Das Große Aerodrom



Eigentlich ist es unbegreiflich: Im Jahre 1903 hüpft das erste Flugzeug der Gebrüder Wright in Carolina ein paar Meter – keine 40 Jahre später wird die Schallmauer durchbrochen und keine 65 Jahre später steht ein Mensch auf dem Mond!

Was für eine rasante Entwicklung! Interessant ist auch die Zeit VOR dem Hüpfer der Wrights, denn auf der ganzen Welt waren Bastler und Tüftler um die Wette auf der Jagd nach dem richtigen Dreh.

So auch ein hoch angesehener Wissenschaftler namens Samuel Langley, der zusätzlich mit einem üppigen Budget ausgestattet war. Und der die Chance hatte, sich neun Tage vor den Amateuren mit den Namen Wright für immer in die Geschichtsbücher einzuschreiben! Das müsste ja eigentlich klappen, oder?


Download der Sendung hier.
Musiktitel: „The Airborne Symphony: Part I: Theory of Flight“ von Marc Blitzstein


Wegen der DSVGO ist uns eine eigene Kommentarfunktion zu zeitaufwändig.
Ihr könnt diesen Artikel unter diesem Facebook-Post oder diesem Tweet kommentieren.


Skript zur Sendung

FA: Du willst abstreiten, dass Sam die erste motorgetriebene, flugfähige Maschine gebaut hat, die schwerer als Luft ist?
HW: Ja. Das ist sachlich nicht wahr.
FA: Aber dieser Manly behauptet das!

HW: Das war der Assistent von Sam, der hat ein wirtschaftliches Interesse, mehr nicht…
FA: Dieser Manly sagt, dass die Presse sich irrt. Dass Samuel gar kein Spinner und kein Scharlatan war, sondern ein Genie!

HW: Liebe Annie, beruhige Dich erst einmal! Sam war vielleicht kein Genie, aber pfiffig war er schon. Doch seine Flugmaschine hat damit nichts zu tun. Die hat vielleicht nicht soviel Spott verdient, wie sie geerntet hat, aber die Wrights waren ihr immer meilenweit überlegen.

FA: Warum, kannst Du mir das erklären?
HW: Was denn genau?
FA: Fangen wir damit an, warum Du denkst, Sam war… wie hast Du gesagt? „Pfiffig“…

HW: Ach so. Na, wie Du weißt haben wir beide uns ja sehr für die Wissenschaft interessiert als wir jung waren. Ich für die Physik und Samuel eigentlich für die Sterne.
FA: Das weiß ich schon auch noch. Das war schon als Kind seine Leidenschaft…

HW: Und so hat er sich dann auch seinen Weg gebahnt. Er durfte studieren und ich nicht. Bis zum Chefassistenten des Observatoriums in Harvard! Aber weil das dann wahrscheinlich das Karriere-Ende für ihn gewesen wäre, nahm er zum Schein eine Professur für Mathematik an, nur um, im Auftrag der Navy, für die Universität in Pittsburgh ein Observatorium aufzubauen.

FA: Ich dachte, er hat das Observatorium für das Smithsonian Institut aufgebaut?
HW: Das auch. Aber das Pfiffige, das ich wirklich meine, das war in Pittsburgh. Denn das dortige Observatorium war erstens nicht besonders gut ausgestattet und hatte zweitens kein Geld. Irgendwie musste es also Geld verdienen, damit Sam weiterforschen konnte. Und darum verkaufte er die Zeit!

FA: Die Zeit? Wie soll man denn die Zeit verkaufen können? Wer würde denn Zeit kaufen?
HW: Er verkaufte die genaue Uhrzeit! Denn die war plötzlich sehr wichtig geworden, das hatten bloß die meisten nicht erkannt.
FA: Wie meinst Du das?

HW: Na ja, damals so um 1870 herum hatten ja schon viele Menschen eine Uhr. Und viele Kirchtürme auch schon. O.k.?
FA: Ja, Vater hatte auch so eine Zwiebel, kannst Du Dich erinnern?
HW: Genau! Gutes Beispiel! Wie hat er die gestellt?

