Drive My Car



These Nummer eins: Es gibt nicht einen einzigen Plot in irgendeinem Film mit Zeitreisen (in die Vergangenheit) der Sinn macht! Zeitreisen sind von Natur aus so voller Widersprüche, dass sich die Wissenschaft eigentlich nur noch sehr theoretisch mit dieser Möglichkeit beschäftigt.

Das behauptend: Wir haben eine Geschichte mit Zeitreisen geschrieben! Warum? Weil es geht! Und weil es auch Spaß macht! Hoffentlich nicht nur uns, sondern auch euch!

Lilly Barlow heißt unsere Heldin und sie reist ins Jahr 1858 in das London, indem ihr Lieblingsautor wirkt und schafft!


Das entsprechende Writing Prompt auf Reddit.
Download der Sendung hier.
Musiktitel: „Yesterday“ von Kellee Maize / CC BY-ND 3.0


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Skript zur Sendung

Nein, ich habe mich nicht gefragt, was ich wohl am meisten vermissen werde.
So weit habe ich nicht gedacht.
Es ist wirklich unglaublich, aber nach beinahe 10 Jahren Arbeit hatte ich meine Entscheidung total spontan getroffen.

Ambient: Victorian Background ON

Während ich mich der Themse nähere, hole ich aus einer Tasche meiner Weste ein quadratisches Stück Stoff und halte es mir an die Nase.
Das habe ich mit eine Mischung aus Lavendel, Rosenwasser, Öl und Alkohol getränkt.
An der Rezeptur habe ich lange gearbeitet.

Der Geruch soll eine Zeitlang halten und nicht sofort verfliegen, aber ich darf selber nicht den Geruch annehmen, denn im London des 19ten Jahrhunderts war Lavendel ein reiner Frauengeruch.

Aber ohne dieses Tüchlein konnte ich mich der Themse nicht nähern.
Das viktorianische London im Jahre 1858, so wie wir es uns gerne vorstellen, so wie es immer noch eine Phantasie in den Köpfen der Briten ist – das viktorianische London stinkt unerträglich!
Und zwar, ich kann’s nicht anders ausdrücken: Nach Scheiße!

Aber nicht nach Pferdemist – Pferdemist wäre ein angenehmer Duft im sommerlichen London, sondern nach: Menschenscheiße!
Die Engländer hatten begonnen Wasserspülungen in ihre Toiletten einzubauen, aber niemand hatte sich Gedanken gemacht, wie man mit den Abwässern verfahren würde.

Die ganze Kacke landete also in der Themse.
Es gibt sowieso keinen Fluss, der langsamer fließt, glaube ich.
Aber bei Flut bewegt er sich praktisch überhaupt nicht und das ist zweimal am Tag.
Und dann schwimmt die Kacke und die Pisse von Millionen Menschen in der prallen Sommersonne!

Also vermisse ich anscheinend eine funktionierende Kanalisation am meisten.
Oder Klärwerke. Das wäre möglich.
Doch, wie schon gesagt, darüber habe ich mir beim besten Willen keine Gedanken gemacht.

Ambient: Victorian Background OFF

Das Ganze ging sehr, sehr langsam und am Ende dann zu schnell.
Es hatte viel Planung bedurft und viel Geheimhaltung.
Aber am Ende war ich dann doch zu spontan.

Angefangen hatte alles damit, dass ich Tachyonen nachgewiesen habe.
Das waren vor meiner Forschung hypothetische Teilchen, die mit einer Geschwindigkeit größer als der Lichtgeschwindigkeit unterwegs sind.

Wie Nicola Tesla es formulierte: Teilchen, die sich rückwärts auf der Zeitachse bewegen.
Also in der Zukunft entstehen und dann in die Vergangenheit reisen, um zu vergehen.
Tesla ging davon aus, dass Tachyonen alle Energieproblem lösen könnten.

Ich hielt das natürlich, wie alle Studenten in meinem Jahrgang, für eine große Spinnerei.
Aber wir konnten nicht entdecken, dass die Existenz von Tachyonen im Widerspruch zu den Relativitätstheorien stehen würde.
Im Gegenteil: Die modernen Stringtheorien kommen oft ohne Tachyonen gar nicht mehr aus.

