König der Hochstapler


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Heute wird ein berühmter Krimineller in Alcatraz interviewt und verrät uns alle seine fiesen Tricks und seine persönlichen zehn Gebote. In Clickbait übersetzt: „Victor Lustigs 10 Geheimnisse zum Erfolg! Bei Geheimnis sieben wirst Du weinen müssen!“ Ein bisschen später Ruhm für den Mann, der den Eiffelturm verkauft hat. Zwei Mal.


Download der Sendung hier.
Musiktitel: „Jazz Manouche“ von Magikstudio / CC BY-NC-SA 3.0


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Die Geschichte zum Lesen

FA: Angenehm, Lindskoog.

HW: Guten Tag. Wie ich heiße, wissen Sie ja.

FA: Ehrlich gesagt weiß ich das nicht.

HW: Sie haben einen schwedischen Namen, sind Sie Europäerin?

FA: Da muss ich Sie enttäuschen. Das Schwedische ist nur angeheiratet. Ich heiße Kathrin Anne. Aber alle nennen mich Kay.

HW: Okay, Kay. (schnaubt) Schöne Brosche haben Sie da!

FA: Danke, hat mir mein Mann geschenkt.

HW: Brillanten. Zeichen für die Ewigkeit!

FA: Das hat er wortwörtlich auch gesagt!

HW: Hat er? Na gut. Aber wir haben ja wenig Zeit, was machen wir denn heute?

FA: Wie darf ich Sie denn ansprechen?

HW: Wir können uns duzen. Wir werden ja in nächster Zeit viel zu tun haben miteinander. (theatralisch) Und Du kriegst mich ohne Maske! Also bin ich Victor. Victor Lustig.

FA: Soll ich nicht lieber „Eure Eminenz“ sagen?

HW: Wegen dem falschen Grafen, meinst Du? Nein, natürlich nicht. Und „Eure Eminenz“ ist als Anrede für Kardinäle reserviert.

FA: Aber Victor Lustig heißt Du ja auch nicht.

HW: Mein Taufname ist Robert Miller. Du hast Dir „Kay“ ausgesucht und ich mir Victor Lustig. Das ist für jemandem in meinem Beruf ein passender Name, finde ich.

FA: Gut. Also Victor. Der „Sieger“.

HW: Aha! Du hattest Latein!

FA: Du sitzt hier seit 10 Jahren in Alcatraz. Findest Du „Sieger“ wirklich noch passend?

HW: Walter hat Dich geschickt, weil er meine Biografie will. Und Du erledigst das, weil Du so intelligent bist, denke ich. Und dann fängst Du mit Beleidigungen an? So führt man kein Gespräch. Du wärst ein lausiger Hochstapler.

FA: Wieso? Wie muss ein Hochstapler sein Gespräch führen?

HW: Da gibt es Regeln. Ein Hochstapler hört aufmerksam zu. Er ist nie gelangweilt von dem, was die andere Person ihm erzählt. Er übertreibt niemals und gibt auch nicht an.

Wenn der Gesprächspartner über Politik redet, dann teilt man dessen Meinung. Wenn er über Religion sprechen will, dann auch. Aber das macht man, indem man das Gesagte spiegelt und ergänzt, nicht einfach nachplappern.

Vorsichtig muss man das machen. Man redet auch nie über Krankheiten, das ist zu gefährlich. Oder über Eltern, da kann man nur Falsches sagen, das macht man nie richtig.

Und, das ist die drittwichtigste Regel: Man stellt keine persönlichen Fragen. Wenn man alles richtig macht, dann erzählt der Andere sowieso alles freiwillig.

FA: Aha. Interessant. Und was sind die ersten zwei Regeln?

HW: Daran scheitern die meisten Betrüger und Hochstapler.

FA: Ich höre immer noch zu.

HW: Gut gelernt, Kay. Die wichtigste Regel für Hochstapler ist: Sei immer ordentlich angezogen und gepflegt. Picobello muss man ausschauen, aber auch nicht übertrieben.

FA: Daran scheitern die meisten?

HW: Und an Regel Nummer zwei: Sei immer nüchtern! Trinke keinen Alkohol!

FA: Ist das nicht schwierig? Wenn der Gesprächspartner trinkt?

HW: Klar braucht man auch ein Glas. Auffallen soll das eigene Verhalten nicht. Aber da trinkt man halt langsam oder gar nicht draus – das sollte für einen Betrüger doch keine schwere Aufgabe sein.