FA: Er ist rausgegangen. Und wenn die Sonne genau auf seine Glatze schien und er fast keinen Schatten warf, dann war 12:00 Uhr!
HW: So war es, Schwesterchen! Und das ist für einen Wissenschaftler ein untragbarer Zustand!
FA: Warum?
HW: Weil das eine gefühlte Zeit ist und keine gemessene! Aber die Zeiten haben sich schnell geändert und dann wurde die genaue Uhrzeit plötzlich lebenswichtig!

FA: Jetzt übertreibst Du!
HW: Nein! Überhaupt nicht! Weißt Du, warum die Uhrzeit überlebenswichtig wurde?
FA: Warum?
HW: Wegen der Eisenbahn!
FA: Wieso?

HW: Na, wenn die Uhren eines Lokführers und eines Weichenstellers nur zwei Minuten unterschiedlich gingen, dann kann es schon zu Zusammenstößen kommen und Dutzende Menschen können verletzt werden oder sterben!
FA: Das leuchtet ein!
HW: Also hat Samuel die genaue Uhrzeit mit dem Teleskop astronomisch bestimmt und zweimal am Tag an alles Bahnstationen der Welt telegrafiert!

FA: Was? Alle Bahnstationen der Welt?
HW: Na ja. In den Staaten und in Kanada halt…
FA: Das war pfiffig, oder?

HW: Das war pfiffig. Das hat er sich bezahlen lassen und seine Uni ausgebaut.
Samuel wurde ein sehr erfolgreicher und anerkannter Wissenschaftler. Nicht nur in Amerika, sondern in der ganzen Welt. Selbst die astronomische Gesellschaft in Frankreich hat ihn mit Preisen bedacht!

FA: Das wußte ich schon. So etwas hat er einem ja geschrieben. Aber warum sollte er dann nicht das erste Motorflugzeug erfunden haben?
HW: Weil das halt einfach nicht wahr ist. Aber ich will Dir das gerne genauer erklären. Interessiert Dich das, Schwesterherz?

FA: Ja, schon! Äh, dauert das lang?
HW: Zehn Minuten. Aber Du darfst danach nicht enttäuscht sein!

FA: Einverstanden. Willst Du noch ein Stück Kuchen?
HW: Nur, wenn Du auch noch eines nimmst!
FA: Halbe-Halbe? So wie früher bei Mom?
HW: Einverstanden! Halbe-Halbe!
FA: Na, dann schieß‘ mal los, Johnny!

HW: Also. Nachdem er einer der wichtigsten Wissenschaftler der Welt war, widmete er seine Energie dem bemannten Flug. Er war schon nicht mehr der Jüngste und er wollte etwas hinterlassen, dass ihm genügend Nachruhm brachte.
FA: Mmhhhhm! Das klingt nach Sam. Eitel war er schon immer!

HW: Sehr eitel! Er sah sich alle Versuche an, die bis dahin unternommen wurden und verwarf die meisten, weil sie ihm zu unwissenschaftlich waren. Er verspottete Lillienthal und Mouillard und machte sich über ihre Arbeiten lustig. Im Gegensatz zu den Brüdern Wright, die vor allem Lillienthal genau studierten – denn der hatte das Problem des Auftriebs gelöst.

Sam aber wollte alles von vorne erfinden, um sich auch alle nur denkbaren Patente zu sichern, die es gab. Schon 1887 begann er die Modellflugzeuge von Alphonse Pénaud nachzubauen oder, genauer gesagt, nachbauen zu lassen.

Die funktionierten mit einer Flugschraube und mit einem verdrehten Gummiband. Die waren zwar klein, aber wahrscheinlich die ersten Maschinen auf der Welt, die von allein stabil flogen. Wirklich genial. Schade, dass keiner den kleinen Franzosen unterstützte. Der hat sich dann völlig verzweifelt umgebracht. Keiner hatte den Wert seiner Arbeit erkannt.

Auch Samuel tat so, als hätte er die Modelle nicht reproduzieren können, auch wenn ich persönlich Pénauds Flieger durch das Observatorium habe schweben sehen. Wahrscheinlich wieder so eine Patentsache – er wollte halt nicht teilen.

