Zu Gast bei MiMiMo



Nicht nur auf Kinder wirkt die Miniaturisierung irgendwie magisch. Auch wenn Erwachsene nicht mehr mit Schleich-Figuren, Playmobil, Puppen oder Schlümpfen spielen, so übt doch ein gut gemachtes Diorama eine sehr eigene Faszination aus.

Die Welt im Überblick. Eine göttliche Perspektive auf unser Gewimmel. Eine Distanz, die uns gelassen macht. Und sehr neugierig, einmal ohne Hemmungen auf die kleinen Details zu starren!

In unserem Hörspiel besucht ein Lokalreporter den Marktführer für Dioramen. Das Unternehmen sitzt im Erzgebirge und ist natürlich von uns frei erfunden. Genau deren Geschäftsmodell oder die anderen Betriebsgeheimnisse, die die Chefin heute ausplaudert.


Download der Sendung hier.
Musiktitel: „little“ von Patrick Marmorat / CC BY-NC-SA 3.0


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Skript zur Sendung

SFX: Türklingel (Big Ben) 

FA: Hallo! 

HW: Hallo! Mein Name ist Hengstler. Ich hoffe, ich störe nicht. Ich bin ein guter Bekannter Ihrer neuen Nachbarin, der Frau Heide. 

FA: Aha. Und? 

HW: Und gleichzeitig Reporter für die Lokalzeitung hier im Kreis Annaberg-Buchholz. 

FA: Für die Freie Presse also? 

HW: Genau.  

FA: Und weiter? 

HW: Na ja, und meine Nachbarin meinte, dass der Keller Ihres Hauses schon vom Vorbesitzer an Sie verkauft wurde. Sie also deshalb keinen Keller hat. Dafür haben Sie jedoch zwei Keller. 

FA: Das ist richtig, da sind unsere Werkstätten untergebracht. 

HW: Und das das ganze Gebäude superstabil gebaut ist. Und die Keller meterdicke Betonwände haben. 

 FA: (sarkastisch) Das alles wird Ihre Leser ja sicher unglaublich faszinieren, wenn Sie das berichten. 

HW: Das da am Klingelschild, das ist Ihre Firma, stimmt’s? 

FA: Das stimmt durchaus. 

HW: Die Firma MiMiMo, einer der Weltmarktführer für Dioramenbau. 

 FA: Sooo weit würde ich auch nicht gehen! 

HW: Die Kundenrezensionen auf Ihrer Webseite sind da auf jeden Fall dieser Meinung.  

FA: Na ja, da sucht man sich aus verständlichen Gründen die besten raus. Das verlangt das Marketing.  

HW: Dabei sind Ihre Auftragsbücher auf Jahre gefüllt. 

 FA: Ja, wir werden uns irgendwann vergrößern müssen… 

HW: Ich habe auf Google Maps schon gesehen: Sie haben auch einige Betriebsgebäude im Garten… 

FA: Das stimmt. 

HW: Gerühmt wird bei Ihren Modellen der unübertroffene Realismus. Niemand schafft so eine Detailtreue und Genauigkeit wie ihr Betrieb, steht da. 

FA: Das ist unser oberstes Credo. 

HW: Na ja, das Erzgebirge hat ja eine Tradition, was Miniaturen betrifft. Darum denke ich, dass dürfte die Leser sehr interessieren. Dass so eine weltbekannte Firma für Miniaturen Ihre Pforten in Annaberg aufgemacht hat. 

FA: Na, von der Spielwaren-Industrie ist ja nicht mehr viel übrig hier. 

 HW: Was bedeutet denn eigentlich MiMiMo? 

FA: Das ist einfach. Das steht für „Minnas Miniatur-Modelle“. Und Minna bin ich. 

HW: Aha. Sie sind die Geschäftsführerin und Gründerin, hat man mir beim Gewerbeaufsichtsamt gesagt. 

 FA: (sarkastisch) Sie führen Ihr Interview irgendwie alleine! 

HW: Und haben einen sagenhaften Umsatz von 22 Millionen, aber keine Arbeitnehmer. 

FA: (genervt) Gut, wenn Sie mich also nicht brauchen, dann arbeite ich ‚mal weiter! 

HW: Nein, nein – tut mir leid, Frau Uhlig! Stehen Sie denn für ein Interview zur Verfügung? 

FA: Eigentlich… Aber, na gut. Kommen Sie ‚rein! 

HW: Das ist ja prima! Damit hatte ich gar nicht gerechnet! Vielen Dank! 