Man kann sich sogar mit einem Kontakt besaufen und verbrüdern – wenn man nur selber wenig trinkt. Denn: Ein Hochstapler braucht seine ganze Konzentration. Immer. Auch nach dem Coup. Kuck’ mal in Geschichtsbücher: Die meisten Hochstapler fliegen auf, weil sie sich verplappern oder im Suff mit ihren Heldentaten angeben!

FA: Ich sehe schon, Du hast Dir Deine 10 Gebote gut überlegt.

HW: Alles in der Praxis getestet, meine Liebe. Jeden Fehler, den man machen kann, habe ich gemacht.

FA: Trotzdem giltst Du als der cleverste Hochstapler aller Zeiten.

HW: Das würde ich nie behaupten.

FA: Klar, würde ja der Regel mit dem nicht Angeben widersprechen.

HW: Du passt ja wirklich gut auf! Aber: Der cleverste Hochstapler aller Zeiten, von dem wissen wir einfach nichts!

FA: Victor, heute würde ich gerne so etwas wie das Gerüst für Deine Biografie entwickeln. Ein Überblick Deiner Abenteuer sozusagen. Damit wir beschließen können, was ins Buch kommt und was nicht. O.k.?

HW: Okay, Kay.

FA: Geboren wurdest Du in Österreich?

HW: Na ja. 1890 war das Österreich. Heute ist das die Tschechoslowakei. Robert Miller war mein Taufname in der kleinen Kirche in Hostinné. Der Ort hieß aber damals Arnau.

FA: Schulzeit? Irgendwelche Vorkommnisse?

HW: Ein Haufen. Sagen wir ‘mal so: Ich habe immer sehr schnell alles gelernt, aber Schule war langweilig. Darum hatte ich auch immer Ärger. Während des Studiums zum Beispiel habe ich drei Sprachen gelernt, Buchhalterei, Buchdruck, Jura, Geschichte “studiert” und gleichzeitig um Geld gespielt gespielt, getrunken und habe mir eine Narbe eingefangen.

FA: Die schaut aus wie ein Schmiss – das hat etwas von europäischem Adel.

HW: War aber ein Messer. Ein Streit. Ein eifersüchtiger Nebenbuhler.

FA: Gut. Lassen wir also die Ausbildung. Was war denn der erste Schritt in die Kriminalität?

HW: Meine Kindheit.

FA: Ja, aber über Eltern redet man nicht. Gebot Nummer fünf.

HW: Nummer sechs. Aber Du hast recht. Mein erster Auftritt als Graf Victor Lustig war auf diversen Ozeandampfern. Früher ist man nach Amerika mit dem Schiff. Die Fahrt dauerte eine ganze Weile und in dieser Zeit hat sich der Graf mit solventen Mitreisenden bekannt gemacht.

Denn der äußerst sympathische Graf war Musikproduzent am Broadway und mit dieser mondänen Tätigkeit reich geworden. Und wenn er jemanden wirklich mochte, der Graf, dann ermöglichte er es diesem Jemand, auch sein Geld zu investieren. Mit einem gewissen Risiko, aber mit möglicherweise hoher Rendite. Das war ein sehr angenehmes Leben. Das hätte ich noch ein paar Jahre machen können.

FA: Und warum hast Du das nicht?

HW: Weil die Kaiser das nicht wollten und die Deutschen und die Österreicher einen Krieg angefangen haben. Dann kam eine Zeit in den Staaten, wo ich als Zauberkünstler gearbeitet habe.

FA: Im Varieté?

HW: Nein. In Banken. Ich habe Wertpapiere verkauft und dann habe ich mich mit dem Geld für die Wertpapiere und denselbigen aus der Bank gezaubert.

FA: Mit Taschenspielertricks?

HW: Sagen wir: Durch manuelle Geschicklichkeit. Aber das ist natürlich zu gefährlich. Da hat man nur ein sehr, sehr kurzes Zeitfenster, bis der Banker das merkt. Keine gute Sache war das. Bald war ganz New York für mich verbrannt und ich ging lieber wieder nach Paris.

FA: Okay. Dann machen wir ein Kapitel Kindheit, dann Luxusdampfer, dann New York und jetzt verkaufst Du den Eiffelturm. Oder?

HW: Ja. Richtig. Das wird sicher das Herzstück, oder?

FA: Der Eiffelturm kommt auf’s Cover, da kannst Du drauf wetten. Wie lief das denn? Nur kurz, das müssen wir später noch genauer machen.