Also bastelte er weiter an seinen eigenen Kreationen. Er hatte sich für seine Maschinen den Ausdruck Aerodrom ausgedacht. Also, Luft-Renner, wenn man so will. Gerade zum Trotz zu allen anderen Entwicklern, die ihre Geräte Aeroplan nannten. Typisch Sam, eben.

Na ja. Er hatte also die wichtigsten Elemente von Mouillard, Lillienthal und vor allem Pénaud übernommen und bald seine ersten Modelle fertig. Trotz der großen Menge an geistigem Diebstahl flogen die Dinger aber nicht wirklich!

Er war sich sicher, dass der entscheidende Faktor für den Motorflug der Schub war. Er sagte immer wieder: Alles außer einer Kugel entwickelt Auftrieb, wenn der Motor stark genug ist!

Also baute er kleine Dampfmaschinen in seine Modelle. Denn Benzinverbrenner waren zu schwer im Verhältnis zu ihrer Leistung. Verstehst Du das?

FA: Ich bin ja nicht völlig bescheuert!

HW: ‚Tschuldigung. Na ja. Sein Modell Nummer fünf wog dann schon ganze 11 Kilogramm. Aber es flog. Richtig toll. Er hatte sich ausgedacht, dass es schlau wäre, über einem Fluß zu fliegen.

Nicht nur, weil da keine Thermik war, sondern auch, weil man sich da weniger verletzt, wenn man abstürzt. Wie gesagt, er lehnte Lillienthal ab, aber gelesen hatte er ihn schon…

FA: Ja, der arme Lillienthal…

HW: Wirklich. Na ja, 1896 flog also Sams Nummer fünf nach einem Katapultstart von einem Hausboot ganze 1000 Meter! Das war tatsächlich ein Durchbruch! Denn das war zehn Mal weiter, als je etwas geflogen ist, dass Menschen sich ausgedacht haben…

FA: Warum lassen eigentlich alle immer die Brüder Montgolfier außer Acht?

HW: Die lässt eigentlich niemand außer Acht, meine Liebe. Trotzdem eine gute Beobachtung. Es geht nicht wirklich darum, überhaupt zu fliegen, musst Du wissen. Fliegen ist ja nicht wirklich schwierig. Wenn Du Dich von einer Klippe wirfst, dann fliegst Du ja auch, Du landest halt nur einmal.

FA: Naja, aber Ballons landen durchaus.

HW: Aber Sie wissen halt nicht, wo. Es geht beim Motorflug darum, dahin fliegen zu können, wo man will. Stell Dir vor, Du schreibst jemandem einen Brief, der an der Westküste lebt, würdest Du ihn dann einem Ballonfahrer geben oder einem Eisenbahner?

FA: Mh. Ich verstehe.

HW: Also. Zurück zum Thema. Und, um Dir nachdrücklich noch einmal recht zu geben: Wir sprechen von der Entwicklung einer fliegenden Maschine, die aus eigener Kraft fliegen kann und einen Menschen transportiert. Das wäre die Definition von Motorflug. Das ist der Heilige Gral der dritten Dimension. O.k.

FA: Ja, und warum hat den nicht Sam gewonnen?

HW: Na, weil seine Maschinen nicht geflogen sind!
FA: Aber Du hast Doch gesagt, sie wären geflogen!

HW: Schon. Das Modell mit den 11 Kilo flog ohne Menschen 1000 Meter. Das war wichtig, denn nun konnte folgerichtig argumentiert werden, dass der bemannte Flug also lösbar wäre.

FA: Klar. Müsste man ja nur das Modell Nummer fünf vergrößern sozusagen, oder?
HW: So ist es, Schwesterherz. Und natürlich einen besseren Motor einbauen. Weil ein größeres Modell ja auch noch schwerer wäre.
FA: Versteht sich.

HW: Versteht sich. Aber das kostet alles natürlich Geld. Und darum ging Sam zu seinen alten Freunden von der Navy und erklärte denen, wie praktisch es wäre, wenn man ein Gerät hätte, dass so hoch über den Gegner fliegen könnte, dass es von keiner Kugel getroffen wird. Aber von dem aus man selber durchaus schießen kann oder Bomben abwerfen.

FA: Na toll! Das Aerodrom ist noch nicht einmal gebaut und schon als Waffe geplant.
HW: Also machen die Menschen im Verteidigungsministerium die astronomische Summe von 50.000 Dollar locker!

