Du hast ungefähr den Tiefgang von Transparentpapier!

Sie: Transparentpapier?

Er: Soll heißen, Du bist so oberflächlich wie Donald Trump!

Sie: Autsch! Das ist aber fies!

Er: So, und jetzt muss ich gehen! Das ist ja eine Lachnummer hier!

Sie: Bitte, warte! Es kann so doch nicht weitergehen!

Er: Für mich kann es durchaus so weitergehen! Seitdem wir uns getrennt haben, geht es mir viel, viel besser! Ich habe sogar schon eine neue Freundin, seit zwei Wochen. Was sagst Du nun?

Sie: Wow! Das ging aber schnell!

Er: Was denkst Du denn? Ich bin ein attraktiver Mann. Und intelligent.

Sie: Das stimmt. Aber das war trotzdem ein bisschen schnell.

Er: Ja, gell. Schnelligkeit, das ist nicht so Deine Spezialität? Du brauchst ja schon sechs Wochen um Gefühle zu entwickeln. Wahrscheinlich hättest Du Dich in fünf Jahren in mich verliebt, in dreißig Jahren wären wir verheiratet, und – wer weiß? – in 120 bis 130 Jahren hätten wir vielleicht Kinder?

Sie: Egal. Ist schon gut. Ich weiß, dass alles meine Schuld ist. Es tut mir auch leid. Aber ich muss etwas unternehmen.

Er: So so. Dann unternimm doch etwas. Aber dazu brauchst Du doch nicht mich! In den ganzen sechs Wochen hast Du nicht einmal gesagt, dass Du mich liebst oder brauchst oder begehrst. Ich bin mir nicht einmal sicher, ob Du gesagt hast, dass Du mich magst!

Sie: Na ja, ich habe schon langsam begonnen, Gefühle für Dich zu entwickeln…

Er: Und das war Dein Problem? Deshalb hast Du unsere Beziehung beendet?

Sie: Genau.

Er: Weil Du Gefühle empfunden hast?

Sie: Ja. Das ist mir noch nie passiert. Das hat mein Leben völlig aus dem Lot gebracht.

Er: Weißt Du ‚was? Du bist ein emotionaler Krüppel!

Sie: Möglich. Kann ich nicht ausschließen. Und? Hast Du ‚was gegen Behinderte?

Er: Ach, lass mich doch in Frieden! Was mache ich überhaupt hier! Leb‘ wohl!

Sie: Halt! Warte! Ich will Dir doch nur erklären…

Er: Nein, danke! Mir reicht’s endgültig! Das hier macht alles nur noch absurder!

Sie: Bitte!

Er: Und tschüss!

Sie: Geh‘ nicht, Du dummer Arsch!

Er: Wie bitte?

Sie: Ich liebe Dich doch!

Er: Das, meine Liebe, das kommt viel zu spät! Viele Wochen zu spät!

Sie: Ja! Ich weiß! Es tut mir auch leid! Aber ich habe mein Leben nicht mehr unter Kontrolle!

Er: Das hattest Du doch noch nie! War das jemals anders?

Sie: Doch! Bevor ich diese… diese Gefühle entwickelt habe, da lief alles prima!

Er: Das glaubst doch nur Du! Was hast Du denn gemacht? Mit Deinen Kumpelinnen abgehangen und gesoffen, Computerspiele gezockt, schlechte Filme angeschaut und ab und zu einen Mann abgeschleppt!

Sie: Genau! Alles völlig in Ordnung! Alles unter Kontrolle! Alles normal!

Er: Wie? Pizzakartons von vor vier Jahren unter dem Couch-Tisch archivieren? Das ist „Alles unter Kontrolle?“

Sie: Sehr gut! Das ist genau das Gespräch, das ich brauche!

Er: Wie bitte?

Sie: Ja! Ich habe mir einen Plan ausgedacht, wie ich es schaffe, von Dir loszukommen.

Er: Du hast Dir einen Plan ausgedacht?

Sie: Habe ich!

Er: Und den dann auf eine gebrauchte Serviette gekritzelt. Und die dann verloren, oder? Alles unter Kontrolle, stimmt’s?

Sie: Sei nicht so gemein.

Er: Ich kann jederzeit wieder gehen…

Sie: Hör‘ mir bitte kurz zu! Es ist ganz simpel! Alles, was Du tun musst, ist, in den nächsten Wochen mit mir zusammen zu sein!

