Pfandleihe & Warenhaus


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Die Welt ist kleiner, als wir uns das vorstellen. Die geldgierige Politik der Nazis in den Dreißigern, wohlhabende Juden gegen ein Affidavit – eine Bürgschaftserklärung – ausreisen zu lassen, trägt zum Beispiel weite Kreise.

Die Konsequenzen tragen die Verkäuferin und der Besitzer des Pfandleihhauses Meyer in der heutigen Hörgeschichte aus. Doch: Es ist nicht alles so, wie es auf den ersten Blick scheint.


Download der Sendung hier.
Musiktitel: „Cheat On Life“ von The Spin Wires / CC BY-SA 3.0


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Die Geschichte zum Lesen

HW: Jakob, sei so gut und tu’ mir einen Gefallen! Du kennst doch das kleine Schild, das wir als Werbung an der Ecke Delancey und Clinton Street haben, oder? Genau. Ich bin da vorhin entlang gegangen, als ich vom 7. Revier gekommen bin. Da hat jemand doch glatt Kaugummi draufgeklebt!

Kannst Du ‘mal versuchen, ob Du den abkriegst? Nein, nein, nicht mit Salz – Herr im Himmel! Weißt Du denn nicht, was das Schild gekostet hat? Nimm lieber Klebeband und dann machst Du Brekel für Brekel ab!

Ja, tut mir auch leid! Und am besten, Du machst das gleich! Heute ist Freitag und wir haben gleich zu! Danke!

SFX: Türklingel

HW: So. Ist der auch aufgeräumt. Wo war ich stehen geblieben? Ach so, die Kasse. Was hatte ich aufgeschrieben? Ah ja, siebenhundert Dollar hatte ich ja schon. Dann wollen wir ‘mal schauen, was da noch dazu kommt! 10, 15, 20, 21, 26, 31. 735 Dollar! Kein schlechter Tag!

SFX: Telefonklingel

HW: Eins, zwei, drei… Hier Meyers Pfandleihe und Warenhaus! Ja, was? Natürlich nicht! Ich gehe immer nach dem dritten Mal ans Telefon, Weib! Doch! Natürlich, so wahr mir Gott helfe! Ach, was! Schon seitdem wir hier aufgemacht haben, Ida!

Natürlich erkenne ich NICHT am Klingeln, dass Du es bist und lass’ Dich warten! Bin ich ein Prophet? Nein, wir sind noch nicht fertig. Nein, dauert heut’ ein bissl. Na, Dein Vater möcht’ noch eines unserer Werbeschilder sauber machen… Doch. Doch. Nein, ich hab’ ihm gesagt, dass muss er nicht machen, ist er doch mein Schwiegervater, aber er hat wollen!

Na, wenn ich’s Dir sag! Und was ich mache? Ich zähle unsere Einnahmen. Aber das weißt Du, deswegen rufst Du doch an, oder? Na, weißt Du ‘was – da muss ich Dir aber ‘was erzählen!

Nu sei doch einmal still! Wenn ich etwas erzähle, dann muss doch ich reden und nicht Du! Also gut, dann pass einmal ganz gut auf! Die ganze Geschichte ist gerade einmal eine halbe Stunde her. Oder eher doch 25 Minuten? Warte… Nein, ziemlich genau 30 Minuten.

Also, ich stehe im Laden und denke mir nichts weiter… Was soll das heißen? Natürlich denke ich manchmal! Auf jeden Fall klingelt die Ladentür. Und es kommt jemand herein.

Ach, das hast Du Dir schon gedacht. Und weißt Du auch, wer hereingekommen ist? Nicht? Soll ich Dir das vielleicht erzählen? Denn ich wüsste das schon!

Na ja, kommt also so ein feiner Pinkel herein. Und ich weiß sofort: Das ist ein Käufer und kein Verkäufer! Wie? Nein, der hatte kein Schild! Als Kaufmann hat man das im Urin! Was? Nein, das ist eine Redensart!

Doch, so wahr mir Gott helfe, das sagen wir Meyers schon, seitdem Moses die drei Tafeln… Ach, waren nur zwei… Jetzt, zum Donnerwetter! Kann ich endlich meine Geschichte erzählen!