FA: Da kann man eine Kleinstadt für kaufen!
HW: Das war ein gutes Drittel des gesamten Wehretats! Die USA haben also im großen Stil auf unser Bruderherz gewettet. Und darauf, dass so ein renommierter Wissenschaftler eher zum Erfolg kommt, als irgendwelche Fahrradbauer irgendwo in Carolina! Die USA sollten alle Patente besitzen oder eben das Smithsonian und nicht irgendwelche Privatleute!

FA: Trotzdem! 50.000 Dollar! Wie hoch ist der Staatshaushalt der USA in diesem Jahr?
HW: 500 Millionen Dollar.
FA: Also ein Prozent des Haushalts?
HW: Nein, Schwesterchen, 0,01 Promille – aber doch viel Geld.

FA: Und was ist dann passiert?
HW: Na ja, was soll ich sagen. Im Prinzip hat Sam dann wirklich das Modell Nummer fünf vergrößert. Und in diesem Mr. Manley, den Du erwähnt hast, hatte er auch einen fähigen Ingenieur gefunden, der ihm einen tollen Motor baute, der sagenhafte 50 PS Schub produzierte. Sollte also eigentlich alles klappen.

FA: Aber hat’s ja nicht, oder?
HW: Na ja, das Flugzeug war gebaut und startbereit auf dem Katapult auf dem Hausboot auf dem Potomac. Der Motor lief, alles schien zu funktionieren. Da bestellte Sam dann die Presse der Welt ein, Zeuge eines technischen Wunders zu werden. Teilzunehmen, wenn Geschichte geschrieben wird!

FA: Presse der Welt?
HW: Na ja, USA und Kanada. Aber Korrespondenten für deutsche, französische und britische Medien waren auch da!
FA: Kleiner ging’s nicht für Sam.

HW: Nein, weißt Du ‚was Schrulliges: Er hatte Tage vorher extra Porträtfotos von sich machen lassen. Damit in den Nachschlagewerken der Zukunft bei „Motorflug“ ein schönes Bild von ihm abgebildet ist!
FA: Du machst Scherze!
HW: Nein. Ich schwöre, das ist die Wahrheit!

FA: Ach, der Arme…
HW: Na ja, Du weißt ja, was passierte. 7. Oktober 1903 sind alle Presseleute da. Und der Ingenieur, dieser Manly selber fliegt das von Sam „Das Großartige Aerodrom“ getaufte Gerät. Hätte er sich nicht wenigstens das „Großartig“ sparen können, der Narr?

FA: Wie schlimm war der Absturz?
HW: Ein schreckliches Fiasko! Das Gerät hatte hinten noch gar nicht das Katapult verlassen, als es vorne schon kollabierte und sich zusammenlegte! Hätte man die ganze Leinwand und das ganze Holz und die Drähte zu einem Haufen zusammengeknüllt und vom Dach geworfen, dann wäre der Knäuel weiter geflogen als das „großartige Aerodrome“!

FA: Hat er sehr gelitten?
HW: Du kannst Dir nicht vorstellen, was da los war! Die gesamte Journaille der Welt…
FA: Der USA und Kanadas…
HW: Du hast recht. Na ja, die lagen am Boden vor Lachen! Die haben sich sofort zu übertrumpfen versucht, die lustigste Schlagzeile zu erfinden…

FA: Ja, ich kenne die Schlagzeilen.
HW: Na ja. Sam meinte, er hätte gesehen, dass sein hinteres Höhenruder am Katapult hängen geblieben sei und versuchte sein Glück dann am 8. Dezember noch einmal.
FA: Da war ich dann auch da.

HW: Ja, aber nicht mehr so viele Pressemenschen, denn…
FA: …das Ergebnis war genau das Gleiche.
HW: Genau das Gleiche. Das Gerät war einfach nicht stabil genug, um überhaupt das Katapultieren auszuhalten. Und es gab auch keinerlei Möglichkeit zum Steuern! Der Plan war, das Gerät einfach zu wassern und dann wieder neu zu bauen!