FA: Wenn Sie sich bitte hier im Eingangsbereich die Schuhe ausziehen könnten. 

HW: Kein Problem! Oh, der Boden ist aber angenehm warm! 

FA: …und vielleicht diese Schoner überziehen? 

HW: Gerne. 

FA: So, dann wären wir schon gleich in der Auslieferung.  

HW: Donnerwetter! Wofür brauchen Sie denn einen Laster und so einen Gabelstapler? 

FA: Unsere Modelle sind aus speziellen Materialien hergestellt und sehr, sehr schwer. 

HW: Aha. Interessant. 

FA: Hier sehen Sie unsere letzte Arbeit. Das ist ein Abschnitt des Häuserblocks 103 am Berliner Heinrichplatz von 1984. 

 HW: Kreuzberg! Als die Hausbesetzer da zehn Häuser besetzt hatten. 

FA: Neun Häuser. Aber stimmt genau. 

HW: Das schaut ja toll aus! 

FA: Moment, ich mache Ihnen noch ein Licht an. 

HW: Wow! Das… das ist ja atemberaubend! Mein Gott! Das ist ja, als wäre man der liebe Gott und würde auf Berlin runterblicken! Diese… Diese Details – das ist ja unfasslich! Hier, da liegen ja kleine Bierdosen rum. Und dort hat ein Hund an die Telefonzelle gepinkelt! Und da: Da kann man ja fast die Kritzeleien auf dem Trafohäuschen lesen! 

FA: Die kann man lesen! Hier, eine Lupe! 

HW: Tatsächlich! Das kann man lesen: „Lenin ist tot, Marx ist tot, und mir geht es auch nicht besonders…“ oder hier: „Einen Finger kann man brechen – fünf auch!“  

FA: Die Telefonzelle hatten Sie ja schon entdeckt. Jetzt, kucken Sie ‚mal: Da kann man die Tür öffnen und reinkucken… 

HW: Aber irgendwer hat den Hörer abgerissen!

FA: Und da sind die Telefonbücher in so Kipphalterungen, sehen Sie das? 

HW: Ja! Genau so war das damals! Und die sind ja richtig zerfetzt. Und da liegen ein paar winzige Seiten noch am Boden! Und, das schaut so aus, als könnte man da noch lesen, was drinnen steht! 

FA: Kann man! 

HW: Tatsächlich! Aber das ist ja wirklich unfassbar! Diese Detailverliebtheit ist ja nicht zu glauben! Aber das ganze Diorama ist ja nur zwei auf zwei Meter – das kann doch nicht so schwer sein? 

FA: Doch, doch. Das ist der Nachteil unserer Methode, dieses Diorama wiegt mehr als 12 Tonnen. 

HW: Aber, aus was für Materialien ist das denn gemacht? 

FA: Das meiste ist Holz, Draht, Leinwand, Papier, aber wir verwenden auch sehr, sehr stabile Metallgerüste und spezielle Materialien. Mikro-verdichtete Werkstoffe nennen wir die. 

HW: Dann kann ich den Laster und den Gabelstapler verstehen. Wie lange arbeiten Sie denn an so einem Modell? 

FA: Für den Block 103 haben wir vier Wochen gebraucht. 

HW: Nur? Das haben Sie alleine in vier Wochen gebaut! Unglaublich! Das schaut aus wie ein Lebenswerk!  

FA: Danke! Jetzt können Sie vielleicht den internationalen Ruf von MiMiMo verstehen, oder? 

HW: Ich muss ehrlich gestehen, ich gehe ja wirklich für mein Leben gerne ins Museum und wie als kleiner Junge ziehen mich Dioramen ganz besonders an. Mit diesem Modell könnte ich Stunden verbringen! 

FA: Das machen die Besucher ja auch. Wir haben eine um den Faktor 21 Mal höhere Verweildauer als alle unsere Konkurrenten! Tatsächlich werden die Museen, die Dioramen von uns haben, oft sogar nur wegen diesen besucht. Die sind ein unglaublicher Publikums-Magnet. 

HW: Das kann ich sofort verstehen! Das ist so unglaublich lebensnahe, daß habe ich in dieser Art noch nie gesehen! Jeder, der das gesehen hat, der wirft seine Eisenbahnmodelle sofort in den Müll! 

FA: (lacht) Das wäre aber schade!  

HW: Was kostet denn dieses Meisterwerk? 

