In der Arbeitsagentur


Einst gab es in der Republik ein Heer von Beamten. Postbeamte und Bankbeamte und Bahnbeamte. Und wie nennt man die Menschen, die im Arbeitsamt so amteten?

Jetzt ist dieses Amt auf jeden Fall eine Agentur. Und die einstigen Beamte nicht mehr Beamte, sondern Agenten. Oder Kundenberater? Na ja, ist für unser kleines Stück Satire heute auch nicht wichtig.

In diesem Hörspiel bekommt die Beamte/Agentin/Kundenberaterin auf jeden Fall einen außergewöhnlichen Klienten. Und gibt ihr Bestes, um zu einer kreativen Lösung zu finden.


Download der Episode hier.
Musik: „Devil Do“ by Holly Golightly & The Brokeoffs / CC BY-NC-ND 3.0


Skript zur Sendung

FA: (gelangweilt) Der Nächste, bitte!
FA: (tippt)
HW: Hallo! (enthusiastisch) Ich hab‘ die Nummer 333. Die wurde gerade aufgerufen. In diesem herrlichen Blinkdings an der Decke da draussen. Bei den billigsten Plastikstühlen, die ich je gesehen habe…

FA: Haben Sie den Zettel?
HW: Hier. Hab‘ ich! Rosa Papier! Sehr hässlich!
FA: Gut, nehmen Sie Platz.
HW: Hier? Auf diesem roten Dings, wo der Schaumstoff an der Ecke rauskommt?
FA: Genau.
FA: (tippt)

HW: Herrlich! Ich würde…
FA: Einen Moment!
FA: (tippt)
HW: Also, wenn ich…
FA: Einen Moment, habe ich gesagt!
HW: Tschuldigung.

FA: (tippt)
HW: Soll ich vielleicht später…
FA: Einen Moment. Sie sehen doch, dass ich hier arbeite!
HW: Ich mein‘ ja nur…

FA: (tippt)
HW: Wie lange, denken Sie…
FA: Einen Moment! Je öfter Sie mich stören, desto länger dauert es!
FA: (tippt)
HW: (summt ‚Sympathy for the Devil‘)
FA: Könnten Sie das bitte unterlassen?
HW: Was denn?
FA: Das Summen. Bitte.
HW: Gut, gut. Kein Problem. Herrlich!
FA: (tippt)

FA: So. Da wären wir also. Guten Tag.
HW: Guten Tag!
FA: Was führt Sie in die Arbeitsagentur?
HW: Na ja, ich hab‘ ab einer gewissen Haarlänge immer das Problem, dass die am Morgen in alle Windrichtungen vom Kopf wegstehen.
FA: Wie bitte?
HW: Und ich dachte, wenn man die richtig kurz schneidet, dann geht das vielleicht wieder!
FA: Und wie soll ich Ihnen dabei helfen?
HW: Einmal Schneiden und Legen. Und Waschen wäre auch gut. Ich mag es, wenn die Kopfhaut massiert wird!
FA: Sie sind hier nicht bei der Friseurin! Das hier ist die… (denkt) Ach! Jetzt verstehe ich! Sie sind sarkastisch!
HW: Das haben jetzt aber Sie gesagt!

FA: Lassen Sie bitte diese Sperenzchen. Das hält uns nur auf! Wie heißen Sie?
HW: Satan.
FA: (tippt) (verächtlich) „Satan“. Ist das der Vor- oder Nachname?
HW: Das spielt eigentlich keine Rolle. Meistens reicht bei der Vorstellung einfach „Satan“.

FA: Das geht nicht. Künstlernamen spielen für die Arbeitsagentur keine Rolle. Wir brauchen einen normalen Nachnamen und ihren Taufnamen.
HW: Taufen? Ich bin nicht getauft!
FA: Das hab‘ ich mir bei dem Namen gleich gedacht. Ist der türkischen Ursprungs?