Ambient: Victorian Background ON

So hatte das also angefangen.
Und jetzt stehe ich, mitten im sogenannten „Big Stink“ in London und versuche mich wieder von der Themse zu entfernen.
Denn, je weiter man vom Fluß weg ist, desto atembarer wird die Luft.
Der Brechreiz sinkt exponentiell zur Distanz.

In Westminster hatte man die Vorhänge mit Calciumchlorid getränkt.
Das Parlament machte gar seine Tore ganz dicht.
Die Gerichte am Hampton Court Palace beschlossen, nach Oxford umzuziehen.

Ich aber mag dieses London zu sehr.
Schließlich habe ich mir ja diese Epoche nicht umsonst ausgesucht.
Und auch jetzt, mitten im Gestank, bin ich völlig fassunglsos, wenn ich so in die engen Gassen starre.

Krumm und schief neigen sich die Häuser einander zu.
Eigentlich gegen alle Gesetze der Statik, in unmöglichen Winkeln – kein rechter Winkel weit und breit!

Kreuz und quer sind Wäscheleinen gespannt und alles brummt vor Leben!
Die ganze Stadt hat etwas so Organisches, etwas so Grundlebendiges, etwas so Bejahendes – das können wir uns im 21sten Jahrhundert überhaupt nicht mehr vorstellen.

Es ist meine tiefe Sehnsucht nach einer Zeit VOR Plastik und Schellack und Gummi und Glas und Beton, die mich an dieser Epoche so fasziniert hatte, das ich mich ohne eine Sekunde Reflektion dafür entschieden hatte.

Ambient: Victorian Background OFF

Der Nachweis von Tachyonen war dann in Wirklichkeit ein Kinderspiel.
Eigentlich kann das jeder in seiner Küche machen, wenn er nur eine Küchenwaage hat, die fein genug misst.
Also Mikrogramm. Genauer muss es gar nicht sein!

Es ist ein ganz einfacher Trick, aber ich behielt diese Erkenntnis erst einmal für mich.
Eigentlich wäre das einen Nobelpreis wert – da bin ich mir ziemlich sicher.
Aber wenn es Tachyonen gab, konnte man dann Informationen in die Vergangenheit schicken? Das ist doch die spannende Frage, oder?

Konnte man ein Anti-Telefon bauen, wie Einstein das genannt hat?
Es gehört zu den großen Glaubens-Sätzen der modernen Teilchenphysik, dass das nicht möglich ist, wegen der Kausalitätsprobleme, die das schaffen könnte.

Und auch ich hatte das natürlich verinnerlicht.
Bis ich eines Tages einen Zettel auf meinem Labortisch fand, auf dem stand: „Und es geht doch!“. Geschrieben in meiner eigenen Handschrift.

Ambient: Victorian Background ON

Ich muss schmunzeln, obwohl ich immer noch ein bisschen mit Brechreiz zu kämpfen habe. Beim Zurück-Erinnern war ich so in Gedanken verloren, dass ich nicht bemerkt habe, wie ich mich einer Gruppe junger Männer nähere, die mich kennen.

Und schon spüre ich eine Hand auf meiner Schulter:
„Na, William, bist Du taub geworden von dem Gestank hier?“

Soll ich ihm ins Gesicht sagen: „Nein, ich habe mich nur immer noch nicht daran gewöhnt, dass ich hier ein Mann sein muss und William heiße!“
Das würde den jungen Mann neben mir wohl verunsichern, oder?

Ich war mit 1,75 m keine kleine Frau gewesen, als ich meine Reise antrat.
Eher so oberer Durchschnitt.
Aber hier wäre ich eine so große Frau gewesen, dass ich in eine Freakshow gehören würde. Und ich meine das durchaus wörtlich.

Also muss ich im London 1858 ein junger Mann sein und keine Frau.
Also bin ich eben William und nicht Lilly.
Das hat viele andere Vorteile, denn für meine Forschung muss ich mich frei bewegen können und das ist Frauen 1858 noch nicht möglich.

Also sage ich: „Tut mir leid, ich war in Gedanken versunken!“
„Kein Problem, William, das bist Du ja oft! Aber ich freue mich, Dich zu sehen, denn ich habe Dir eine tolle Geschichte zu erzählen, die Dir sicher gefallen wird!“

Ich blicke auf und sehe die Menschenmenge an. Alle sind unfassbar klein und alle sind so unfassbar blass und alle haben so unfassbar schlechte Zähne und auch mein Freund Percy hier riecht so unangenehm aus dem Mund, dass ich sogleich wieder in mein Tuch atmen muss.

