Katerfrühstück


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Tagaus, tagein die gleiche Leier. Am Wochenende, da kann man dafür die Sau rauslassen und am Sonntag gibt es dann ein Frühstück mit frischem Kaffee und Brötchen.

Doch auf nichts kann man sich wirklich verlassen, wie Thorsten im heutigen Hörspiel feststellen muss. Und so muss er, trotz Kater, sein Frühstück heute einmal selber machen. Doch da gibt es noch andere Überraschungen!


Download der Sendung hier.
Musiktitel: „Breakfast Blues“ von MOONDOGS BLUES PARTY / CC BY-SA 3.0


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Die Geschichte zum Lesen

HW: (stöhnt) Oh, mein Gott!
HW: (erschrickt) Mein Gott, hast Du mich erschreckt! Ich habe Dich gar nicht gesehen, als ich reingekommen bin!
FA: Ich sitze hier schon eine ganze Weile und warte auf Dich.
HW: Keine Ahnung, wie ich Dich übersehen konnte. Aber ich krieg‘ die Augen kaum auf. Mann, was für eine Nacht. Ich kann Dir sagen, es war unglaublich. Aber ich bin so fertig!

FA: Eigentlich übersiehst Du mich immer, wenn ich hier sitze.
HW: Machst Du das dann absichtlich, Mami? Willst Du Deinem einzigen Sohn einen Herzschlag verpassen?
FA: Nein.
HW: Na, ist ja auch egal. Ich sage Dir, so etwas wie gestern, das habe ich noch nie erlebt! Es war so cool! Und Freddie, den kennst Du doch auch, oder? Ist der kleine Bruder von der Franzi. Auf jeden Fall, der hatte Geburtstag und der hat so die Sau rausgelassen, der war schon um 2:00 Uhr so knülle, dass die Security von dem Schuppen einen Sanka gerufen hat. Jetzt wacht der an seinem Geburtstag in der Notaufnahme auf, der Arme. Und ich bin auch so fertig, Mann. Ich hab im Kopf noch immer die Beats von gestern, das ist echt unglaublich. Und mein Mund fühlt sich an, als hätte die Katze über Nacht reingepisst.
FA: Ich möchte Dir etwas erzählen.

HW: Dein Telefon klingelt.
FA: Stimmt.
HW: Willst Du nicht drangehen?
FA: Nein.
HW: Aber vielleicht ist es wichtig.
FA: Nein, wichtig ist, dass wir reden.
HW: Oh, Mann, das ist so laut! Was meinst Du, wie weh das tut mit meinem Schädel?
FA: Ich werde da nicht hingehen.
HW: Okay! Vielen Dank für kein Verständnis! Könntest Du mir dann wenigstens einen Kaffee kochen?

FA: Das kannst Du durchaus selber.
HW: Na klar kann ich das selber. Aber ich bin ja eigentlich ein bisschen krank.
FA: Das ist keine Krankheit.
HW: Na gut! Mein Gott, ist ja nicht so, dass ich jeden Tag einen Kater habe wie diesen.
FA: Nein. Nur jeden Sonntag.

HW: Komm, hör auf! Es ist noch viel zu früh für Vorwürfe. Soll ich Dir auch einen mitmachen?
FA: Nein, danke. Ich würde gerne etwas mit Dir besprechen, Thorsten.
HW: Oh, mein Gott. Ausgerechnet heute! Warte kurz, ich mach erst einmal den Kaffee, ok?
FA: Ich sitze hier schon zu lange.
HW: Hey, ich habe auch nicht darum gebeten, wieder eines dieser Gespräche zu führen. Ein bisschen Koffein für den Angeklagten muss da schon drin sein, euer Ehren.
FA: Wenn es nicht zu lange dauert.
HW: Sicher, dass Du keinen willst?
FA: Ganz sicher.

HW: So. Das ist schon ein bisschen besser. Sag mal, warum hast Du eigentlich heute keine Brötchen gekauft wie sonst? Und keine Eier gekocht? Was ist aus dem heiligen Sonntags-Frühstück geworden? Seitdem Papa abgehauen ist, gab es doch jeden Sonntag Brötchen und Eier?
FA: Kann ich mit Dir reden?
HW: Weißt Du was? Ich mache mir einfach selber ein paar Eier. Ich mach mir Spiegeleier, ich denke, dann geht es mir besser. Und dann ist mir auch nicht mehr so übel. Dann können wir uns viel besser unterhalten. Das ist doch auch in Deinem Sinn, oder? Da hast Du doch sicher nichts dagegen, oder?
FA: Nein, natürlich habe ich nichts dagegen, dass Du Dir Spiegeleier machst.
HW: Eben. Das dachte ich mir doch.