HW: Das wäre mit neu. Eher masoretisches Hebräisch. Ist das ein Problem?
FA: Für mich nicht. Aber zur Religion kommen wir noch später. Wenn ihr Vorname Satan ist, wie ist dann bitte der Nachname?
HW: Wie wäre es mit „Gottseibeiuns“? Das wird hier auf dem Land gerne verwendet.

FA: Das ist mir erst einmal Jacke wie Hose. (tippt) Gottseibeiuns. Tss, tss, tss…
HW: Samael wäre auch eine Möglichkeit…
FA: Herr Gottseibeiuns, ich nehme einfach an, Sie suchen eine neue Arbeit.
HW: Genau!
FA: Gut. Wie lange war denn ihr bisheriges Arbeitsverhältnis?

HW: Das begann eigentlich so mit dem Anfang der Zeit.
FA: Aha. Sie haben also bisher nur eine Festanstellung gehabt?
HW: Das kann man so sagen.
FA: Und nach ‚was für einer Beschäftigung suchen Sie denn?

HW: Och, da bin ich für alles offen. Außer vielleicht Pfarrer. Da dürfte ich nicht die Vorraussetzungen mitbringen.
FA: Für alles offen ist schon einmal eine gute Vorraussetzung. Mal schauen… (tippt)
HW: (wartet, beginnt wieder zu summen)
FA: Herr Gottseibeiuns, wie alt sind sie denn so?

HW: Das ist eine schwierige Frage. Hängt ein bisschen von ihrem Glauben ab. Aber ich befinde mich durchaus auf der Höhe meiner körperlichen und geistlichen Kräfte.
FA: Hm. Na gut. Und was ist denn bisher so ihre Expertise?

HW: Ich bin rhetorisch gut geschult. Ich kann Menschen zu verwirren. Um Kopf und Kragen reden. Und ich habe einige Erfahrungen, Verträge so zu schließen, dass sie für den Unterzeichner nachteilig ausfallen. Meine Spezialität!
FA: Verstehe. Also Finanz- oder Versicherungswesen?
HW: Nein. Es geht eher um seelische Arbeit, wenn Sie wissen, was ich meine.
FA: Ach, herrje. Also Esoterik, Lebensberatung, Coaching?

HW: Im eigentlichen Wortsinn ist Esoterik nicht ganz falsch, aber ich bin jetzt nicht ein Sektenführer oder Guru. Obwohl, wenn ich so darüber nachdenke…
FA: Das bringt uns so nicht weiter. Nicht Finanz, nicht Versicherung. Eher Handel?
HW: Das klingt gut! Ich handele mit Seelen! Seelen-Import und Export könnte man sagen.

FA: (tippt) Gut, das haben wir jetzt nicht als Ziffer angelegt. Ich nehme einfach Einzelhändler…
HW: Na ja, schon mehr auf der großen Ebene. Mehr so universell eigentlich.
FA: (tippt) Gut, dann nehme ich halt Großhändler. Das ist aber schwieriger zu vermitteln.
HW: Das macht nichts, ich will ja sowieso etwas Anderes machen.

FA: Aha. Warum wollen Sie Ihren Beruf wechseln, wenn ich fragen darf? Da brauchen wir schon einen triftigen Grund!
HW: Ich halte es einfach nicht mehr aus! Jeden Tag nur Folter und Wehklagen und Wehgeschrei!
FA: Oh. Sie leiden also unter ihrem momentanen Beruf?
HW: Ich kann einfach nicht mehr! Wissen Sie, es gibt nur an die 1200 verschiedene Methoden, eine Seele so zu quälen, dass sie nicht dauerhaft Schaden nimmt!

FA: Und das macht Ihnen also zu viel Streß, oder?
HW: 1200 klingt vielleicht erst einmal nach viel. Aber auf die Erwigkeit gerechnet, ist das so etwas von laaaangweilig! Das können Sie sich nicht vorstellen! Und das alles eine Milliarde ‚mal!