Ambient: Victorian Background OFF

Nach dem ersten Zettel schickte ich mir selber aus der Zukunft bald ein Smartphone, dass es eigentlich nicht geben konnte.
Habt ihr eigentlich schon vom iPhone XX gehört?
Lief übrigens nicht, keinerlei Netzverbindung.

Und dann schickte ich mir endlich selber eine Zeitung mit den Lottozahlen.
Das, was normale Menschen wahrscheinlich zuerst machen.
Ein Zeitreise- Standard, sozusagen.
Aber, was soll ich sagen: Funktionierte auch nicht.

Es kamen immer andere Zahlen, als in der Zeitung standen.
Und überhaupt: Wenn ich mir eine Zeitung mit dem gleichen Datum, vom gleichen Verlag kaufte und mit der Zeitung verglich, die ich mir selber aus der Zukunft geschickt hatte, dann waren die ziemlich anders.

Erstaunlich viele Artikel waren wortgleich, aber viele der Neuigkeiten waren einfach faktisch anders.
Seltsam, oder?
Als ob von jedem Zeitpunkt in der Vergangenheit viele grundverschiedene Stränge in die Zukunft führen würden?
Strange, oder?

Ich grübelte über dieses Problem, denn vielleicht bedeutete das:
Die Anzahl an Lillys in der Zukunft nimmt ständig zu!
Ist jedes Quantenobjekt Ausgangspunkt von unendliche vielen potentiellen neuen Quantenobjekten und Zuständen in der Zukunft?

Ambient: Victorian Background OFF

„Ich habe heute diesen Dickens getroffen, von dem Du immer so geschwärmt hast!“

Auf einmal wird mir wieder bewusst, dass ich mich ja mit Percy unterhalte.
Oder, vielmehr, mir eine seiner ewigen Erzählungen anhöre.

Alle Menschen nehmen sich für alles, was sie einem mitteilten, ewig Zeit in 1858!
Alles dauert hier ewig! Nur den Bäcker und den Butcher zu besuchen dauert leicht über eine Stunde!

Dabei haben die eine lächerliche Lebenserwartung.
Hier in London stirbt man noch gerne an der Cholera.
Man glaubt allgemein noch, die würde durch ein „Miasma“ in der Luft übertragen.

Aber sie schöpfen brav ihr Trinkwasser aus dem gleichen Fluss, der die ganze Stadt vergiftet – unglaublich, oder?

Die bauen sich hier zum Beispiel gerade eine U-Bahn, die Londoner, ohne jegliche Elektrifizierung!
Die wollen wirklich mit Dampfloks in den Tunneln fahren – keinerlei Angst vor Abgasen!

„Weißt Du, Charles Dickens? Ich habe ihm gesagt, dass Du ein Fanboy bist und ihn für einen der wichtigsten englisch-sprachigen Schriftsteller aller Zeiten hältst!“

„Du hast Charles Dickens getroffen? Wie kommst Du denn zu so einer Ehre?“

„Das war ganz einfach, Du Lulatsch! Er gibt Lesungen! Und da kann jeder kommen! Kostet nichts!“

Das ist einer der Träume gewesen, die ich hatte, als ich hierher gereist bin.
Einmal Charles Dickens kennen zu lernen!
Der Mann, dessen Romane mir so viel bedeuten!
David Copperfield und natürlich die „Geschichte zweier Städte“, ein Roman, an dem er wahrscheinlich gerade jetzt, in diesem Moment, schrieb!
Oder „Große Erwartungen“, das vielleicht unterschätzeste Buch der Weltliteratur!

„Was? Wann? Wo hat er Lesungen? Hat er noch mehr Lesungen in London?“

„Das weiß ich nicht. Aber ich glaube nicht. Er reist durch ganz England, musst Du wissen. Wahrscheinlich braucht er Geld, jetzt nach seiner Scheidung!“

Ambient: Victorian Background OFF

Das Buch „Große Erwartungen“ war der vierte Gegenstand gewesen, den ich mir selber aus der Zukunft in die Vergangenheit geschickt hatte.

