Richtung 2000


Eines der besseren Dinge am Internet ist die Masse an Dokumentationen, die einem jetzt zum Anschauen zur Verfügung stehen.

So wie zum Beispiel „Richtung 2000“. Eine ZDF-Dokumentation, die im Jahre 1972 versucht, das Jahr 2000 zu beschreiben.

Davon berichtet Frau Anders und damit wird diese Sendung ein doppelter Rückblick in gleich zwei Vergangenheiten. Echt unterhaltsam und sehr interessant!


Download der Episode hier.
Musik: „Optimum“ von MARC ROBBERTTSON / CC BY-SA 3.0

5 antworten auf “Richtung 2000”

  1. Es ist nunmal trotzdem nicht so supergeil für schwarze Kinder, wenn sie das Wort, mit dem sie auf der Straße gerne beschimpft werden, dann auch noch gesellschaftlich gebilligt beim Vorlesen von ihrem weißen Erzieher hören müssen. Das muss man den Kindern echt nicht zumuten, finde ich. Auch wenn ich persönlich jetzt nicht das Buch verbieten, sondern vielleicht ein paar Wörter austauschen würde oder so.

    Wir leben eben doch immer noch in einer Gesellschaft (und in Schweden ist es vermutlich nicht so viel anders), in der sowas hier kein Einzelfall ist: http://www.new-generation-berlin.de/prenzlauer-berg-17jaehriger-von-4-maennern-brutal-zusammengeschlagen/1743
    Wenn es diesen ganzen alltäglichen Rassismus nicht gäbe, wäre es vielleicht egal, was für Wörter in irgendwelchen Büchern vorkommen, weil sie dann nicht so viel verletzende Macht hätten. Aber wenn jemand täglich Demütigungen ertragen muss, zu denen all diese Kleinigkeiten beitragen, ist das was anderes.

    1. Hallo Rita!
      Danke für Deinen umfassenden Kommentar!
      Ich finde Deine Argumentation auch völlig nachvollziehbar und schlüssig.
      Aber ich finde es nicht richtig, unsere Bücher textlich dem Zeitgeist anzupassen.
      Schon aus Respekt vor den Werken und den Autoren.
      Das macht Literatur dann zu einer beliebigen und austauschbaren Sammlung von Wörtern.
      Wenn der weiße Erzieher in Deinem Beispiel „Pippi“ vorlesen will, dann muss er das eben gegebenenfalls an der Stelle thematisieren oder erklären.

    2. liebe Rita,
      ich kann das total nachvollziehen was du sagst und mein erster Impuls ist, genau die gleiche Konsequenz zu fordern!
      Aber wenn wir es gesamtgesellschaftlich irgendwie schaffen „Dem“ keine Nahrung mehr zu geben, sondern einfache, wissenschaftliche Fakten anschauen, die keinen Raum mehr für Diskriminierung lassen… weil nämlich,
      ursprünglich hatten alle Vorzeitmenschen oder frühen Menschen eine schwarze Haut. – Die unterschiedlichen Farben entwickelten sich erst mit deren Ausbreitung in kältere Regionen.

      Die originale Hautfarbe der Menschen ist schwarz. Der blasse Teint entwickelte sich erst allmählich, nachdem einige unserer Vorfahren vor etwa 100 000 Afrika verließen und sich in Breiten mit weniger intensivem Sonnenlicht ausbreiteten. Ihre Körper mussten weniger Pigmente bilden, damit durch die Haut genug UV-Strahlung eindringen und sie genug Vitamin D bilden konnten. Die weiße Haut ist somit nur eine reine biologische Anpassungsreaktion auf verändertes Klima.

      Können wir vielleicht durch Aufklärung ein in Damokles-Schwert über unseren Köpfen vermeiden, dass ständig droht, uns bei einem verbalen Verstoß gegen eben diese nicht definierten Regeln als Rassist gestempelt zu werden!
      liebe Grüße

  2. // Können wir vielleicht durch Aufklärung ein in Damokles-Schwert über unseren Köpfen vermeiden, dass ständig droht, uns bei einem verbalen Verstoß gegen eben diese nicht definierten Regeln als Rassist gestempelt zu werden!

    ich denke auch, dass, wenn es diesen alltäglichen Rassismus in unserer Gesellschaft nicht gäbe, wir uns gar nicht um irgendwelche blöden Wörter so viele Gedanken machen müssten. Aber das ist leider ein sehr großes WENN. Denn aktuell ist die Situation einfach so, dass im Denken und in der Sprache der meisten Leute Rassismus verankert ist (auch in meinem eigenen, natürlich, denn ich bin ja damit aufgewachsen…). Dadurch, dass man sich selbst dafür sensibilisiert und sich klar macht, wie sehr auch einzelne Wörter und Formulierungen ausgrenzen und abwerten können, geht man meiner Meinung nach einen der ersten Schritte in Richtung einer nicht-diskriminierenden Gesellschaft.

    Bei manchen Formulierungen ist es nicht auf den ersten Blick zu erkennen, z.B., wenn ich jemandem von meiner Behinderung erzähle und dann das das vermeintliche Kompliment kommt „Das sieht man dir ja gar nicht an!“ – was bei genauerer Betrachtung echt verletzend ist, denn was meinen diese Leute denn bitte, wie „solche wie ich“ aussehen müssten? Und da schwingt außerdem noch mit, dass sie es sehr wichtig finden, „normal“ auszusehen.
    Beim N-Wort hingegen ist es ja sogar sehr leicht zu erkennen, dass die Verwendung problematisch ist, denn das wurde in seiner Geschichte immer schon als abwertender Begriff benutzt und ist definitiv nicht freundlich gemeint. Auch wenn Menschen wie meine Eltern gerne behaupten, sie würden es ja „nicht böse meinen“ und das wäre nur „ein ganz normales Wort“ für sie. Wenn man sich dann die Sätze anhört, in denen sie es benutzen, sind die hingegen eindeutig abwertend gemeint. Das spricht für mich sehr dafür, so ein Wort komplett aus meinem Wortschatz zu streichen, um einerseits niemanden damit zu verletzen und andererseits kein schlechtes Vorbild zu sein für andere, die es dann auch benutzen.

  3. liebe Rita,
    ja, das stimmt wohl leider. das gegenteil von gut ist „gut gemeint“ oder „nicht böse meinen“.
    Das „ganz normale Wort“ hat sich schon so etabliert, dass keiner mehr über die konnotative Hintergründigkeit nachdenkt, gewollt oder ungewollt…

    Aber, wie (der von mir sehr geschätzte) Eckart Tolle behauptet: „Es gibt nicht das Böse, es gibt nur das Unbewußte“ kommen wir leider dennoch, zu dem gleichen Schluße. So scheint es uns zumindest.

    Und dennoch: Unser bewußtes Sein wird sich ändern, weil wir uns verändern! Denn schließlich entwickelt sich unser Bewußtsein nicht aus unserer (Um-)Welt, sondern unsere Welt entwickelt sich wohl eher aus unserem Bewußtsein!

    Und auch dafür steht das Morgenradio, weil wir daran glauben.

    Schön, dass Du bei uns bist Rita!

    liebe Grüße
    Ellen

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