FA: Also haben Sie gesundheitliche Probleme? Ihre Arbeit bereitet Ihnen seelische Schwierigkeiten?
HW: DAS trifft es genau! Ich habe Schwierigkeiten mit den Seelen! Ich fühle mich ausgebrannt!
FA: Ach. Burnout. (tippt)
HW: Burnout? Hm. Von mir aus…

FA: Sagen Sie ‚mal, ich hätte da eine eher persönliche Frage. Das ist auch nicht irgendwie rassistisch gemeint, oder so. Mehr persönliche Neugier. Haben alle masoretischen Hebräer so eine rote Haut wie Sie? Reine Neugier, tut nichts zur Sache – hat auch nichts mit dem Job zu tun…

HW: Wie? Nein, so rote Haut hab‘ nur ich. Fand ich ehrlich gesagt auch keine so tolle Idee von Gott. Sie können sich gar nicht vorstellen, wie schwer sich das mit Blau- oder Ockertönen in der Herrenmode kombinieren lässt. Das sticht immer irgendwie raus, verstehen Sie?

FA: Das kann ich mir leibhaftig vorstellen! Das kann ich mir denken. Sticht irgendwie raus. Klar. Und ihre Eltern, die haben auch keine rote Haut? Nur so, reine Neugier…
HW: Eltern habe ich keine. Sagen Sie, haben Sie jemals die Bibel auch nur angeschaut?

FA: Oh je! Oh je! Das hätte ich mir gleich denken können! Sie sind ein Zeuge Jehovas, stimmt’s?
HW: Oh nein! Keine Angst! Da könnten Sie nicht falscher liegen! Da ist eher das Gegenteil die Wahrheit! Und katholisch oder evangelisch bin ich auch nicht! Überhaupt, dieses ganze Christentum – in meinen Augen total überbewertet!

FA: Aha. Wenn wir schon beim Thema sind, was soll ich dann unter Religion schreiben?
HW: Äh. Gute Frage. Was hab‘ ich denn da für Optionen?
FA: Ohne Bekenntnis vielleicht?
HW: Hm. Das stimmt so ja auch nicht. Gibt es vielleicht „Satanismus“?

FA: Nicht als eingetragene Religionsgemeinschaft. Sind Sie Satanist?
HW: Eigentlich auch nicht. Aber ich bin halt Satan.

FA: Satan. Ach, jetzt fällt’s mir erst auf! Gottseibeiuns! So hat meine Oma zum Teufel gesagt! Sie sind also der echte, leibhaftige Teufel?
HW: Wie er vor Ihnen sitzt!
FA: Lucifer, der gefallene Engel, der Herr der Fliegen?
HW: Na also, sie haben doch schon einmal die Bibel angekuckt!

FA: Die Bibel? Nein, eher nicht. Aber ich schaue manchmal so Fernsehserien!
HW: Na ja, ist ja auch egal. Das ist eh‘ ein komisches Buch, kann ich Ihnen nur sagen. Sehr verwirrend. Wenn das mit ein bisschen mehr Plan geschrieben wurde, dann würde ich mir in meinem Job echt schwer tun.
FA: Also, ich muss das noch einmal zusammenfassen. Sie sind der Herr der Hölle und Sie suchen einen neuen Job?
HW: Das haben Sie sehr schön auf den Punkt gebracht!

FA: Und dafür kommen Sie in die Arbeitsagentur nach Weisterhussen?
HW: Na ja, man kommt halt schon ‚rum in meinem Job! Das schon ja…
FA: Von allen Jobcentern Deutschlands haben Sie sich Weiterhussen ausgesucht?
HW: Spricht da etwas dagegen? Amtliche Arbeitsvermittler sind bisher sehr zuträglich gewesen für uns da unten. Wenn Sie wissen, was ich meine. Und gerade in Deutschland gibt’s ja schon sehr teuflische Regeln.
FA: Ach?

HW: Na ja, dass zum Beispiel die Verpflegung im Krankenhaus vom Hartz-IV-Satz abgezogen wird. Das ist doch schon satanisch. Das müssen Sie doch zugeben!
FA: Das ist doch schon seit 2011 nicht mehr so!
HW: Aber das wissen die Menschen halt noch nicht!