Er: (lacht sardonisch) Ein toller Plan! Genau das werde ich nicht tun!

Sie: Warte doch einmal kurz ab. Die Idee ist, wir machen einfach da weiter, wo wir aufgehört haben. Und dann wird mir Deine Anwesenheit so auf den Wecker gehen, dass wir uns trennen können!

Er: Wie bitte? Meinst Du das im Ernst? Bist Du im Vollbesitz Deiner geistigen Kräfte?

Sie: Durchaus! Das ist nur logisch. Warte, ich habe hier…

SFX: Papier

Sie: …einen genauen Plan mit mehreren Punkten vorbereitet. Willst Du Dir den wenigstens einmal anhören?

Er: Na gut. Zwei Minuten.

Sie: Punkt eins: Du rufst mich jeden Morgen bei der Arbeit…

Er: Morgen! Hah! Du meinst um 12 Uhr?

Sie: …Du rufst mich jeden Morgen an und sagst mir am Telefon, wie sehr Du mich vermisst. Und dass Du Dich schon freust, wenn wir endlich wieder zusammen sind.

Er: Wie bitte? Das werde ich ganz sicher nicht tun!

Sie: Das ist aber gut! Das ist so klettig! Da werde ich mich total überwacht und eingesperrt fühlen, verstehst Du?

Er: Ach, so läuft der Hase!

Sie: Punkt zwei: Du schreibst mir den ganzen Tag wieder WhatsApps, die mich über das informieren, was Du gerade isst oder wie es Dir geht. Und die versiehst Du wieder mit viel zu vielen Emojis. Am besten das Kuss-, das Herz- und das Bärchen-Emoji. Weil ich ja Dein Bärchen bin.

Er: Das habe ich nie gemacht!

Sie: Doch. Hast Du wohl. Punkt drei: Wenn ich mit meinen Kumpelinnen abhänge und wir gemeinsam „Portal II“ zocke, dann kommst Du rein und ziehst so lange eine Schnute, bis ich genervt mit Dir Abendessen gehe. Wo Du dann nur einen kleinen gemischten Salat isst.

Er: Du zahlst?

Sie: Ich zahle.

Er: Kann… ich mir vorstellen!

Sie: Punkt vier: Wenn ich im Büro bin, dann kommst Du in die Wohnung und räumst auf…

Er: DAS werde ich garantiert nicht tun.

Sie: Hab‘ ich mir gedacht. Alternativ kannst Du auch einfach nur beliebige Dinge umordnen. So wie Du Dir halt Ordnung vorstellst.

Er: So wie sich jeder Ordnung vorstellt. Außer Dir und Oskar aus der Sesamstraße.

Sie: Wie auch immer. Wichtig ist nur, dass ich normale Alltagsgegenstände lange suchen muss.

Er: Zum Beispiel den Flaschenöffner in der Besteckschublade.

Sie: Genau! Genial! Da wäre ich nie drauf gekommen!

Er: Gut. Kann ich mir auch vorstellen.

Sie: Punkt fünf: In regelmäßigen Abständen räumst Du meine Sachen aus dem Bad weg und stellst alles mit Deinen Wässerchen, Cremes und Body Lotions voll.

Er: Du zahlst?

Sie: Ich zahle. Hier übrigens der Wohnungsschlüssel.

Er: Okay…

Sie: Wenn ich am Wochenende einen Film kucken will, dann findest Du alle meine Vorschläge zu brutal, zu doof oder zu langweilig und zwingst mich dazu, zum zehnten Mal diesen französischen Liebesfilm zu kucken, wie heißt der noch?

Er: Hey, das ist ein moderner Klassiker. Du meinst „Blau ist eine warme Farbe“?

Sie: Genau!

Er: Am besten noch im Original: La vie d’Adèle!

Sie: Sehr gut! Ich bin begeistert von Deiner Mitarbeit!

Er: Kann ich mir auch noch ganz gut vorstellen.

Sie: Punkt Nummer sechs: Wenn wir zu einem wichtigen Termin müssen, dann brauchst Du immer im Bad eine Stunde länger als geplant. Und dann brauchst Du noch eine Stunde, bis Du Dich für die richtigen Klamotten entschieden hast. Und zwischendurch frägst Du mich immer, wie Du ausschaust. Und bist dann bei jeder Antwort beleidigt.

Er: Kein Problem.

Sie: Na ja, der Rest ist eigentlich Kleinkram. Wenn wir Autofahren, dann erklärst Du mir jedes Mal, dass ich eine gemeingefährliche Raserin bin und zutiefst unsozial.