HW: Es fing damit an, dass ich im Café sitze und Zeitung lese. Das ist immer ein guter Anfang, um eine Idee zu kriegen. Da war ein Artikel darüber, dass der Eiffelturm mittlerweile baufällig ist. Das man den dauernd entrosten muss und dauernd anstreichen. Und dass das zu viel Geld kostet. Der Reporter mutmaßt in dem Artikel, dass wahrscheinlich eine Mehrheit der Pariser dafür wäre, das hässliche Ding abzureißen.

FA: Im Ernst?

HW: Ja ja. Die Pariser mochten den nicht besonders. Bei seiner Konstruktion haben sich praktisch alle wichtigen Künstler Frankreichs zusammengetan, um dagegen zu protestieren. Das Komitee der Dreihundert. Sagt Dir nichts?

FA: Nein. Nie gehört. Aber auf jeden Fall war das der Anfang Deines Plans.

HW: Das war schon der Plan! Ich behaupte, die Regierung reißt das Ding jetzt ab und verkaufe das Altmetall. Das ist ja schon etwas wert, das Ding wiegt immerhin über 10.000 Tonnen. Da sind alleine 7000 Tonnen Eisen verbaut!

FA: Also hast Du die größten Schrotthändler Frankreichs gefragt?

HW: Ich habe mich als Generalsekretär des Innenministeriums ausgegeben und habe auf gefälschtem Briefpapier die fünf größten Metallverarbeiter zu einer Besprechung geladen. Unter größter Diskretion natürlich. Wir, die Regierung Frankreichs, wollen das erst einmal geheim halten, bis wir damit an die Öffentlichkeit gehen. Nicht, dass es zu Protesten der Opposition kommt, noch bevor geregelt ist, was es den Staat kostet.

FA: Klingt logisch. Und dann hast Du das versteigert?

HW: Nein, das geht natürlich nicht. Erstens bringt das nicht viel und zweitens ist dann das Zeitfenster wieder zu klein. Wie in New York, Du verstehst?

FA: Kein Wort.

HW: Gut. Ich habe das offiziell versteigert, klar. Aber ich konnte ja nicht offiziell einen Auftrag erteilen. Sonst geht der Schrotthändler mit dem gefälschten Dokument zur Regierung und alles fliegt auf. Nein, das ist zu einfach.

Stattdessen habe ich mir einen ausgesucht. Den Herrn Poisson. Den kleinsten der fünf Haie. Den unsichersten und jüngsten. Der aber gerne groß rauskommen wollte und es den Alteingesessenen einmal so richtig zeigen wollte. Den habe ich mir zur Seite genommen und ihn zu einem vertraulichen Termin geladen. Als man sich so näherkommt, klage ich, wie ungenügend mein Salär doch ist…

FA: Du hast ihm erklärt, dass Du bestechlich bist.

HW: Genau. Den anderen vier habe ich geschrieben, dass ihr Angebot zu gering war. Und vom Poisson habe ich die Vorleistung und das Bestechungsgeld genommen. Und dann erst einmal gewartet.

FA: Warum?

HW: Erst einmal schauen, ob er zu den Gendarmen geht oder nicht. Aber, wie ich dachte, er war zu stolz, um zuzugeben, dass er sich hat bescheißen lassen. Und hat brav seinen Mund gehalten. Das ist dann natürlich ein Zeitfenster, so groß, da kann man glatt den Eiffelturm durchschieben!

FA: Was bedeutet?

HW: Das bedeutet schlicht, dass ich eine Extrarunde gedreht habe. Bevor ich wieder in die Staaten bin, habe ich den Eiffelturm noch einmal verkauft!

FA: Das ist eigentlich nicht zu glauben. Können wir das irgendwie belegen?

HW: Kein Problem! Mittlerweile sind beide Verkäufe aufgeflogen und in Frankreich gut dokumentiert. Das hat die Presse da begeistert rauf und runter gedruckt. Da solltest Du genug Material finden.

FA: Okay. Dann bist Du jetzt wieder in den Staaten?

HW: Dann bin ich wieder in den Staaten. Und dort wurde ich Produktdesigner!

FA: Aha.

HW: Ja, ich habe die „Rumänische Schachtel“ entwickelt. Die hieß so nach einem rumänischen Ingenieur, der einen Automat entwickelt hat, der automatisch jeden Geldschein fälschungssicher kopieren konnte. Das war eine Kiste aus Mahagoni mit drei Kurbeln, einem Hebel und einigen Stellrädchen. Die Kiste habe ich verkauft. Versteigert.