FA: Hm. Da können aber die Kollegen auch nichts dafür!
HW: Sie halten sich nur an Regeln, stimmt’s?
FA: (aufgebracht) Aber natürlich! Und vor allem vermittele ich Arbeit, so dass Menschen nicht Hartz-IV beantragen müssen!

HW: Schon gut, Frau… Äh… wie war doch gleich ihr Name?
FA: Runke-H… Moment – wenn ich Ihnen meinen Namen sage, unterschreibe ich damit irgendwelche höllischen Verpflichtungen?
HW: Ist das der Grund, warum Sie Ihren Namen bei der Begrüßung nicht sagen?
FA: Nein, das ist der Grund, warum ich speziell Ihnen meinen Namen nicht sage.
HW: Dann kann ich Ihnen versichern, dass das für Sie keine Konsequenzen hat. Soll ich schnell etwas Schriftliches aufsetzen?

FA: Nein, das ist nicht nötig. Lieber nicht. Runke-Hurzensberger.
HW: Was? War… das ein Zauberspruch? Weil, so funktioniert das nicht wie im Ferns….
FA: Nein – das war mein Nachname!
HW: Und Sie finden meinen Namen seltsam?
FA: Hab‘ ich das gesagt?

HW: Gesagt nicht. Aber, tut jetzt auch nichts zu Sache. Äh. Wo waren wir, Frau Ranke-Harzensgeber?
FA: Runke- Hurzensberger. Aber… weiß ich auch nicht mehr. Ihnen gefällt der Job in der Hölle nicht mehr.
HW: Das war es! Genau! Ich habe einen Höllen-Burnout! Das Foltern und Quälen macht mir keinen Spaß mehr! Jeden Tag in alle Ewigkeit immer das Gleiche! Können sie sich das vorstellen?
FA: Sie werden lachen, das kann ich mir sehr gut vorstellen.

HW: Und dann die Kollegen! Diese Hierarchien! Sie können sich nicht vorstellen, wie kompliziert das ist! Wenn man 10 Teufel auf einem Fleck hat, dann geht der Kindergarten aber los!
FA: Ich verstehe Sie genau! Das ist hier auf der Behörde auch so!
HW: Und dann gibt es Höllenfürsten, wie Bazazel oder Uriel oder Asmodäus, die denken, wenn sie nur lange genug warten, dann bekommen sie meinen Job automatisch!

FA: Genau! Was bilden die sich ein? Wie als ob es nicht wichtig wäre, WIE man seinen Job macht, sondern nur DASS man überhaupt an einem Schreibtisch sitzt.
HW: Genau so ist es! Wobei wir ja nicht Schreibtische haben. An einem Schreibtisch zu sitzen, um seine Arbeit zu erledigen, das wäre ja richtig paradiesisch!

FA: Und dann der Umgang mit den Klienten – sie können sich nicht vorstellen, was man da ungefragt den ganzen Tag für Lügen erzählt bekommt!
HW: Wissen Sie ‚was? Das kann ich mir sogar sehr genau vorstellen!
FA: Keiner übernimmt für sich selbst die Verantwortung! Immer sind es nur die bösen Umstände! Immer die anderen! Immer das System!

HW: Sie nehmen mir beinahe die Worte aus dem Mund! So ist das bei mir auch!
FA: Und immer wieder das Gleiche! Manchmal gibt es Menschen, denen ich viel mehr helfen könnte, als ihnen den nächsten Job als Lagerist zu vermitteln, weil die mehr draufhätten, aber es nicht wissen. Aber das kann ich nicht! Ich kann nur so handeln, wie es das Gesetz eben vorsieht!

HW: Genau wie bei mir! Meinen Sie, ich hätte mir das ausgedacht, in der Hölle ein Fürst zu sein und dann die Leute zu quälen, bis es sich mein Boss am Jüngsten Tag anders überlegt? Das ist der dümmste denkbare Job der Welt, wo schon vorher feststeht, dass man am Ende verliert!
FA: Wie bei mir auch!
HW: Es ist die Hölle.
FA: Genau.
HW: Genau.