Und darauf folgte dann bald meine Katze.
Das war gar nicht so einfach, wie man denken mag.
Ich musste sie dazu in eine Transportbox stecken, sonst wäre sie ja einfach von meinem Labortisch weggehüpft.
Und das hasst sie! Aber sie lebte.
Eindeutig. Ihr fehlte nichts.
Und sie verhielt sich auch völlig normal.
Will heißen: Sie war die nächsten vier Tage stinkesauer!

Es war also möglich, Lebewesen in die Vergangenheit reisen zu lassen!
Und ich konnte das bewerkstelligen!
Mit wirklich simplen Geräten – es war so viel einfacher als man sich das vorstellen kann, wenn man erst einmal Tachyonen einfangen kann.
Und Tachyonen sind so einfach einzufangen!
Sie sind überall und ständig um ums herum!

Ambient: Victorian Background ON

„Aber er ist nach der Vorlesung in London geblieben. Und, wenn Du willst, dann kannst Du ihn kennenlernen. In einer Stunde, in „The Boot“ in der Cromer Street.“

Na klar, „The Boot“!
Aus seiner Erzählung „Barnaby Rudge“.
Seinem eigentlich ersten Roman!
Den keiner wirklich ernst nimmt.
Außer Edgar Allan Poe damals.
Da musste ich unbedingt hin! Charles Dickens!
Der wahrscheinlich größte Schriftsteller seiner Zeit!
Der Grund, warum ich hier war! Seit drei unendlich laaangen Jahren!

Ambient: Victorian Background OFF

Ach so. Genau. Das muss ich ja noch erzählen.
Nachdem meine Katze überlebt hatte, dachte ich mir:
Eigentlich muss das auch mit Menschen gehen!
Und als erstes Versuchskaninchen dachte ich an mich.

Sollte ich mich also fünf Minuten in die Vergangenheit schicken?
Und würde ich dann zweimal existieren?
Oder sollte ich gleich in meine Lieblings-Epoche reisen, das viktorianische England?
Von dem ich ja damals, 2018, noch nicht wusste, wie sehr es stinkt – das zumindest sollte man zu meiner Verteidigung sagen!

Also stellte ich meine Tachyonen-Maschine auf das Jahr 1855 ein.
Das heißt 1.428853 Stunden in die Vergangenheit.
Lustig, oder? Das sind gerade einmal 60.000 Tage, die uns und das stinkende London voneinander trennen.

Ambient: Victorian Background ON

Na ja. Und seitdem bin ich hier.
Ihr fragt euch vielleicht jetzt, wenn ich das so erzähle, völlig zu Recht: „Und wie kommt sie zurück, diese Zeitreisende?“

Fragt ihr euch, oder? Tja, dann Hut ab.
Denn das bedeutet, ihr seid schlauer als ich.
Ich war so begeistert von der Möglichkeit, in das viktorianische London zu reisen und Charles Dickens kennen zu lernen, dass ich keine fünf Minuten, nachdem ich meinen Kater aus dem Käfig gelassen hatte, auf einmal im Jahr 1855 stand.
In Sweatshirt, Jeans und Sneakers übrigens.

Jetzt, drei Jahre später, stehe ich neben Stinky Percy in stinky London und überlege, ob ich als William oder als Lilly in „The Boot“ gehen soll.
Ich meine, es ist 1858, Dickens hat sich gerade von seiner Frau Catherine getrennt und wahrscheinlich seine Liebschaft mit Ellen Ternan noch nicht begonnen…

So überlege ich, als ich auf einmal eine Melodie höre, die mir sehr bekannt vorkommt.
Die geht ungefähr so:
„Baby, you can drive my car. Yes, I’m gonna be a Star. Baby, you can drive my car – and maybe I’ll love you!“

Moment! Was war das?
Das war ein Beatles-Song! Ein Song von den Beatles!
Den sie 1965 geschriebeben haben und nicht 1858!
Keiner konnte das wissen!
Das war auch keine Verwechslung mit einem Volkslied oder so!
So komponierte man einfach noch nicht!
Ich meine, „Drive My Car“ kommt mit drei Noten aus. Fast.
Und wir befinden uns in der Zeit von Liszt, Wagner oder Berlioz!

Und ich erkenne den Mann auch gleich.
Er ist 1.85 m groß und damit ein Riese hier.
Und er hat keinen Hut, ein dicker Fehler für einen Zeitreisenden!