HW: Schon wieder Dein Telefon. Willst Du nicht einmal drangehen?
FA: Nein. Ich will mit Dir reden. Ich habe Dir etwas Wichtiges mitzuteilen.
HW: So wichtig? Mein Gott, was gibt es denn schon wieder so Wichtiges? Ziehen wir um? Oder, hast Du endlich jemanden kennengelernt? Ich habe Dir immer gesagt, Du sollst eurer beschissenen Ehe nicht nachtrauern, oder? Ist es das? Hast Du jemanden kennengelernt?
FA: Nein, das ist es nicht.
HW: Jetzt geh‘ halt ans Telefon! Wird schon nichts Schlimmes sein!
FA: Ich bin mir sicher, dass es etwas Schlimmes ist!

HW: Ach was! Was sollte denn schon sein? Oder, warte, jetzt hab‘ ich’s! Du warst ja gestern mit Deinen Mädchen unterwegs. Und die haben Dich solange bedrängt, bis Du wieder Alkohol getrunken hast! Stimmt’s? Du hattest gestern schon wieder einen Rückfall? Stimmt’s?
FA: Nein, das ist es nicht, Thorsten. Brauchst Du noch lange mit Deinen Eiern?
HW: Nein, sind gleich fertig. Bist Du Dir sicher, dass Du keine willst? Oder habe ich gar nicht gefragt?
FA: Du hast nicht gefragt.
HW: Sorry! Das liegt an meinem Kater, tut mir leid. Aber Du willst eh keine, oder?
FA: Nein, ich will keine Eier.
HW: So. Schon fertig. Gleich geht’s mir besser.

HW: Du, von wann ist denn eigentlich das Brot? Das ist ja steinhart! Das kann man ja kaum noch beißen. Hatte ich nicht Brot auf die Einkaufsliste geschrieben?
FA: Hast Du, aber ich war nicht mehr einkaufen.
HW: Ach so. Mann, mir geht’s immer noch so elend, ich kann Dir das nicht beschreiben. Vorglühen mit Pernod war die dümmste Idee, die Lars jemals in seinem Leben gehabt hat. Kannst Du Dir das vorstellen? Wir haben ihm 15 Euro gegeben für zwei Flaschen Wodka, und was macht der? Kauft stattdessen eine Flasche Pernod! Das wäre super, meinte er. Dann ist einen nachher nicht übel, hat er gesagt. Weil das wie ein Kräuterschnaps ist. Die reine Natur. Praktisch bio. So ist der drauf! Voll das Marketingopfer, wenn Du mich fragst.
FA: Können wir jetzt reden? Ich habe nicht viel Zeit.

HW: Oh! Die Dame hat dringende Termine! Vielleicht ist da ja doch mehr im Busch, als Du mir sagen willst. Muss die Dame am Sonntag Vormittag …#
FA: Nachmittag. Es ist 15:00 Uhr.
HW: Danke für die Zeitdurchsage. Muss die Dame also am Sonntag Nachmittag dringend wohin! Jetzt bin ich doch noch langsam gespannt, auf das, was Du mir erzählen willst!
FA: Pass also auf, Thorsten, da wäre eine Sache, die ich Dir noch sagen will …
HW: Oh, Shit! Das habe ich ja ganz vergessen! Mein Handy ist ja total leer! Kein Wunder, dass ich noch keine Fotos bekommen habe. Das habe ich ganz verpennt. Gestern, im Club, klingelt das Mistding wie doof und ich will schon rangehen, trotz des Lärms, dann schaltet sich das doch glatt ab.
FA: Akku leer, oder?
HW: Na klar war der Akku leer. Aber da kann einen das Ding doch vorher warnen, oder? Das kann doch nicht die ganze Zeit so tun, als wäre nichts und sich dann einfach ausschalten. Es gibt ja auch Menschen, die richtige Jobs haben. Und nicht nur Studenten sind, so wie ich. Das sind doch kleine Computer, die sollen das doch irgendwie intelligenter lösen können, oder?
FA: Hast Du jetzt Zeit?

HW: Warte ganz kurz. Ich hatte mein Ladekabel hier irgendwo hingelegt. Da bin ich mir ganz sicher. Du hast es nicht genommen, oder? Ich bin mir sicher, dass es hier auf dem Esstisch lag, als ich gegangen bin.
FA: Kannst Du das nicht nachher suchen?
HW: Ganz kurz nur! Du weißt doch, ohne mein Handy bin ich kein richtiger Mensch. Ich schau schnell noch in der Küche. Ich beeile mich auch.
FA: Thorsten, es ist mir wirklich wichtig!