FA: Na ja, Sie sind doch der Boss, oder? Und ziemlich mächtig, oder? Also, ich stelle mir ja schon vor, dass es da methodisch schon ein paar kreative Einfälle gäbe, um die Leute zu quälen. Sie müssen ja nicht alle ständig verbrennen…
HW: Ach. Muss ich nicht? Was schwebt Ihnen denn vor?

FA: Na, zum Beispiel könnten die armen Seelen selber beantragen, auf eine andere Tortur verlegt zu werden.
HW: Ich höre Ihnen zu…
FA: Zum Beispiel statt Höllenfeuer ewiges Erfrieren! So als Abwechslung! Klingt doch cool!
HW: Da überschätzen Sie aber die Möglichkeiten der Hölle gewaltig!
FA: Langsam! Warten Sie es einmal ab!
HW: Ich warte…

FA: Für die Versetzung brauchen die Sünder aber natürlich eine Empfehlung ihres persönlichen Teufels oder Dämons oder eben Peiniger. Wie die einfachen Beamten bei euch halt auch heissen…
HW: Und?
FA: Und der braucht dann spezielle Nachweise über Hitzeresistenz, Brandunverträglichkeit oder Feuer-Allergie.
HW: Gibt es das denn?

FA: Spielt keine Rolle. Dazu müssen die Sünder dann zu anderen Unterteufeln und sich auf Leib und Leben testen lassen. Aufwendige Tests.
HW: Und dann?

FA: Und wenn sie dann, nach hunderten von Jahren, den ganzen Papierkram fertig haben, dann müssen sie noch hundert Jahre auf einen Bescheid warten.
HW: Und dann?

FA: Na, dann wird der abgelehnt. Ohne Angaben von Gründen!
HW: (lacht) Das ist ja teuflisch! Das ist ja so ‚was von böse!
FA: Oder, noch besser: Abgelehnt für die nächsten 200 Jahre. Wegen Formfehlern beim Ausfüllen der Formulare!

HW: (lacht diabolisch) Hahaha, also Frau Hunkel-Rasenpfleger, Ihnen stünde in der Hölle eine große Karriere bevor! Das ist das Höllischste, was ich seit Erfindung des Body-Mass-Index jemals gehört habe!

FA: Sie können mich gerne Britta nennen.
HW: (lacht immer noch) Und Du mich Luzifer. Das ist mein Spitzname.
FA: Weißt Du ‚was, Luzifer? Ich hab‘ da noch eine Idee!
HW: Und die wäre, Britta?

FA: Ich weiß, wie wir unser beider Probleme lösen können!
HW: Und wie?
FA: Wir machen einfach einen Jobtausch!
HW: Wie? Du und ich?
FA: Ja, Du kannst hier an einem Schreibtisch arbeiten…

HW: Das wäre toll! Ist bei dem Stuhl auch die Federung kaputt?
FA: Und am Rechner sitzen und die Menschen ignorieren…
HW: So wie Du am Anfang? Das war brillant!

FA: Danke! Und am Wochenende hast Du frei. Kannst Du machen, was Du willst. Freizeit. Sind überhaupt nur 250 Tage Arbeit – die restliche Zeit ist frei! Und wir haben jetzt in der Teeküche sogar eine Senseo!
HW: Was ist eine Senseo?
FA: Das ist eine Kaffeemaschine! Aber eigentlich mit Nescafé. Du kannst auf Kosten der Behörde soviel Kaffee trinken, wie Du willst!
HW: Nein?
FA: Doch! Ich schwöre es Dir!

HW: Ja, und Du gehst dann in die Hölle für mich?
FA: Klar, ich bringe den Laden auf Vordermann!
HW: Und Du kommst mit so Höllenfürsten zurecht wie Baphomet oder Asmodäus?
FA: Ich arbeite hier seit 15 Jahren mit Vorgesetzten, die nicht einmal genau wissen, ob man Hartz IV mit TZ oder nur mit Z schreibt, kein Scherz!