Also. Kommt der Pinkel rein und ich sehe: Das ist ein Käufer! Der ist gerade zu Geld gekommen! Kommt der rein mit einem nagelneuen braunen Anzug von Goldmann! Hängt noch das Schild dran, stell’ Dir vor! Was? Ja, gut, Du hast recht – hatte der Pinkel doch ein Schild.

Auf jeden Fall kommt er zu mir und er riecht förmlich nach zu viel Geld… Wie? Ob ich Dir die Farbe seiner Gamaschen sagen kann? Nein, die hab’ ich nicht gesehen! Aber zu einem braunen Anzug würde ich sagen, trägt man… Ach, Du hast nur einen Scherz gemacht. Ironisch war das, sososo…

SFX: Ladenklingel

HW: Ida, tut mir leid, da ist Kundschaft! Ich ruf’ danach noch einmal an! Aber ich habe wirklich eine tolle Überraschung für Dich! Klar wegen dem Käufer! Du wirst stolz sein auf Deinen alten Sokn! Ja, bis gleich!

SFX: legt auf

HW: Ah! Frau Goldbaum! Schön, Sie wiederzusehen! Wie geht es Ihnen heute?

FA: (nervös) Mir persönlich geht es ganz gut. Glaube ich…

HW: Das ist das Wichtigste. Wie sagt mein stummer Schwiegervater immer: Es könnte alles auch noch schlimmer sein – nämlich genau wie jetzt, bloß das es regnet!

FA: Das soll vermutlich einen heiteren Smalltalk einleiten, oder?

HW: Nuja, Sie machen den Eindruck, als würden Sie ihren unsichtbaren Schwiegervater auf den Schultern durch New York tragen…

FA: Wie bitte? Nein. Es geht um meinen Vater, nicht um meinen Schwiegervater. Und für spitzfindigen Smalltalk oder blumige Metaphern, habe ich heute keine Zeit, Herr Meyer.

HW: Ach so! Das tut mir leid! Meine Frau Ida sagt immer, ich würde zu viel reden. Aber das liegt daran, dass ich, wenn ich mit ihr rede, nicht einen Satz sprechen kann, ohne unterbrochen zu werden.

Für was interessieren Sie sich denn heute, Frau Goldbaum? Darf es, bei dem Mistwetter, vielleicht ein Seidenschal sein? Da hat sich keine kleine Kollektion in meinen Schubladen eingefunden…

FA: Ich bin heute nicht hier, um etwas zu kaufen, Herr Meyer. Ich muss etwas verkaufen.

HW: Oh. Gut. Ich verstehe. Das mach’ ich ja auch! Gut, dass Sie mich erinnern.

FA: Als ich letzte Woche hier war, da haben wir doch ü ber meinen Ring gesprochen. Erinnern Sie sich?

HW: Ehrlich gesagt: Nein. Sie glauben nicht, wie viele Dinge ich jeden Tag sehe! Alle wollen verkaufen und alle denken, ihre Stücke sind ein Vermögen wert! Jeden Tag geht das so.

Halsketten, Broschen, Ringe, Münzen, selbst Zahnfüllungen. Stellen Sie sich das vor: Zahnfüllungen!

FA: Der Ring mit dem großen Rubin. Erinnern Sie sich?

HW: Nein. Immer noch nicht.

FA: (ungeduldig) Hier! Diesen Ring! Der gehörte meiner Mutter! Ein Familienerbstück!

Den hat mein Vater ihr geschenkt, als sie ihren ersten Hochzeitstag feierten. Und als sie gestorben ist, da hat er ihn mir gegeben. Damit ich etwas habe, an das ich mich erinnern kann. Seitdem trage ich ihn…

HW: Das ist also eine Art Familienschatz!

FA: Das kann man sagen.

HW: So etwas beleihe ich nicht, Frau Goldbaum. Tut mir leid!

FA: Aber als ich letzte Woche hier war, da haben Sie gesagt, der Ring wäre 10.000 Dollar wert!

HW: Das habe ich nicht gesagt! Das haben Sie gesagt und ich habe nichts eingewendet. Aber ich habe den Ring ja noch nicht einmal in der Hand gehabt! Rubine sind leicht zu fälschen, müssen Sie wissen!

FA: Herr Meyer, ich habe keine Zeit für Verhandlungen. Das Affidavit meines Vaters läuft aus. Wenn ich nicht heute per Post $ 690 nach Deutschland überweise, dann lassen die Nazis meinen Vater niemals ausreisen! Ich brauche das Geld also wirklich dringend!