FA: Wahnsinn!
HW: Die Wrights hatten schon bei Lillienthals Absturz erkannt, dass die Steuerung des Flugs das Entscheidende ist! Schon die allerersten Gleiter der Wrights waren steuerbar! Und wiederverwendbar!

Man muss sich ausmalen, was passiert wäre, wenn der Start geklappt hätte und das Ding wirklich geflogen wäre! Was für eine lebensgefährliche Idee! Manly hat den zweiten Flug auch so nur mit Not überlebt!

FA: Er stand wohl sehr unter Zeitdruck, der Sam, oder?
HW: Na ja, die Militärs wollten Ergebnisse für ihr vieles Geld. Und die Wright-Brüder hatten schon einen steuerbaren Gleiter entwickelt.
FA: Die Militärs waren nicht erfreut?

HW: Kein bisschen. Nicht wenige Abgeordnete machten auf diese ernorme Geldverschwendung aufmerksam. Aber Sam tarockte nach. Der Fehlstart würde nur belegen, dass noch viel mehr Mittel nötig waren, um den Motorflug zu bewerkstelligen. Und wenn nicht die Amerikaner das bewerkstelligen würden, dann eben die Briten. Dann wäre es mit der Unabhängigkeit bald vorbei!
FA: So ein Unsinn!

HW: Andere Kollegen – auch renommierte Wissenschaftler – prophezeiten, dass der Mensch irgendwann tatsächlich den Motorflug meistern würde. Aber dass es noch Tausende von Jahren bräuchte!
FA: Tja. Das nennt man Hybris!

HW: Ja, stell‘ Dir das vor! Unser eitler Bruder fordert Hunderttausende von Dollars, berühmte Physiker tun das alles als Unsinn ab und keine 10 Tage später fliegen die Wright-Brüder mit ihrer Maschine. Einfach so!

FA: Mit einem umgebauten Motorrad-Motor, habe ich gehört…
HW: Mit dem einfachsten denkbaren Verbrenner, den man bauen kann. Mit gerade einmal 15 PS statt der 50 PS von Manlys Motor. Das ganze Flugzeug hatte nicht einmal 1000 Dollar gekostet!

Und es war steuerbar. Und man konnte landen und immer wieder starten. Und das machten die auch! Sie flogen immer wieder! Und alles, was wir heute von Flugzeugen kennen, das hatten sie schon erfunden: Seitenruder, Höhenruder, Querruder. Eine komplette dreidimensionale Steuerung!

FA: Ja, die haben ihren Platz schon verdient, die beiden.
HW: So, jetzt kennst Du die ganze Geschichte, meine liebe Schwester. Unser Bruder ist auf dem Weg zum Weltruhm unvernünftig geworden und ist auf die Nase gefallen. Statt berühmt zu werden, ist er jetzt das Ziel von Spott und Häme.

FA: Du sagst das nicht ohne gewisse Befriedigung, kommt mir vor.
HW: Ach, nein, sein Leid macht mich nicht glücklich. Und der erste Start war so beschämend, mir bricht das Herz immer noch, wenn ich an sein Gesicht zurück denke.

FA: Aber…
HW: Er hat nie auf jemanden gehört. Er war komplett beratungsresistent. Ein dickköpfiger, rechthaberischer, elitärer, besserwisserischer…
FA: Na, na, na… De mortuis nil nisi bene!

HW: Ja. Du hast recht. Ich bin ihm immer neidisch gewesen.
FA: Die ganze Zeit?
HW: Immer. All‘ die Jahre!

FA: Weil er studieren durfte und DU nicht?
HW: Ja.
FA: Na, dann frag‘ mal mich!
HW: Du? Du bist doch eine Frau!

FA: Na und? Die Curie auch und die hat einen Nobelpreis!
HW: Flugzeuge, Frauen als Wissenschaftler – was wird uns der Fortschritt noch alles bringen!
FA: Schon einmal von diesem Marconi gehört?

HW: Nein, was hat der erfunden?
FA: Das kabellose Sprachtelegrafieren!
HW: Das was?
FA: Na ja, er nennt das Radio. Da sprechen zwei Leute irgendwo auf der Welt in ein Mikro und irgendwo ganz anders kann man das dannhören. Ohne Kabel!
HW: Verrückt!