FA: Der Block 103 ist für das Haus der Geschichte in Bonn und wird die 4,5 Millionen kosten. Plus Transport und Versicherung. Aber das amortisiert sich. Also normalerweise… 

HW: Und warum nicht beim Haus der Geschichte? 

FA: Das kostet kein Eintritt. Aber die haben Geld, das ist wirklich keine Summe für die. 

HW: Frau Uhlig, ich bin völlig begeistert! Darf ich ein paar Fotos machen? 

FA: Nein, tut mir leid, das geht leider nicht! Da müssen sie ab November in Bonn vorbeischauen! 

HW: Schade, aber kann ich verstehen… 

FA: Kommen Sie doch ins Büro, da haben wir eine Konsole mit Detail-Aufnahmen und 3-D-Fotografien aller unserer Modelle! 

HW: Äh ja, danke – tut mir leid, ich kann mich gar nicht mehr losreissen! Ich hab‘ als kleiner Junge auch so Plastikmodelle gebaut, so von Revell und von Airfix. Flugzeuge hauptsächlich. Erster Weltkrieg am liebsten. Das war eine ungeheure Pfriemelei – unglaublich, was Sie da leisten! Unglaublich! 

FA: Sie waren auch Modellbauer? So wirken Sie gar nicht. Sie sind ja doch recht breit gebaut und muskulös. 

HW: Ja, jetzt. Ich trainiere jeden Tag. Aber damals, als Kind, war ich ein Hemd. Jetzt drücke ich auf der Bank die Zentner nur so weg. 

FA: Sehr interessant. Hier wäre die Konsole mit den Daten! 

HW: Danke. Aber Frau Uhlig, wie sind Sie denn zu diesem Beruf gekommen? 

FA: So ähnlich wie Sie auch. Nur, dass es bei mir Puppenstuben waren. Da ist der Maßstab erst einmal noch ein bisschen größer. Haben Sie in 1:32 gearbeitet oder in 1:72? 

HW: 1:32.  

FA: Ja, so sind unsere Modelle auch. Ich hatte bald auf jeden Fall keinen Platz mehr in meinen Puppenhäusern, also habe ich meine Modelle mehr und mehr verkleinert. Aber dann kam das Studium und der Beruf und die Familie… 

HW: Haben Sie denn Modellbau gelernt?  

FA: Nein, gar nicht. In der DDR hatte man nicht wirklich freie Berufswahl. Ich bin Physikerin geworden. Erst nach der Wende konnte ich mich wieder meiner Leidenschaft widmen. 

HW: Sie sprachen von Familie? Was hält die denn von Ihrer erfolgreichen Mutter? 

FA: Oh, die stehen voll hinter mir und arbeiten mit, so gut sie können! 

HW: Ah. Darum haben Sie keine Angestellten! Sie sind ein Familienbetrieb! 

FA: Das könnte man so sagen!  

HW: Okay. Also Physikerin. Das hilft wahrscheinlich auch, irgendwie… Oder? 

FA: Oh ja, wir haben ja völlig neue Methoden und Materialien für den Modellbau entwickelt. Unsere Konkurrenten kommen da überhaupt nicht mit. Selbst, wenn sie ihre Finger an eines unserer Modelle bekommen, so können sie diese nicht reverse-engineeren. 

HW: Die kaufen sich so ein Modell, bauen das auseinander und können Sie trotzdem nicht kopieren? 

FA: Nein, unmöglich. Die Kern-Kompetenz, die wir haben, können die nicht nachahmen. Wir sind denen um Lichtjahre voraus. Wir verwenden da Technologien, davon können diese Amateure nur träumen! 

HW: Und welche Technologien wären das? 

FA: Das ist äußerst schwierig zu erklären, ohne Fachlatein. Vielleicht schauen Sie sich unsere Werkstätten einmal an? 

HW: Darf ich das? 

FA: Sie dürfen das. Aber ich muss Sie um unbedingte Schweigsamkeit bitten. Das ist ein strenges Betriebsgeheimnis! 

HW: Na klar! Meine Lippen sind auf Äonen versiegelt! 

FA: Der Satz kommt mir bekannt vor! Hören Sie auch das Morgenradio? 

HW: Was? Nein. Ich kann Radio nicht ausstehen! 

FA: Na ja, egal. Dann folgen Sie mir ‚mal! 

HW: Gerne! 

FA: So, vorsichtig, da ist vor ein paar Tagen ein Licht ausgefallen! 

HW: Ja, gut. Kein Problem. 