HW: Im Ernst!
FA: Wenn ich’s dir doch sage!!!
HW: O.k.! Das machen wir! Das ist eine teuflisch gute Idee! (lacht diabolisch…)
FA: Könntest Du das lassen mit diesem diabolischen Lachen?

HW: Kein Problem. Also, ausgemacht? Soll ich etwas Schriftliches aufsetzen?
FA: Komm‘! Willst Du mich verarschen? Du weißt, dass solche AGBs nicht die Tinte…
HW: …das Blut….
FA: Meinetwegen. …nicht das Blut wert sind, mit denen sie geschrieben sind.

HW: Klar weiß ich das! Unterschätze das aber nicht! Rate mal, wer sich AGBs im Internet ausgedacht hat? Die Leute klicken das schnell weg, wenn Sie sich zum Beispiel eine Apple-ID anlegen, aber in Wirklichkeit haben Sie mir damit ihre Seele verkauft!
FA: DAS ist ja auch teuflisch! Brilliant! Gratuliere, Luzi!

HW: Danke, danke! Also, machen wir’s so?
FA: Ja, warte schnell… (tippt)
HW: Och nö! Jetzt sind wir gerade Freunde geworden und jetzt fängst Du wieder mit dem Trick mit dem Tippen an?
FA: Keine Panik! Ich kann tippen und mit Dir reden. Ich ändere nur schnell hier die Unterlagen. Du bist ab jetzt also der Herr Deusnobiscum…

HW: Wow! Du kannst ja Latein!
FA: …und kommst aus, sagen wir ‚mal…
HW: Dem Vatikan!
FA: O.k. Vatikan… Und mit Vornamen heißt Du…
HW: Satan geht nicht, meinst Du?
FA: Nein, geht noch nicht. Vielleicht eine andere Sprache?

HW: Die Polen sagen „Bjes“…
FA: Schon ganz gut, aber…
HW: Auf Madagaskar sagen Sie Angat.
FA: Das passt besser zu Deusnobisco. Angat Deusnobisco aus Madagaskar. Und Du arbeitest in dieser Behörde laut Computer schon seit 17 Jahren.

HW: An Deinem Schreibtisch?
FA: Jepp. Genau.
HW: Und das merkt keiner?
FA: Wird kaum einem auffallen. Wenn Du nur in der Kaffeeküche sagst: „Ja, früher, als wir noch das ArbeitsAMT waren, da war alles besser…“ So ungefähr einmal die Woche.

HW: Das kann ich mir merken. Na gut! Dann… dann tauschen wir ‚mal, oder?
FA: Gerne. Moment…
(Aufstehen, Stöhnen, Stuhl)
FA: Übrigens: Beeil‘ Dich nicht zu sehr, auch wenn’s Dir Spaß macht! Du wirst hier nicht nach Schnelligkeit bezahlt!
HW: Keine Angst! Langsam quälen, das ist meine Spezialität! O.k. Jetzt sitze ich. Sehr bequem! Sehr bequem! Och! Das wünsche ich mir schon seit Äonen!

FA: O.k. Viel Spaß, Luzi! Nur noch eine Frage! Wie komme ich jetzt in die Hölle?
HW: Musst Du nur mit dem Fingern schnipsen!

FA: Dann. Bis bald! Tschüssi! (schnipst)

HW: Oh, mein Gott! Es hat geklappt! Endlich! Es ist so herrlich scheußlich! Diese abgegriffenen Plastikstühle! Diese Resopal-Tischplatten! Und hier: Selbst für Tackernadeln gibt es Antragsformulare! Und da, auf dem Rechner: 2400 verschiedene Formulare! Und der Rechner ist noch Windows 95!

(lacht diabolisch)

Und das nun Tag für Tag! Und dazu beschissenen Senseo-Kaffee! Und dann herzlos für die armen Seelen die unnötigsten Tätigkeiten raussuchen! Das ist es! Die alltägliche, moderne Hölle!

(lacht schon wieder diabolisch)

Der Nächste! Bitte! (Blitz. Lachen. Echo.)