Radio Wave mit Kucksi


Irgendwann sind die Babyboomer so alt geworden, dass die Musik der Achtziger auf einmal als Oldies durchgehen. Zwei Mal für die gleiche Sünde bestraft werden, ist bitter!

Die Achtziger-Jahre-Sendungen im Radio blühen leider immer noch und die dazugehörigen überdrehten Moderatoren auch. So wie Kucksi einer ist.

Mal schauen, wie professionell diese Sendung wird, wenn eine Autorin ihr neuestes Buch vorstellen möchte. Hörspielfolge.


Inspiration: „Ignorant Talkshow Host“ von A bit of Fry and Laurie
Einspieler am Anfang: „Classic“ von Funkilla / CC BY-NC-SA 3.0
Background-Musik im Werbeclip: „Clap and Yell“ von Bensound / CC BY-SA 3.0
Musik: „Eighties“ von Lukhash / CC BY-NC-SA 3.0
Die morgenradio-Playlist auf jamendo


Verschenke diese Sendung!


Wenn Du diese Sendung verschenken willst, dann schicken wir dem Beschenkten eine Email mit einem individuellen Download-Link und Deiner persönlichen Grußbotschaft. (Die Email-Adresse des Beschenkten wird nicht bei uns gespeichert.)


Skript zur Sendung


HW: O.k. Das war wieder ein Musikteil von so’ner beknackten Band. Sind alle voll die Luschis, waren ja schon hier auf’n Interview. Aber die Mucke ist halt irgendwie schon irgendwie geil!

Hallo Leute, hier ist wieder euer Kucksi! Nicht mehr der Jüngste – aber jung geblieben! Keep up the power! Keep up the power! Ihr hört hier wieder, wie jeden beschissenen Abend um neun Uhr die geilste Musik der Eighties und Nineties, die aber kein Schwanz da draussen kennt!

Und diese kleine Sendung namens „The Wave“ hier ist mittlerweile auch ein Geheimtipp – also bleibt dran und vergesst den ganzen Computerscheiß da draussen und hört nur mir zu! Eurem abgefahrenen Kucksi – hey, I survived the fucking Eighties und ich bin still strong! Keep up the power!

O.k., o.k., Leute, wir müssen den ganzen Scheiß hier ja auch irgendwie bezahlen. Wir brauchen Kohle und darum müssen wir auch so’ne verfickte Werbung machen. Da ist also so’ne Firma, die heißt Braun, versteht ihr, und die gibt uns einen Haufen Moneten, wenn ich euch erzähle, dass ihr blöder Rasierapparat irgendwie der heiße Scheiß ist!

Schon klar, die checken halt, dass wir Babyboomer mittlerweile ein bisschen ‚was auf der hohen Kante haben. Und darum haben die so einen Retro-Rasierer auf dem Markt, zieht euch also den Clip rein, o.k.? Ich gehe derweil eine rauchen – bleibt dran, ihr Luschen, bleibt dran!

Werbeclip:
(soft female voice)Die 80er waren flippig, sowohl was Mode, Haare als auch Bartstylings angeht. Die Mode der achtziger Jahre erlebt seit einiger Zeit ein Revival, ähnlich den Föhnfrisuren, die wieder absolut im Trend liegen. Ausgefallene Bartstyles wie in den 80ies sind auch heute, im Jahr 2018 wieder voll im Trend. Grund genug also, für uns, den Einmalrasierer der Achtziger wieder auf den Markt zu bringen:

(knallig, macho) Den Braun Sharp Eightyeight – nicht mit fünf, nicht mit vier, nicht mit drei – nein, mit nur einer Klinge! Kein Gelkissen, kein Power-Protect und keine Sicherheits-Features!

Rasieren wie in den Achtzigern: Scharf, glatt und mit vollem Risiko!
Der Braun Sharp Eightyeight – sei ein Mann, bleib‘ ein Mann! Scharf, glatt und mit vollem Risiko!