HW: Dringend braucht das Geld jeder meiner Kunden, Frau Goldbaum. Sonst würden Sie ja nicht in eine Pfandleihe gehen!

FA: Das ist kein Witz, Herr Meyer! Wenn ich das Geld nicht überweise, dann weiß kein Mensch, was mit meinem Vater passieren wird! Sie kennen die Situation ja in Deutschland!

HW: Ich wusste nicht einmal, dass ihr Vater nicht mitgekommen ist!

FA: Als wir alle geflohen sind, blieb er zurück. Er hätte noch Geschäfte zu regeln. Und jetzt ist dieses Affidavit am Ablaufen, wenn ich nicht bis um fünf Uhr auf der Post bin und das Geld einzahle!

HW: Ihr Vater steckt also in Deutschland fest…

FA: Sagen Sie das nicht!

HW: Entschuldigung. Nun, ich bin mir sicher, dass Sie ihn da irgendwie schon rauskriegen werden, aber…

FA: Verstehen Sie nicht? Wenn ich das nicht bis fünf Uhr mache, dann ist es aus! Ich brauche den Stempel mit dem heutigen Datum! Die Nazis kennen kein Pardon und keinen Schmuh!

HW: Das ist wirklich in letzter Minute! Hatten Sie nicht in der Gemeinde einen Sponsor, als Sie hergekommen sind?

FA: Der hat die Reisekosten für uns alle getragen, der kann uns nun auch kein Geld mehr geben! Das hier müssen wir selber schaffen, hat er gesagt!

HW: Hat er das gesagt? Der Steinwalz! Wissen Sie, wie stinkreich der ist?

FA: Herr Meyer, ich brauche das Geld JETZT! Ich gebe Ihnen auch einen guten Zins!

HW: Frau Goldberg – ich kann Ihnen kein Pfandgeschäft für ihren Ring anbieten! Tut mir wirklich leid, aber momentan will jeder…

FA: (erschrocken) Oh. Ich verstehe…

HW: Tut mir wirklich leid… Aber ich könnte Ihnen ein Angebot machen, den Ring zu kaufen, wenn Sie Interesse an dieser Art Geschäft haben.

FA: (erleichtert) Ach so! (erkennt das Problem) Aber, aber… Ich kann den Ring doch nicht verkaufen! Das ist ein Familienerbstück! Der emotionale Wert ist unbezahlbar!

HW: Dann wollen Sie den Ring nicht verkaufen?

SFX: Ladentür

FA: (erschrickt) Wer ist das denn?

HW: Kein Grund, zu erschrecken. Das ist Jakob. Der Vater meiner Frau. Der hilft hier im Laden aus. Nehmen Sie auf ihn keine Rücksicht. Wir räumen hier noch auf und dann gehen wir in den Schabbes. Ist sowieso schon spät!

FA: (gefasst) Na gut. Wieviel bieten Sie?

HW: Darf ich mir den Ring einmal ansehen?

FA: Aber das letzte Mal wollten Sie ihn auch nicht sehen…

HW: Nun. Jetzt ist er ja wahrscheinlich bald mein Ring, da möchte ich schon einmal vorher einen Blick riskieren!

FA: Hier. Nehmen Sie!

HW: Danke… Also… Wollen Sie vielleicht Platz nehmen, das dauert ein bisschen!

FA: Ich bleibe lieber stehen!

HW: Wie Sie wollen!

FA: Und?

HW: Moment!

FA: Herr Meyer, ich bin in Eile!

HW: (stöhnt) Gut. Also… Ich gebe Ihnen genau $ 690 für den Ring.

FA: (fassungslos) Was? Aber…

HW: Wollen Sie sich vielleicht jetzt setzen?

FA: Aber Sie haben gesagt, der Ring wäre Tausende von Dollar wert!

HW: Frau Goldberg, was der Wert von etwas ist und was man dafür an Geld bekommt, sind zwei verschiedene Paar Stiefel, müssen Sie wissen!

FA: Geben Sie her! Ich gehe zur Konkurrenz! Auf Nimmerwiedersehen, Herr…

FA: (zögerlich) Sie… Sie… Sie haben sich extra so viel Zeit gelassen mit dem ganzen Blödsinn, den Sie reden und mit der kleinen Lupe und dem Ring-Anschauen-Müssen! Sie wissen, dass ich gar keine Zeit habe, jetzt noch zur Konkurrenz zu gehen!