FA: So, ich mache auch hier ‚mal das Licht an. 

SFX: Lights on 

HW: Oh! Wow! Das ist ja… das ist ja noch atemberaubender! 

FA: Danke. Hier sehen Sie ein Regal mit lauter Detailarbeiten für unser nächstes Projekt. 

HW: Aha. Interessant. Das ist aber zeitlich ganz anders angesiedelt, oder? 

FA: Ja, das ist ein ganzes Dorf aus der Steinzeit. Für ein Museum in Frankreich. 

HW: Faszinierend. Aber das ist ja praktisch nur Baumaterial. Das sind noch keine Gebäude oder so. 

FA: Noch nicht. Aber daraus werden Gebäude werden. In diesem Fall, wo einige der Steinzeithäuser ohne Dach ausgestellt werden, bauen wir die genauestens im Maßstab 1:32 nach. 

HW: Und was ist das da hinten, im Halbdunkel? 

FA: Das ist die Fertigung, das ist nicht so interessant. Schauen Sie mal hier, dieses Instrument, daß wurde verwendet, um Feuer zu machen. Ein kleiner, sogenannter Feuerbogen. 

HW: Darf ich ‚mal die Fertigung ankucken? 

FA: Nur ungern, Herr Hengstler. 

HW: Bitte! 

FA: Na gut. Warten Sie einen Moment. 

SFX: Alarmsirenen 

HW: Was war das denn? 

FA: Das ist nur eine innerbetriebliche Sicherheitsmaßnahme. Das will die Versicherung so. 

HW: Das sie einen Alarm läuten? Wieso das denn? 

FA: So, jetzt mache ich die künstliche Sonne an, Moment. 

SFX: Elektro-Hochfahren 

HW: Oh, das ist aber ein riesiges Diorama! Unglaublich! Das erstreckt sich ja über beide Keller! Oh, das ist aber wieder unglaublich! Nicht zu fassen! Das hier ist ja ein ganzes Barrackendorf. Schaut ein bisschen aus wie ein Flüchtlingscamp. Und da, richtige Baustellen. Und richtige Bagger. Und Kräne. 

FA: Ja, und dahinten haben Sie großzügige Felder und Wiesen. Und schauen Sie sich einmal diesen tollen Mini-Wald an! Hach, das erfreut das Herz einer Puppenmutter, kann ich Ihnen sagen! 

HW: Das kann ich mir vorstellen! Dieses Modell ist ja unglaublich! Wofür ist das denn? 

FA: Das ist nur für uns selber, das ist nicht zu verkaufen. Das ist eine kleine, funktionierende Öko-Sphäre, müssen Sie wissen. Selbst erhaltend. 

HW: Aber, was ist das dahinten? Da bewegt sich ja ‚was? 

FA: Was? Wo denn? 

HW: Na da! Was… Das sind ja bewegliche Minimodelle von… Das sind ja Mini-Menschen, die sich bewegen! 

FA: Das sind nur Prototypen, das ist noch nicht geeignet zur Produktreife. Schauen Sie lieber hier auf diesen Mini-See! Da haben wir durch kleine Ventilatoren, hier und hier versenkt, sogar einen leichten Wellengang simuliert, schauen Sie ‚mal! 

HW: Aber die tragen Transparente! Das ist eine Mini-Demo! Unglaublich! 

FA: Herr Hengstler, Sie sind nicht befugt, diesen Betriebsbereich zu betreten! 

HW: Und die Transparente kann man prima lesen! Da steht: „Wir sind Sklaven!“ und „Minna muss weg!“ Mein Gott, wie realistisch die sich bewegen! Das ist ja unglaublich! Sind das gar keine Modelle? Sind das irgendwelche 3D-Hologramme? 

FA: (panisch) Ja, genau! 3D-Hologramme! Das ist die Zukunft im Modellbau! Stellen Sie sich das Diorama von oben nur einmal vor mit einer Hausbesetzer-Demo!  

HW: Und auf dem Transparent steht: „Wir wollen hier raus!“ Und jetzt, jetzt fuchteln die alle mit den Armen und wedeln und zeigen panisch hinter mich! 

SFX: Britzelgeräusch 

HW: Was? Wo, wo bin ich? 

FA: (Echo) Hallo, Herr Hengstler! Willkommen in Minnas-Mini-Welt! 

HW: Oh, mein Gott! Warum sind Sie so riesengroß? 

FA: Ich bin nicht groß, Herr Hengstler, aber Sie sind klein. Fast 6 Zentimeter klein. Tut mir wirklich leid! 