O.k., o.k. Ihr Dumpfbacken, Euer Kucksi ist wieder am Mikro! Schaut euch den Eightyeight ruhig einmal an! Erstens kriegen wir dann mehr Kohle und zweitens: Hey – war Rasieren in den Eighties nicht irgendwie noch ein Abenteuer? Oder what? Hey, ich hab den komischen Rasierer von dieser Company gerad auch schon ausgecheckt. Und ich hab‘ mich am Hals so heftig geschnitten, hey, das hat fast zwei Stunden nicht aufgehört.(zu bluten?) Voll geil, oder? Voll wie in den Eighties!

So, nun, jetzt isses wieder einmal Zeit für ein bisschen Kultur auf Radio Wave. Meine Chefin sagt immer, das muss auch sein, also machen wir das halt auch. Und heute geht es wieder um ein Buch. Ich hoffe, ihr das draussen habt euch nicht schon so ein fucking Kindle-Teil zugelegt oder lest auf eurem blöden iPad. Hey, ich kann das echt nicht leiden. Wieviele Stunden am Tag muss man eigentlich auf so einen Monitor starren heutzutage? Oder?

Und, lasst euch nicht verarschen, so ein Kindle ist auch nur ein Monitor und ihr seid direkt an Amazon angeschlossen, die euch eure Gedankenkraft raussaugen.

Wenn man schon so Bücher liest, dann, wie sich das gehört! Mit giftiger Tinte gepresst auf totes Holz. Das hat noch einen Geruch, das macht noch Geräusche, das kann man noch ohne Strom lesen! So wie in den Eighties – keep up the power!

Na ja, unser Gast heute hat auf jeden Fall auch so’n Dings geschrieben, so’n Buch halt. Und das ist nicht einmal dünn! Aber unser Gast ist dünn – hey, ich sehe die gerade durch die Glasscheibe hier und die schaut heiß aus. Und die heißt – Moment – die heißt Katharina Hengstler, hat ein Buch geschrieben über das beste Jahrzehnt aller Zeiten und die kommt gerade durch die Tür! Einen fetten Applaus für eine scharfe Braut, die auch noch schreiben kann!

HW: Hallo Kaddi! Ich darf Dich doch Kaddi nennen, oder?

FA: Wenn es für Sie ein nicht unterdrückbarer Zwang ist, kann ich das tolerieren.

HW: Du schaust scharf aus, Kaddi! Wie früher, als eine Frau noch eine Frau sein durfte!

FA: Soweit es meiner Aufmerksamkeit nicht entgangen ist, gibt es auch heute rein juristisch keinerlei Bedenken, wenn man über zwei X-Chromosome verfügt.

HW: Hä? Was? Na, scheißegal. Du bist also hier, weil Du’n Buch geschrieben hast, stimmt’s?

FA: Das ist soweit richtig. Ich könnte noch anfügen, dass auch ein Zusammenhang mit den Vertragbedingungen meines Herausgebers besteht, der solche Medienstunts leider zu einer unabdingbaren Klausel gemacht hat.

HW: Schön. Gut. Dann sag‘ mal, hat Dein Buch auch einen Titel?

FA: Durchaus.

HW: Äh. Schön. Ich sehe es hier ja selber, das Ding heißt „Flutschfinger“. Wie das komische Wassereis aus den Eighties.

FA: Das ist richtig. Obwohl Langnese dieses Speiseeis in Form einer geballten Hand mit ausgestrecktem Zeigefinger schon in den Siebzigern auf den Markt gebracht hat.

HW: Meine Fresse, echt wahr! Das ist ja so ein Eis mit einem bisschen schweinischen Namen, finde ich. Geht’s in Deinem Buch auch um’s Ficken, oder?

FA: Tatsächlich schildere ich in diesem Werk auch meine ersten Erfahrungen mit der Sexualität und die etwaige Schlüpfrigkeit des Titels ist mir nicht unrecht.

HW: Hah! Dacht‘ ich’s mir doch! Wusste ich! Klar, sonst hätte Dein Dings ja auch nicht so viele Seiten – so heiß, wie Du ausschaust!