HW: Nein.

FA: Ich dachte… ich dachte, Sie wären ein Freund!

HW: Wissen Sie, was mein Großvater sagte: Mache niemals Geschäfte mit Freunden! Der Handel, der beide Seiten glücklich macht, ist nicht der Pfandhandel.

FA: Sie sind… Sie sind ein Monster!

HW: Ihre Meinung über meine Person beeinflusst mein Angebot nicht, Frau Goldberg.

FA: Was für eine Art Mensch sind Sie überhaupt?

HW: Ist das eine rhetorische Frage, oder ist das ein Persönlichkeitsquiz?

FA: Sie bereichern sich am Elend anderer Leute! An der Not ihrer eigenen Leute! Können Sie sich überhaupt am Morgen im Spiegel ins Gesicht schauen?

HW: Frau Goldberg, alles, was Sie mir an den Kopf werfen, wird mein Angebot nicht verändern. Und was die Not und das Elend von Menschen wie Ihnen betrifft: Sie hätten Europa schon vor langer Zeit verlassen können! So wie meine Familie das tat. Auf einem kleinen Frachter, aufeinander gestapelt wie Sardinen!

Aber ihr, die wohlhabenden Familien, ihr wolltet nicht gehen. Die Sache lief zu gut für euch. Das war zu bequem. Der Mantel, den Sie da tragen, verehrte Frau Goldberg, der ist zwar nicht mehr nagelneu, aber er hat damals mehr Geld gekostet als die gesamte Garderobe meiner Frau wert ist – Sie können sich auf mein Urteil verlassen!

Dann, als es schon fast zu spät ist, kommt ihr feinen Leute alle auf einmal nach New York. Mit euren Juwelen und eurem Schmuck und euren teuren Ringen und erwartet von uns Pfandleihern euren Einkaufspreis aus Europa!

Ihr seid es, die den Markt überflutet haben mit Schmuck, den in diesen Zeiten keiner haben will. Ihr habt die Preise kaputt gemacht! Ihr habt unsere Kassen geleert! Nun müsst ihr halt auch damit leben. Tut mir leid, Frau Goldbaum, aber Geschäft ist Geschäft!

FA: (beinah bettelnd) Sie haben doch selber gesagt, der Ring wäre 10.000 Dollar wert – geben Sie mir doch wenigstens 10% davon. $ 1000!

HW: Nein, Sie bekommen $690,-

FA: Oder wenigstens 800 Dollar! Mein kleiner Junge ist zwei Jahre alt und ich habe nicht einmal genug Geld, um ihm eine Orange zu kaufen!

HW: Sie können ihrem Kind keine Orange kaufen? Orange? Unser Sohn starb während der Weltwirtschaftskrise, weil wir ihm keine Medikamente kaufen konnten!

FA: Das tut mir leid…

HW: Sie bekommen genau $690. Keinen Cent mehr oder weniger!

FA: (wütend) Mein Gott! Was seid ihr Amerikaner nur alle für miese Menschen!

HW: Wissen Sie, Frau Goldberg, mein Vater ist nicht das Problem!

FA: (entsetzt, dann wie zu sich selbst) Mein Gott! Was mache ich hier eigentlich! Ich feilsche um das Leben meines Vaters! Jeden Tag schaue ich in die Post, ob er einen meiner Briefe beantwortet hat, aber immer sind da nur die Briefe, die ich geschrieben habe. Mit dem Stempel: Unbekannt verzogen… Jeden Tag bete ich für ihn und jetzt bettele ich ein paar Dollar! Gott, vergib’ mir!

FA: (gefasst) Ich nehme Ihr Angebot an!

HW: Das ist die richtige Entscheidung.

FA: Wenn Sie den Ring dann gewinnbringend verkaufen, dann können Sie ja vielleicht die bescheidene Garderobe Ihrer Frau etwas aufbessern…

HW: Vorausgesetzt, ich erzähle ihr davon. Sie müssen wissen, wir reden viel miteinander – hauptsächlich redet sie – aber alles aus dem Pfandhaus braucht sie auch nicht zu erfahren. Sie verstehen?

FA: –

HW: So. 650, 660, 670, 680 und: 685 und 690!