FA: Und? Hat die „Rumänische Schachtel“ denn funktioniert?

HW: Prächtig! Also, wenn der Zweck die Aufbesserung meiner persönlichen Finanzen ist. Ich versammelte die wichtigsten Geschäftsleute eines Ortes unter dem Siegel der Verschwiegenheit.

Dann habe ich sie erst einmal mit technischen Details geblendet. Als nächstes habe ich sie gebeten, mir einen Geldschein zu geben. Irgendeinen Geldschein. Dann habe ich das passende Stück Papier – gehört zum Kaufumfang – mit einer Kurbel durch einen Schlitz in den Apparat gedreht. Und in einen anderen Schlitz das Original. Der Prozess dauerte leider sechs Stunden, habe ich erklärt.

In der Zeit habe ich mit den Geschäftsleuten den Raum verlassen, von einem der Anwesenden absperren lassen und wir sind meistens etwas essen gegangen. Nach sechs Stunden habe ich mit der einen Kurbel den Original-Geldschein wieder rausgekurbelt und mit der dritten Kurbel die perfekte Kopie.

Dann sind wir alle in die Bank gedackelt und haben uns die Echtheit der Kopie bestätigen lassen. In diesem Moment wusste ich, dass die Kiste verkauft ist und habe sie dann versteigert. Natürlich musste ich dazu erst aufwendig überredet werden. 5.000 bis 20.000 Dollar waren immer drinnen. Die habe ich genommen und bin abgehauen. Denn in sechs Stunden würde der Käufer merken, dass die Maschine nicht funktioniert. Du siehst, das Zeitfenster war schon am Anfang eingebaut.

FA: Aber wie konntest Du vorher wissen, welchen Schein die Dir anbieten?

HW: Das wusste ich nicht. Aber ich ging davon aus, dass irgendeiner schon einen Hunderter rumwedeln würde, die wollten ja schließlich auch voreinander angeben. Hat immer geklappt. Also war in der Maschine einfach immer vorher schon ein richtiger Hunderter vorbereitet, denn ich einfach rausgekurbelt habe.

FA: Aber der Ort war dann für Dich verbrannt.

HW: So ist es. War also kein so tolles Betrugs-Design. Ich war mir zwar sicher, dass keiner zur Polizei gehen würde, weil es ja nicht gerade legal ist, eine Maschine zum Geldfälschen zu kaufen, aber wie konnte ich ahnen, dass einer meiner Kunden ein Sheriff war?

FA: Du hast eine „Rumänische Schachtel“ an die Polizei verkauft?

HW: Genau. Und der ist mir dann gefolgt und hat mich in Chicago gestellt.

FA: Aber festnehmen konnte er Dich ja schlecht.

HW: Hat er ja auch nicht. Ich konnte ihm erklären, dass er wohl irgendetwas mit der Maschine falsch gemacht hat. Und als Entschädigung habe ich ihm seine fünftausend Dollar zurückgegeben.

FA: Aber dann war ja alles in Ordnung?

HW: Na ja. Meine fünftausend Dollar waren nicht wirklich echt.

FA: Oh.

HW: Ja. Denn mittlerweile war ich mit einem Apotheker namens William Watts und einem Chemiker namens Tom Shaw groß ins Falschgeld-Business eingestiegen. Unsere Banknoten waren perfekt. Die eigentlich kreative Leistung war aber meine. Ich habe ein Netzwerk aus Kurieren organisiert, die das Geld unter die Leute brachten. Und keiner der Kuriere wusste, dass es Falschgeld ist. Jeden Monat haben wir so Zehntausende von Dollar verdient. War eine tolle Sache. Bloß der Sheriff hatte Pech und hat einen Banker erwischt, der die Lustig-Dollars erkannte.

FA: Lustig-Dollars?

HW: Ja, so war der Spitzname der Zeitungen für unsere kleinen Meisterwerke. Mit der Zeit wurden es halt vielleicht ein bisschen viel Fälschungen in der amerikanischen Wirtschaft und das FBI heftete sich an meine Fersen.

FA: Aber erwischt hat Dich der Sheriff?

HW: Nein. Meine Braut hat mich verpfiffen.

FA: Deine Freundin?

HW: Ja. Ich hatte – nur ein bisschen – mit Toms Freundin rumgemacht…

FA: Rumgemacht?