FA: Ich vermute hier einmal zu Ihren Gunsten, dass sich hinter dieser Objektifizierung meines Äußeren ungeschickt eine Kompliment versteckt. Das ich, nebenbei erwähnt, zurückweisen möchte und lieber zurück auf mein Werk kommen würde.

HW: Hui! Psccht! Das war hot! Aber ich checke schon, was Du willst! Null Problemo! Hey, sag mal, Kaddi – hast Du schon mehr so Softporno-Scheiß geschrieben?

FA: Wie bitte? Das möchte ich mir doch verbitten! Keines meiner neun Bücher passt in diese Kategorisierung…

HW: Schon klar, schon klar! Sagt ihr immer, ihr Pornoschreiber. Fuchzehn Shades of Grey, oder wieder Scheiß heisst, ist ja auch voll die gehobene Literatur. Alles klar!

FA: Ich vermute fast, dass diese Sendung nicht der richtige Platz ist, um zu eruieren, dass die Rezeption von „Fifty Shades of Grey“ durch alte Männer mit patriarchalischen Vorurteilen, kaum zu Ergebnissen führen kann, die sich von Masturbation groß unterscheiden!

HW: Hä? Was? Mann, Du kannst aber blasiert daher quatschen! Meine Fresse! Pass‘ mal auf, meine Kleine! Ich werde hier bezahlt, um über Deinen Schinken zu reden, o.k.? Und wir haben über eine Mille Zuhörer – also reden wir einmal über Dein Buch! Wie wäre das?

FA: Das würde ich wirklich begrüßen. Vor allem, wenn es in seiner Zielgerichtetheit meinen Aufenthalt in diesem Studio, das einem versifften Museum von Achtziger-Devotionalien nicht unähnlich ist, dienlich ist.

HW: Was? Hab‘ wieder nur die Hälfte verstanden. Also, mal Butter bei die Fische. Wenn ich mir Deinen Wälzer so anschaue, weißt Du, was mir dann auffällt?

FA: Ich bin erstaunt, dass Sie überhaupt zu einer Meinungsbildung fähig sind. Und gespannt, was Sie mir versuchen möchten mitzuteilen!

HW: Das schaut echt scheiße aus! Hey, warum muss jedes Buch einer Frau, die ‚was Versautes aus den Eighties schreibt, ein lila Cover haben! Und ich weiß, wovon ich rede, das kann ich Dir pfeifen!

FA: Wie bitte? Das ist ihre ganze Kritik?

HW: Nö, meine Feine! Nö, da hätte ich schon noch mehr auf’m Kasten. Zum Beispiel: 700 Seiten? Im Ernst? Wer soll denn Deinen Geschichten bitte solange folgen? Das ist ja eine Zumutung!

FA: Und das fällt Ihnen als zweites ein? Haben Sie denn schon einmal überhaupt nur einen Blick in das Buch geworfen?

HW: Moment, Tussi! Momentchen, ich bin noch nicht fertig! Denn da ist noch ‚was! Jawoll! Das Ding soll, ohne jeden Scheiß, echt 34,99 Euronen kosten? Das sind fucking siebzig D-Mark! Da haste in den Achtzigern ein mittleres Besäufnis für finanzieren können!

FA: Jetzt reicht es aber! Jetzt ist es mir genug! Das ist zuviel verlangt!

HW: Wie, was is‘ „zuviel verlangt“? Siebzig Mark ist zuviel verlangt, wenn’de mich fragst!
FA: Ich bin nicht mehr bereit, diesen flachwitzigen Zirkus hier mitzutragen!

HW: Och, nö? Biste nicht? Willste Dich lieber ein bisschen aufregen?

FA: Sie sind mit Abstand der ignoranteste und arroganteste Rezensent eines meiner Werke in den letzten zwanzig Jahren!

HW: Echt? Bin ich? Voll gut!

FA: Schon beim Anblick ihrer Föhnfrisur, die aus schierem Mangel an Haaren eher einer Vogelvoliere des Rokkoko ähnelt, kam ein leichtes Ekelgefühl in mir hoch!

HW: Hey, nicht persönlich werden, Du Schlampe!

FA: Und dann dieser aufdringliche Gestank in diesem Studio, eine Melange aus ausgedünstetem Restalkohol und billigem Kölnisch Wasser – das trug auch nicht gerade zu einer Besänftigung der Aufruhr in meinem Körper bei!

HW: Hey, das ist nicht Kölnisch Wasser, das ist Scheiß-Irish-Moos! Das Feinste aus den Eighties!

FA: Mittlerweile bin ich mir sogar unsicher, ob Sie versnobbter Eremit einer ruhmlosen Epoche auch nur im Ansatz alphabetisiert sind!

HW: Ob ich was bin? Ist das jetzt wieder so’n Schweinkram, dieses Alfabimsieren?

FA: Alleine aus Entrüstung, dass ich durch die Konditionen meines Verlegers genötigt werde, ihrem melancholischen Geseier zuzuhören, dass die niedersten Instinkte einer Meute von zahnlosen Yps-mit-Gimmick-Fans bedient, erweckt in mir das Bedürfnis mich stundenlang zu duschen!

HW: Kannste auch kürzere Sätze, Alte?

FA: Und das,nachdem ich den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgeschlagen habe! Das mir!

HW: Mann, komm‘ runter, Tusse, wir müssen den Leuten noch sagen…

FA: Ich verbitte mir, dass Sie auch nur ein weiteres Wort an mich richten, Sie medialer Kleinganove! Ihre Inkompetenz, auch nur die Kunststoffumhüllung Ihres Rezensions-Exemplars zu entfernen, verrät alles über das Niveau dieser Anstalt!

HW: Mann, dauert Dein weibisches Geflenne noch lang?

FA: Keine weitere Vokabel mehr aus Ihrem Mund! Sie ignoranter Trogoldyt… ich meine Trodolgyt…nein, ich meine Trodoglot…

Clip /buzzer

Regie: „Stop! Muss das schon wieder passieren?“

HW: Also, Celal, ich habe doch schon vor Beginn der Sendung meine Bedenken geäußert!

FA: Ich bin so sorry! Echt zu doof…

HW: Es kann doch nicht unbewältigbar sein für jemanden, der immerhin 700 Seiten autobiografische Erinnerungen an einen Verlag veräußert hat, ein Schimpfwort fehlerfrei auszusprechen?

FA: Hey, euer Scheiss-Manuskript ist voll kacke! Wer soll denn diesen ganzen Fremdwörterscheiß sprechen können? Hey, so quatscht doch keine Sau!

HW: Über die Dramatik und die Didaktik unseres Skripts würden schon gerne wir selber die Deutungshoheit behalten. Falls das im Bereich Deiner Toleranzfähigkeit ist!

FA: Hey, alles easy! Du musst Dich nicht gleich aufregen, o.k.? Ich krieg‘ das schon gebacken! Alles easy! Keine Panik auf der Titanic, Kucksi! Chill, Alter!

HW: Ich würde es begrüßen, wenn wir bei ausgeschaltetem Mikrofon die formellen Anreden beibehalten. Werden Sie als, werte Frau Hengstler, dieses Mal wieder an dem Wort „Troglodyt“ scheitern?

FA: Nein, ich schaff‘ das! Null Problemo! Was is’n das eigentlich ein Tryglotot?

HW: Troglodyt! Das ist griechisch und bedeutet „Höhlenbewohner“. Hat Aristoteles geprägt, als er über den Stamm der Pygmäen berichtete. Auch, wenn das, wie so vieles bei Aristoteles, natürlich mehr mythologisch als ethnisch korrekt zu verstehen ist.

Regie: „Können wir noch einmal? Ich muss nachher noch auf diese Vernissage!“

HW: Von mir aus o.k., Celal! Schaffen Sie es dieses Mal, Frau Hengstler?

FA: Krieg‘ ich schon hin, Kucksi, krieg ich gebacken. Keep the power up!

Regie: „Und auf Fünf, vier, drei, zwei…“

(Wiederholung ab „Kaddi“. Ins Off.)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.