FA: Haben Sie nicht besser aussehendes Geld?

HW: Haben Sie noch die Zeit, es schnell zu bügeln?

FA: Sie ekelhafter Mensch, Sie!

HW: Und hier haben Sie noch zwei Dollar extra.

FA: Wofür das?

HW: Damit Sie ein Taxi nehmen können, denn die Post macht auch um fünf Uhr zu.

FA: Ich wünschte, ich wäre in der Position, Ihnen ihr schmutziges Geld ins Gesicht zu werfen!

HW: Also wollen Sie das Geld nicht?

FA: Auf Wiedersehen, Herr Meyer!

HW: Auf Wiedersehen, Frau Goldberg!

FA: Und: So wahr mir Gott helfe: Ich werde in dieses Schmutzloch niemals mehr im Leben einen Fuß setzen!

HW: Das kommt mir bekannt vor! Haben Sie das aus „Vom Winde verweht“? Ich meine, Sie haben sogar eine gewisse Ähnlichkeit mit dieser Scarlett O’Hara! Wie hieß die Schauspielerin noch?

FA: Schön, dass Sie sich noch amüsieren, Herr Meyer! Aber Menschen wie Ihnen spuckt haShem früher oder später ins Gesicht! Alleine für das, was Sie meiner Familie antun!

HW: Ihnen auch git Schabbes, Frau Goldberg!

SFX: Ladentür

HW: Oh weh. Was für eine Frau… Jakob, kannst Du noch die Papierkörbe einsammeln und rausbringen, dann machen wir dieses Schmutzloch zu!

SFX: Telefon

HW: Eins. Zwei. Drei. Hier Meyers Pfandleihe und Warenhaus! Ach, Du bist es! Nein, ich lasse es immer drei Mal klingeln! Das habe ich Dir doch schon vor fünf Minuten erklärt! Ja, wir machen gerade zu. Wie bitte? Ach so, die Überraschung…. Ja, ich hatte ja gesagt, Du wirst stolz auf mich sein…

Das gerade? Nein, nein, das war nur eine von den schnöseligen Deutschen, die Geld für ihre dumme Fälschung haben wollte. Was? Natürlich habe ich ihr nichts gegeben! Geschäft ist Geschäft! Du kennst mich doch, oder?

Ach, ja… Wegen dem reichen Käufer… Genau. Ja, das erzähle ich Dir noch schnell… Warte einen kurzen Moment, Ida!

(off) Halt, Jakob, warte! Hier, das gehört auch in den Müll! Was? Schau’ mich nicht so an! Der Ring ist eine billige Fälschung. Ist keinen Dollar wert! So etwas verkaufe ich doch nicht…

SFX: Ladenklingel

Da bin ich wieder, Ida. Ja, also, der feine Herr Käufer kam in den Laden mit seinem piekfeinen neuen, braunen Anzug von Goldmann. Was? Welche Farbe seine Schuhe hatten? Das weiß ich doch nicht! Ach, so! Das war ironisch!

Na ja, auf jeden Fall hat er sich dann für eine Uhr entschieden. Welche Uhr? Na, die Taschenuhr ganz rechts im Regal, zweiter Schuber. Die im Schaufenster war bis 1936! Ja, genau die!

Und dann habe ich ihm die verkauft! Ist das nicht toll! Endlich einmal Einnahmen, statt immer nur Ausgaben? Wieviel? Äh… Warte mal… Äh… Genau 43 Dollar! Na, bist Du stolz auf Deinen Sokn?

Wie? Die war gut und gerne 800 Dollar wert? Du träumst doch, meine Liebe! Niemals! Es sind harte Zeiten! Nein! Nein! Was der Wert von etwas ist und was man dafür an Geld bekommt, sind zwei verschiedene paar Stiefel, das weißt Du doch!

Wie bitte? Nein, ich bin nicht sauer! Nur ein bisschen gekränkt! Ich dachte, Du freust Dich über die 43 Dollar und jetzt bekomm ich eine Gardinenpredigt!

Ja. Ja. Das sagst Du jetzt!

SFX: Ladenklingel

HW: Ida, Jakob ist wieder da! Wir sperren jetzt hier zu und kommen gleich! Nein, die Sonne geht erst in einer halben Stunde unter. Doch, doch, da bin ich mir sicher!

Gut. Ich Dich auch! Bis gleich!