Die schönste Blume

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Heute erzählt eine weise Frau den Kindern die Geschichte, warum alles ist, wie es ist und wie alles seinen Anfang nahm. Diese Schöpfungsgeschichte berichtet von der Entstehung des Universums, des Lebens auf der Erde, den drei ersten Menschen und auch, warum die Rose die schönste aller Blumen ist. Also aufgepasst und mitgedacht! 😉


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Download der Sendung hier.

Musiktitel: „Roses“ von Big Charlie / CC BY-SA 3.0

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Die Geschichte zum Lesen

Kinder, setzt euch bitte. Ihr seid jetzt alt genug, um unsere Welt zu verstehen. Es ist jetzt an der Zeit, dass ihr erfahrt, warum wir hier leben und wie alles seinen Anfang nahm. Ich erzähle euch heute die Geschichte von der Schöpfung der Welt und den drei ersten Menschen und der schönsten aller Blumen.

Als die Allmutter den Raum mit dem Faden der Zeit zu einem Welt-All verwoben hatte, befand sie, dass ihre Schöpfung zu leer war. Sie rieb ihre Hände gegeneinander, bis sie Funken versprühten, die das Weltall füllten. Und jeder Funken wurde eine Sonne.

Dann gebar sie 7000 fühlende Geister an jedem Tag für 7000 Jahre. Und sie gab jedem ihrer Wesen einen eigenen Namen und warf sie mit beiden Händen, so dass sie sich über das Weltall verteilten.

Eines dieser Wesen war Ea und sie ließ sich auf unserem Planeten nieder und begann sie mit dem Leben der Allmutter zu füllen, bis die Erde zu atmen begann.

Und Ea selber gebar 7000 fühlende Wesen an jedem Tag für 7000 Jahre. Und sie gab jedem Wesen einen eigenen Namen und warf sie mit beiden Händen über den Planeten, so dass sie sich darauf verteilten.

Die höchsten Höhen der Lüfte und die tiefsten Tiefen der See waren erfüllt von ihren Wesen und waren alle ein Teil von Ea, genau wie sie ein Teil der Allmutter war.

Und die Erde schenkte mit jedem Atemzug jedem fühlenden Wesen 7000 Nachkommen, bis es keinen Platz mehr gab, der nicht mehr Ea war und nicht mehr Allmutter. So ward unsere Welt geschaffen.

In einer besonders dunklen Nacht nun trafen sich die ersten drei Menschen in einem besonders dunklen Wald, doch sie kannten keine Angst.

Die erste war eine alte, erfahrene Frau mit grauen Haaren und sehnigen Fingern. Die zweite war eine starke Mutter mit kurzen Stoppeln auf dem Kopf und harten Muskeln. Und die dritte war ein Mädchen mit einem großzügigen Herzen.

Die Nacht war sehr dunkel, also flocht die alte Frau eine Decke aus Edelsteinen und warf sie hoch über die Köpfe der Drei. Und die Edelsteine wurden zu kleinen Geschwistern der Sonne und erfüllten den Ort mit Licht.

Und die Nacht war sehr kalt, also berührte das Kind den Boden und aus dem Boden wuchsen Bäume und die Bäume schufen aus ihren Ästen für die drei Schwestern die Mutter aller Häuser.

Und die Schwestern litten an Hunger, also schoss die Mutter einen Pfeil durch das Auge des weißen Bären und sie hatten zu essen, bis sie alle satt waren.

Als sie nun alle gegessen hatten, nahmen sie sich das Fell des Bären als Lagerstatt im ersten Haus und schliefen tief und fest und beschützt.

Während sie schliefen, besuchte der Tod das Haus und betrachtete das Werk der drei ersten Menschen voller Angst. Und er pflanzte in die Wände des Hauses eine Dorne.

Jeden Tag bauten die Alte, die Mutter und das Mädchen am Haus, um es schöner und robuster zu machen.

Die alte Frau flüsterte den Bergen zu: „Wir brauchen Stein, um uns vor den Ungeheuern zu schützen.“ Und die Berge hörten die alte Frau und öffneten ihre Höhlen, um mit ihr die Schätze der Erde freiwillig und großzügig zu teilen. Und sie nahm sich Lehm und Stein und Edelsteine und baute die Mutter aller Mauern.

„Wir brauchen mehr zu essen, um durch den Winter zu kommen!“, meinte die Mutter und lenkte ihre Pfeile in manches wilde Tier. Und sie baute im ersten Haus die Mutter aller Feuerstellen und einen Abzug und sie hängte das Fleisch zwischen das Feuer und den Abzug, so dass es geräuchert wurde.

Und das Kind des Waldes flüsterte den Bäumen zu: „Wir brauchen Menschen, mit denen wir teilen können!“. Und die Bäume gaben den Weg frei für die Mutter aller Straßen, die direkt zu dem Haus führte und alle Menschen kannten ihren Weg.

Und so wuchs das Haus und wurde zur Burg. Und die Drei wurden zu Anführerinnen der Menschen. Ihr Reich gedieh und die Menschen lebten in Frieden und Harmonie miteinander. Weder kannte man Zwietracht oder Krieg, noch empfanden Menschen Neid oder Eifersucht. Alle Menschen waren Teil der Menschheit, so wie alle Wesen Teil von Ea sind, die ein Teil der Allmutter ist.

Doch mit dem Haus war auch die Dorne gewachsen zu einem Teil der Burg und zu einem Teil der Menschheit. Mit der Dorne wuchs auch die Angst.

Die Alte und die Mutter und das Mädchen wurden einander überdrüssig und es kam zum ersten Streit. Immer lauter redeten die Drei miteinander, so dass die Mauern der Burg erzitterten und die Häuser der Menschen.

Die Menschen waren ratlos, was über sie gekommen war und wurden von der Angst angesteckt. Sie versteckten sich und ihre Kinder in ihren Häusern.

Bei diesem Streit schrie die Mutter der Alten ins Gesicht: „Eine Hexe bist Du, dass Du so alt bist und trotzdem so stark, dass die Steine sich Deinem Willen beugen!“

Und so nahm die Alte ihre Schätze und brach auf in den Osten. