Ratpack

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Kennst Du „Oceans’s Eleven“? Nein, das andere! Das Alte, das Original? Das ist ein Film mit dem sogenannten Rat Pack. Der harte Kern dieser Lebemänner waren die Sänger Frank Sinatra, Dean Martin und Sammy Davis Jr. Das Morgenradio verfügt über einmalige Aufzeichnungen, die dokumentieren, wie sich diese stylishen Superstars des Swings kennengelernt habe!


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Download der Sendung hier.

Bildbeitrag: „The Rat Pack“ von Debbie Faas
Opener: „The Rat Pack – Birth of the Blues“ von DivineTaer
Closer: „Dean Martin on Stage. Opera House 1965 SL“ von TheSinatrafans
Musik: „Anything Goes“ von Henry Hall and the BBC Orchestra / Public Domain Mark 1.0

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Die Geschichte zum Lesen

Wenn man wirklich wissen will, was Style überhaupt ist, dann muss man weit zurückgehen in der Zeit. Bis in die Fünfziger. Da gab es noch echte Männer, die wussten, was Stil ist. Die überhaupt erst definierten, was „cool“ überhaupt bedeutet. Die wussten, wie man sich anzieht, waren geistreich und weltgewandt und lebten uns ein Leben vor, wie es sich wohl heute noch jedermann erträumt. Die Herzen der Frauen flogen ihnen entgegen. Und sie dominierten die Musikwelt und die Casinos von Las Vegas.

Die Rede ist vom berühmten „Rat Pack“. Das waren im Kern vor allem Dean Martin, Frank Sinatra und Sammy Davis Jr. Die konnten zu lässiger Swingmusik die schnulzigsten Balladen singen und es war trotzdem nicht Schlager. Oder Textzeilen wie „Wenn der Mond am Himmel aufschlägt wie ein Pizzaboden, das ist Amore…“. Ohne dass es nur im Geringsten albern gewirkt hätte.

Und diese drei Weltmänner waren zu allem Überfluss auch noch die dicksten Freunde. Und verbrachten jede freie Minute miteinander. Und liessen keinen Wortwitz und keine Gelegenheit aus, sich zu amüsieren.

Vor einiger Zeit sind mehrere Aufzeichnungen wieder aufgetaucht, die es uns ermöglichen, genau zu rekonstruieren, wie es zu dieser Bündelung von Style und gutem Geschmack gekommen ist.

Begonnen hat alles an einem Freitag, im Mai des Jahres 1956. Frank Sinatra hatte gerade ein Konzert gegeben im „Big Time Plaza Hotel“ im Herzen von Las Vegas. Entspannt verbrachte er den Rest des Abends mit einer Gruppe von Fans und seinem Agenten, als das Telefon klingelte. Joe Capucci, sein Agent, nahm den Hörer ab.

JC: „Hey, Frankieboy, da ist jemand dran, der mit Dir sprechen will. Ist, glaube ich, einer Deiner Kumpel von der Familie. Heißt Don Martin, oder so, also wahrscheinlich ein hohes Tier…“

FS: „Hmm? Was? Na, ok. Gib her! Hallo, wer ist da?“

DM: „Ich bin’s, Dean Martin. Ich habe heute Deine Show gesehen…“

FS: „Na und?“

DM: „Du kannsja überhaupt nicht singen. Und Du bist ja sooo klein, das issja süß…“

FS: „Und Du, Du bist besoffen. Und Du kannst erst recht nicht singen. Ohne Jerry Lewis würde Dich keine Sau kennen!“

DM: „Ich bin vielleicht besoffen. Aber morgen, morgen, da bin ich auch besoffen. Und dann kannst Du immer noch nicht singen und bist immer noch sooo klein, hihihi…“

FS: „Ruf‘ mich nie mehr an, Du Suffkopf!“

So begann also die Freundschaft zwischen den beiden der größten Crooner in der Geschichte. Von nun an waren sie untrennbar. Es sollte nicht einmal ein halbes Jahr dauern, bis die beiden auf einem Empfang des kubanischen Botschafters auf das dritte Blatt des Kleeblatts stiessen, auf Sammy Davis Jr. Auch das haben wir als Aufzeichnung erhalten.