HW: Machen Sie mich sofort wieder groß! Lassen Sie mich heraus! 

FA: Das kann ich leider nicht, tut mir leid. Sie sind jetzt ein mikro-verdichtetes Lebewesen, so wie die anderen Menschen auf der unangemeldeten Demo, deren Zeuge Sie leider, leider wurden! 

HW: Aber, warum haben Sie das gemacht? 

FA: Sie sind leider Zeuge meines kleinen Betriebsgeheimnisses geworden. Ich habe ja als Molekular-Physikerin gearbeitet und daran geforscht, wie man… wie drücke ich das am besten aus… wie man möglichst viel „Nichts“ zwischen den Atomen entfernen kann. Und bei ungefähr 1:32 ist der Prozess leider zu Ende.  

Wenn ich Minnas-Mini-Menschen noch stärker verkleinere, dann explodieren die leider. Selbst so ist das nicht einfach. Sie selber z.B. bringen immerhin 120 Kilo auf die Waage und das bei einer Fussgröße von unter einem Zentimeter. Für Sie ist das kein Problem, aber für das Hausfundament wurden wir hier bald zu schwer. 

HW: Wir? 

FA: Ja, ich und meine Mitarbeiter. Meinen Mann und meine Kinder werden Sie bald kennen lernen, die leiten Minnas-Mini-Welt. Aber leider laufen Ihnen anscheinend die Dinge im Moment etwas aus dem Ruder. Doch das lässt sich regeln, da bin ich mir sicher. 

HW: Wie viele Mini-Menschen arbeiten denn hier? 

FA: 26. Mit Ihnen dann 27. Gott sei Dank sind Sie ja stark und groß, das können wir gut gebrauchen hier. 

HW: Ich will sofort wieder groß gemacht werden, sonst… 

FA: Sonst ‚was? Oh, ihr Handy funktioniert leider nicht mehr, tut mir leid.  

HW: Sie wollen mich einfach versklaven? 

FA: Nein, keine Angst. Im Herzen bin ich immer Sozialistin geblieben! Sie haben eine 40-Stunden-Woche, wenn auch leider keine Ferien. Zuviel Aufträge! Aber es gibt hier zahlreiche Freizeit-Möglichkeiten, wie Sie gesehen haben! Vielleicht versuchen Sie einmal Windsurfen auf Minnas-Mini-See oder Bergsteigen auf Minnas-Mini-Brocken.  

Der natürlich nicht maßstabsgerecht, sonst wäre er 35 Meter hoch, aber zum Klettern oder Paragliding reicht es! Und vielleicht lernen Sie ja eine Minnas-Mini-Frau kennen und ihr bekommt Minnas-Mini-Babies! Das wäre doch toll! Und ihr wärt die ersten! 

HW: Wenn ich aber trotzdem rauswill? 

FA: Tut mir leid, aber das geht aus betrieblichen Gründen nicht. Zurück-Vergrößern geht sowieso nicht, sie wären da draussen also nur der kleinste Lokalreporter Deutschlands. Und ohne diese Lautsprecher-Anlage ist ihre Stimme für uns Normalos leider nur ein unhörbar hohes Fiepen. 

HW: Das ist… 

FA: Das ist ein Traum, den Sie da leben, Herr Hengstler! In einer kleinen, perfekten Gesellschaft! Ohne Umweltverschmutzung, Krieg, Hunger, Gewalt, Fernsehen oder Facebook! Sozusagen Minnas-Mini-Paradies! Und Sie sind jetzt ein Teil davon! Ein, zugegeben, sehr kleiner Teil. 

HW: Sehr witzig! 

FA: Dabei ist der Modellbau nur eine Finanzierungsmaßnahme, Herr Hengstler. Wenn ich erst einmal ganz Annabach in eine Minnas-Mini-Stadt verwandelt habe, dann wird die Welt erkennen, dass die Miniaturisierung die Lösung aller Probleme ist!  

Ernährungsprobleme, Umweltproblem, Überbevölkerung: Alles Begriffe der Vergangenheit! Im Maßstab 1:32 reichen die Ressourcen des Planeten noch ewig, Herr Hengstler! 

HW: Und Sie sind dann die letzte Große, oder? 

FA: Natürlich. Die Puppenmutter der Welt, sozusagen. Wie sagt man auf Neudeutsch, Herr Hengstler: Size matters! 

FA: (Diabolisches Lachen)