Ich nähere mich der pfeifenden Erscheinung und sage:
„Beatles. Drive My Car!“
„Oh, auch ein Fan!“

Sagt er und strahlt mich an. Mit völlig normalen Zähnen und gepflegter Haut. Der fällt hier auf wie ein Martinshorn auf einer Beerdigung, der Anfänger!

„Wieso kennen Sie dieses Lied?“
„Weil ich ein Beatles-Fan bin. Klassische Musik war mein Wahlfach.“

„Klassische Musik? Das ist doch Popmusik!“
„Moment, woher kennen Sie denn die Beatles? Und warum sind Sie als Mann verkleidet?“

„Sie kommen nicht aus der Gegend hier, oder?“
„Doch, aus der Gegend komme ich schon…“

„Aber nicht aus dieser Zeit?“
„Sie auch nicht?“
„Sie zuerst!“
„Nein. Nein, ich komme nicht aus dieser Zeit. Und Sie, aus welcher Zeit kommen Sie?“

„2018. Und Sie?“
„2181. Aber, Moment, 2018 gab es doch noch keine Zeitreisen!“
„Heißt das, die sind 2181 eine Selbstverständlichkeit?“

„Nein, sind schon eine teure Sache. Und man muss ein ewiges Training machen. Aber sie sind keine Geheimwissenschaft mehr. Wer sind Sie, wenn ich fragen darf?“
„Hier bin ich William. Aber eigentlich heiße ich Lilly. Lilly Barlow.“
„Ach, Quatsch! Sie verarschen mich!“
„Nein. Was? Wieso das denn?“

„Das ist ja die dämlichste Lüge, die sich ein Zeitreisender ausdenken kann! Bei einer unendlichen Zahl an Zeitlinien ist die Wahrscheinlichkeit überhaupt einem anderen Zeitreisenden zu begegnen, schon minimal genug, aber ausgerechnet Lilly Barlow!“

„Wieso? Ähhh, was soll das?“
„Was… Soll das… Moment mal. Sie sind wirklich DIE Lilly Barlow? Dr. Lilly Barlow?“
„Doktor bin ich nicht, aber Lilly Barlow bin ich schon… ja.“

„Oh, mein Gott! Sie sind es wirklich! Wissen Sie, dass Sie die Welt für immer verändert…. Na ja, ihre Erfindung die Welt für immer verändert hat?
Und, keiner wusste jemals, wo Sie selber waren.
Aber ihre Zeitmaschine hat alles verändert!
Sie sind das größte Genie der Wissenschaftsgeschichte!“

„Das ist ja wohl etwas übertrieben. Tachyonen nachweisen ist wirklich kein große Sache, das geht mit jeder Küchenwaage!“
„Na, das ist ja das Geniale!“

„So genial bin ich nicht. Ich bin hierher gereist ohne eine Idee zu haben, wie ich wieder zurück komme. Das ist wohl eher dumm als genial, oder?“
„Was? Wirklich? Aber das ist kein Problem. Ich werde in einer Stunde abgeholt, keine 2 km von hier entfernt ist der Platz – Sie können gerne mitkommen!
Im Jahr 2181 wären Sie die Sensation!“

„So, so… “
„Die Wissenschaftlerin, die nicht nur den Klimawandel aufgehalten hat und alle Energieprobleme gelöst hat, sondern mit deren Erfindung wir auch das Weltall kolonisiert haben. Denn, wer die Zeit im Griff hat, der beherrscht auch den Raum!“

Ambient: Victorian Background OFF

Na ja. Das ist der Stand der Dinge. Und so stehe ich hier, stecke die Nase in mein Lavendel-Taschentuch und bin in der absolut schwierigsten Situation meines Lebens. Was soll ich bloß machen?

60.000 Tage in der Vergangenheit weiterleben. Also hier. Mit stinky Percy und Charles Dickens, aber ohne Plastik oder 60.000 Tage in der Zukunft – von der ich einfach überhaupt mal so gar keine Ahnung habe?

Charles Dickens und Scheisse und als Mann vekleidet für den Rest meines Lebens oder weltberühmt, aber wahrscheinlich ein Ausstellungsstück in einer Welt, in der ich mich wahrscheinlich nie mehr zurechtfinden werde..?

Was würdet ihr machen?