Er: Wahrheit sagen. Check.

Sie: Und manchmal kommst Du und redest mit mir in Babysprache, als ob ich auf dem geistigen Niveau eines Kleinkinds bin.

Er: Niveau anpassen. Check.

Sie: Wenn ich total konzentriert bin und keine Ablenkung brauche, dann fängst Du an, meine Ohren zu knutschen.

Er: No way! DAS sicher nicht!

Sie: Aber die anderen Sachen schon?

Er: Na ja, also…

Sie: Also erwägst Du, mitzumachen?

Er: Moment! So weit wollen wir nicht gleich gehen! Das habe ich nicht gesagt!

Sie: Bitte! Das wäre mir so wichtig! Ich verspreche Dir auch, nach höchstens vier Wochen wird mir das zuviel! Und dann belästige ich Dich nicht mehr weiter!

Er: Vier Wochen, meinst Du?

Sie: Das ist alles, was ich verlange. Vier Wochen!

Er: Das könnte ich eventuell in Erwägung ziehen. Aber… Was springt für mich dabei raus?

Sie: Wie? Soll ich Dich dafür bezahlen, dass Du so bist, wie Du bist?

Er: Nein, Dein Geld brauche ich nicht. Behalte das lieber ‚mal schön für Dich!

Sie: Na ja, ich hätte da schon eine Idee…

Er: Ich höre.

Sie: Also, wenn wir uns so einvernehmlich getrennt haben, dann könnte ich…

Er: Ich warte immer noch!

Sie: Dann könnte ich Dir eine Freundin für’s Leben sein.

Er: Eine Freundin für’s Leben?

Sie: Genau. Das kann ich.

Er: Ohne irgendwelche Verpflichtungen?

Sie: Ohne Verpflichtungen.

Er: Wenn ich mitten in der Nacht irgendwo eine Panne habe und Dich anrufe, dann kommst Du und hilfst mir?

Sie: Kein Problem! Versprochen!

Er: Ohne mir blöde Vorwürfe zu machen?

Sie: Ohne Vorwürfe.

Er: Und Du sagst nicht, dass ich technisch unterbemittelt bin und zu doof, um ein Reifen zu wechseln?

Sie: Niemals!

Er: Und wenn meine Beziehung mit Miriam…

Sie: Miriam. Aha.

ER: Wenn die nicht hinhaut, dann kann ich zu Dir kommen und an Deiner Schulter heulen, bis es mir wieder besser geht?

Sie: Natürlich. Dafür sind Freunde da!

Er: Und wenn ich umziehe, dann hilfst Du mir?

Sie: Oh! Na, dass ist eine spezielle Problematik…

Er: Ohne Wenn und Aber?

Sie: Gut. Ohne Wenn und Aber!

Er: Kühlschrank, Waschmaschine, Bücherkisten?

Sie: Also, mein Rücken…

Er: Ohne Wenn und Aber!

Sie: Gut. Einverstanden. Aber nicht das Piano!

Er: Nein, nicht das Piano. Das habe ich eh‘ verkauft.

Sie: Gut.

Er: Und das alles machst Du für den Rest unseres Lebens?

Sie: So lange ich lebe. Wenn wir uns erst einmal getrennt haben.

Er: Wir haben uns schon getrennt. Erinnerst Du Dich?

Sie: Ich meine: Wenn ich von Dir los gekommen bin! Und keine tiefen Gefühle mehr für Dich empfinde.

Er: Na, das kann ja nicht lange dauern…

Sie: Ist ja nur übergangsweise.

Er: Ja, nur übergangsweise.

Sie: Also, bist Du einverstanden?

Er: Ich bin einverstanden!

Sie: Deal?

Er: Warte, ich habe gerade eine SMS bekommen, ich muss kurz…

Sie: Ha! Das fängt ja schon sehr gut an! Prima! Also? Deal?

Er: Wie bitte? Ja. Deal…

Sie: Okay. Gut. Prima. Haben wir das. Dann, zu etwas ganz anderem. Duhuuu?

Er: Ja, was ist?

Sie: Jetzt, wo Du schon meinen Schlüssel hast, kannst Du meine Wäsche aus dem Waschsalon mitnehmen?

Er: Wie bitte? Niemals! Spinnst Du?

Sie: Ha! Sehr gut! Es fängt schon an zu wirken!