Kriegsenkel


Lange haben meine Eltern mir über ihre Kriegserlebnisse nichts erzählt. Und auch jetzt ist das Leid und der Schmerz darin nur zu ahnen.

Die Generation der Deutschen, die im Krieg Kinder waren, haben gelernt, leise zu leiden. Und auch über die erlittenen Traumata nicht zu reden. Sondern einfach zu funktionieren, wie das verlangt wurde.

Ihre Erfahrungen haben den Umgang mit ihren eigenen Kindern geprägt. Und das sind wir. Die Jahrgänge 1955 bis 1975. Die Kinder der Kriegskinder. Die Kriegsenkel.


„I Want to Be Happy“ von Glen Miller und Band / Public Domain Mark 1.0

4 antworten auf “Kriegsenkel”

  1. Meine eltern sind kurz nach dem krieg geboren, und ich bin the jüngster im nest, das heißt jünger als ihr beiden, aber trotzdem. Ich identifiziere mich eigentlich als ein kind des kalten krieges. Als der der im angst vor dem Krieg erzogen wurde. Ich habe keinen gepackten koffer unter dem bett, aber ich habe einen gasherd weil das unabhängig von der elektrik leitungen ist und hab mir eine wohnung mit eigener holzheizung gekauft…

    1. Hallo Indrek!
      Das ist noch einmal ein eigenes Thema – denn auch das kann ich gut nachempfinden.
      Ich habe noch ein Tagebuch von 1980. Da war ich mir recht sicher, dass ich nicht 30 werde, weil irgendjemand in Ost oder West – und wenn es aus Versehen ist – auf den „Roten Knopf“ drücken wird.

  2. Sehr gute Folge, in der ich mich und meine Geschwister doch sehr wieder erkannt habe, zumindest wenn ich zurück an meine Kindheit denke. Meine Eltern beide Jahrgang 1928 haben fast 100% ihrer Kindheit im Deutschland des Hitler-Faschismus verbracht also u.a. den „hart wie Kruppstahl“ – Quatsch quasi von klein auf eingetrichtert bekommen. Obwohl meine Eltern das nicht explizit gelebt und mich doch sehr frei erzogen haben, ist hier viel bei mir hängen geblieben. Als jüngster von drei Geschwistern (meine Mutter war Anfang 40 als ich geboren wurde), hatte ich bis zum Ende meiner 20er eine doch sehr preußische Welteinstellung, um’s vorsichtig auszudrücken. Hat mir mehr geschadet als genützt, aber braucht halt Zeit so was zu überwinden und heut geht’s mir mit einer entspannteren Sicht auf die Dinge viel besser. Das einzige was blieb ist ein bisschen Bedauern, so viel Zeit meines Lebens verschwendet zu haben, aber das ist eher noch ein kleiner Schatten auf meiner nicht vorhandenen Seele :-).

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