HW: (off) Ich weiß, ich weiß. Ich finde das auch gleich. Wann hatte ich das denn bloß zum letzten Mal?
FA: Bitte; Thorsten! Kannst Du nicht dieses eine Mal kurz warten. Du kannst das Kabel doch auch nachher suchen.
HW: (off) Jetzt hab‘ ich eine Idee! Ich wette, das lag auf dem Tisch und Du hast gedacht, es sei Deines und hast es eingesteckt und mitgenommen, um Dein Handy im Auto zu laden, wie Du es immer machst und hast es dann im Auto liegen gelassen! Wetten?
FA: Das glaube ich nicht, denn …

HW: Aber sicher sagen kannst Du es auch nicht! Du kannst nicht ausschließen, dass ich mit meiner Theorie richtig liege, oder?
FA: Nein, ausschließen kann ich das nicht.
HW: Warte, dann schau ich schnell ins Auto! (Off) Bin gleich wieder da!
FA: Bitte nicht, Thorsten! Bleib‘ hier!
HW: (off) Oh. Wo ist denn der Autoschlüssel?
FA: Der steckt im Auto.
HW: (off) Und, wow, wo ist denn das Auto? Wie bist Du denn nach Hause gekommen ohne Auto?

FA: Ich bin nicht nach Hause gekommen ohne …
HW: Warte, lass mich raten! Du hattest einen Rückfall und warst total blau und bist dann mit dem Taxi gefahren! Gib’s zu!
FA: Nein, ich bin nicht mit dem Taxi gefahren!
HW: Dann haben sie die Karre abgeschleppt?
FA: Nein, die haben die Karre auch nicht abgeschleppt. Kannst Du mir einmal …
HW: Bitte, geh‘ an Dein Telefon! Geht das nicht? Du siehst doch, dass mein Telefon nicht geht. Vielleicht ist es ja für mich!
FA: Ich bin mir sicher, es ist für Dich.

HW: Warum gehst Du dann nicht hin?
FA: Ich kann nicht. Und ich will auch nicht.
HW: Oh, Mann, Du bist aber echt mega-anstrengend heute! Kein Brötchen, kein Kaffee – warum zickst Du ausgerechnet an einem Tag rum, wo ich eine halbe Alkoholvergiftung habe? Du denkst irgendwie immer nur an Dich selber! ‚Oh, mein Entzug ist so schlimm!‘ und ‚Oh, die Scheidung ist so schlimm‘ und ‚Oh, ich bin so einsam ohne Partner‘ und am häufigsten: ‚Nie kann ich mit Dir reden!‘
FA: Aber ich kann ja auch nie mit Dir reden! Aber heute ist es mir wirklich wichtig!

HW: Und dann die Geschichte mit dem Auto! Ich wollte nachher zu Timm fahren, der hat nämlich die PS4, die wir uns ja angeblich nicht leisten können und dann ist das Auto weg! Wo ist es denn?
FA: Ich habe das Auto verloren, das ist ja, worüber ich mit Dir reden muss!
HW: Wie? Wie kann man denn ein Auto verlieren? Du hast doch gesoffen, oder?
FA: Keinen Schluck!

HW: Ach. Und wie hast Du dann unser Auto sonst verloren? Vergessen, wo Du es geparkt hast, oder?
FA: Nein, Thorsten! Ich habe es verloren. Ich habe alles verloren! Ich habe überhaupt nichts mehr! Verstehst Du jetzt, warum ich mit Dir reden will?
HW: Na, komm, so schlimm wird’s schon nicht sein! Du neigst immer ein bisschen zu sehr zum Dramatischen! Das kann man doch …

HW: Jetzt geh‘ aber ran! Du kannst nicht ewig davonlaufen, egal, was es ist!
FA: Ich kann nicht!
HW: Was soll das denn bedeuten?
FA: Es ist sowieso für Dich!

HW: Jetzt gehe ich aber ran! Das hast Du jetzt davon! Hallo, hier Thorsten Meier am Apparat seiner Mutter. Wie bitte? Was? Das kann nicht sein! Wie? Mit dem Auto? Sind Sie sich sicher? Das kann nicht sein. Sie sitzt hier und redet mit mir, da haben sie sich sicher getäuscht! Halt, warte! Das bist Du, Timm, oder? Du willst mich verarschen! Aber ohne mich, mein Kleiner! Ich falle auf Deinen Scheiß nicht rein! Du kannst mich mal am Arsch lecken! Und tschüss!
HW: Das war der Timm! Weißt Du, was der sich für eine kranke Scheiße ausgedacht hat, um mich in meinem Kater zu verarschen? Mami? Mami? Wo? Mamaa?

(Telefonklingeln)


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