HW: Poussiert?

FA: Auch nicht besser, Herr Graf.

HW: Ja, war ein blöder Anfängerfehler. Ich war leichtsinnig geworden, weil der Laden so gut lief.

FA: Okay. Dann hätte ich grob den Überblick. Klar werden wir das Ding um den Eiffelturm aufbauen. Die rumänische Dingsbums ist auch ganz nett, aber Geldfälschen ist jetzt nicht so aufregend.

HW: Dabei gäbe es da spannende Details! Wie man Papier chemisch altert zum Beispiel.

FA: Nein, das machen wir nicht. Sonst mach’ ich mich auch noch strafbar!

HW: Na gut.

FA: Ich habe hier noch eine Notiz von Walter. Da steht nur Al Capone. Hast Du dem auch eine rumänische Schachtel verkauft?

HW: Das? Nein. Das war nicht einmal Betrug. Ich habe den in Chicago kennengelernt. Gemeinsame Bekannte, Du verstehst? Und dann habe ich mir von ihm 50.000 Dollar geliehen und versprochen, sie nach zwei Monaten auf Heller und Pfennig zurück zu zahlen.

FA: Und das hast Du gemacht?

HW: Klar. Ich habe lange mit ihm gesprochen. Und das heißt nach meinen 10 Geboten, ich habe ihm lange aufmerksam zugehört. Al Capone war ja der Prominente unter den Gangstern. Und er litt, wie alle Prominenten, darunter, dass ihn die Leute wegen seiner Prominenz liebten und nicht für seine sympathische Art.

FA: War er denn sympathisch?

HW: Al Capone? Nein! Das war ein Psychopath, wie er im Buche steht. Aber er hatte das Gangster-Grundproblem.

FA: Das wäre?

HW: Gangster sind Leute, die ihr Geschäft verrichten, indem sie sich nicht nach Gesetzen richten. Ihr Job ist es Gesetze zu brechen. Oft auch, wenn die Mafia die Gesetze macht. Also habe ich ihm nach zwei Monaten die Kohle wiedergegeben. Auf Heller und Pfenning. Und als ich ihm noch Zinsen zahlen wollte, war er einfach baff. Das hatte er noch nie erlebt. Ein Gangster mit Ehre im Leib. Und – siehe meine Regeln – immer picobello gekleidet und immer nüchtern.

FA: Bis jetzt hast Du aber aus dieser Sache noch nicht so besonders viel Gewinn gezogen.

HW: Aus Respekt habe ich mir dann von ihm 5000 Dollar geliehen für ein Geschäft, von dem ich mir nicht sicher war, ob es klappt. Wo ich ihm nicht sagen konnte, ob er das Geld wiederbekommt. Und das hat er akzeptiert.

FA: Und er hat das Geld nicht wiedergesehen?

HW: Nein. Der saß ja auch hier in Alcatraz, bis der weiche Schanker sein Hirn weggefressen hat. Und hier konnte er ja mit der Kohle auch nichts anfangen. Das ist nicht wie in anderen Gefängnissen. Hier gibt es einfach nichts zu kaufen.

FA: Wann kommst Du eigentlich wieder raus?

HW: Na ja, 15 Jahre habe ich bekommen. Und fünf Jahre extra, weil ich aus dem letzten Gefängnis geflüchtet bin. Die fünf Jahre erlassen sie mir nicht. Aber vielleicht fünf Jahre von den 15, wenn ich weiter unauffällig bleibe. Das wären dann, wenn ich Glück habe noch fünf Jahre.

FA: Okay. Na dann. Wir werden Deine Tantiemen für Dich gut anlegen! Ganz konservativ auf der Bank. Und wenn wir beide Glück haben, dann passt Dein Name danach wieder. Sieger.

HW: Das wäre schön, Kay! Wie oft kommst Du noch?

FA: Das hängt ein bisschen von den Umständen ab. Momentan habe ich nur zweimal im Monat eine Viertelstunde. Aber vielleicht kann ich mehr raushandeln. Walter hat da seine Verbindungen.

HW: Das wäre auch schön. Das war sicher das anregendste Gespräch, dass ich seit zehn Jahren hatte!

FA: Danke!

HW: Dann bis spätestens in zwei Wochen!

FA: Bis in zwei Wochen.

HW: Eins noch…

FA: Was?

HW: Kuck einmal ein bisschen, was Dein Mann so treibt. Denn die Brosche ist eine billige Fälschung. Okay, Kay?


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