FS: „Hey Du, Boy! Bring mir sofort einen doppelten Scotch on the Rocks!“

DM: „Frankie, Du Knallcharge, das ist doch kein Angestellter hier, das ist Sammy Davis Jr.“

FS: „Sei still, Dino Crovetti, Du alter Spaghettifresser! Klar arbeitet der hier. Der ist ganz schwarz im Gesicht, das iss’n Neger, siehste das nicht?“

SDJ: „Ihr seid zwei alte Männer, die schon zuviel getrunken haben. Und ihr könnt überhaupt nicht singen.“

DM: „Kann sein, dass wir nicht singen können. Aber morgen, da können wir auch nicht singen und Du bist dann immer noch ganz klein. Da isja sogar der Frankieboy hier größer als Du. Und den kann man ohne Lupe schon kaum sehen, hihihi…“

FS: „Ich kann besser singen als ihr zwei Penner zusammen! Mit verbundenen Händen und Füßen und, und, und, und während ich mit Deiner Mutter schlafe, kann ich besser singen als Du, Crocetti! Und noch einmal viel besser als der kleine Negerjunge hier! Jawohl!“

SDJ: „Haut hier ab, ihr Alkoholiker! Schleicht euch wieder heim zur Mafia, wo ihr herkommt!“

FS: „Sehr witzig! Sehr witzig…“

Im Hintergrund sieht man auf diesem Filmchen Dean Martin, wie er sich gerade ins Dekolleté der kubanischen Botschafterin übergibt. Es tritt eine betretene Stille in der Botschaft ein. Dean Martin fällt um. Man kann das hören.

FS: „Krieg‘ ich jetzt meinen Whiskey, oder was, Negerjunge?“

Mit diesem schönen gemeinsamen Erlebnis war die Troika perfekt. Die drei weltmännischen Gentlemen aus Amerika tourten durch die ganze Welt. Keine Manege und kein Konzertsaal waren groß genug, um die Menschenmengen aufzunehmen, die den Glanz dieser Superstars selber erleben wollten. Es kam auch zu gemeinsamen Auftritten. Besonders legendär das allererste Mal, als Frank Sinatra bei einem Konzert in der Royal Albert Hall, vor der königlichen Familie, seine Mit-Musketiere auf die Bühne bat.

FS: „So, drei Lieder, dass mussja erst ‚mal reichen, ihr Penner. Ihr wart ein Scheiß-Publikum. Zum Abschluss möchte ich euch noch die größten Arschlöcher vorstellen, die es auf diesem verfickten Planeten üerhaupt gibt. Aus irgendeinem Grund krieg‘ ich die beiden Säufer nicht mehr los. Darf ich bitten: Der Negerjunge und der Depp vom Jerry Lewis!“

Wir sehen auf der Aufzeichnung, wie Sammy Davis Jr. elegant auf die Bühne humpelt. Er stützt seinen Freund Dean Martin, der einen etwas verlangsamten Eindruck macht. Sammy schnappt sich das Mikrofon.

SDJ: „Wer seid ihr denn? Ihr hört euch echt die Schnulzen an, die dieser betrunkene Aufschneider das singt? Seid ihr alle bescheuert? Und Du, du besoffener Mafiosi, warum bist Du immer noch am Leben?“

FS: „O.k., Du kannst jetzt wieder gehen, Du Mißgeburt mit Deiner Boxernase. Ich ertrage Deinen Geruch nicht mehr! Bring‘ mir lieber einen doppelten Scotch und halt’s Maul.“

DM: „Wein auf Bier, das rat‘ ich Dir. Bier auf Wein, das muss sein. Hihihi…“

SDJ: „Wenigstens bin ich nicht ständig blau, so wie Du, Du singende Säge im Maßanzug!“

FS: „Ich bin nicht ständig blau! Ich trinke nur bei zwei Gelegenheiten. Wenn ich Geburtstag hab‘ und wenn ich nicht Geburtstag hab’…“

Jetzt folgt eine dreiminütige Unterbrechung. Man sieht auf dem Film, wie Sammy Davis Jr. und Frank Sinatra irritiert ins Publikum starren und sich an ihren Whiskeygläsern festhalten. Den schlanken, adretten Dean Martin kann man während dieser Zeit beobachten, wie er zum Orchester im Hintergrund kriecht, sich in eine Tuba übergibt und auf der Stelle einschläft.

FS: „Negerjunge, hast Du mir jetzt den Whiskey schon gebracht?“

SDJ: „Halt’s Maul, Du Arschloch!“

FS: „Halt doch selber das Maul, Du kleine Ratte!“

Die beiden Superstars bewerfen sich mit ihren Gläsern und fangen an, sich zu schlagen. Das Orchester setzt mit einer Swingnummer ein und der Vorhang fällt. Unvergessen. Legendär. Einmalig!

Das waren noch Zeiten. Diese drei Musiker waren nicht nur hochmusikalisch, die hatten Stil, Charisma und Witz in jeder Pore. Diesen Glamour, diesen Style, das wird die Welt so nie mehr erleben dürfen. Nie mehr. Bleibt nur zu sagen: Gott sei Dank!


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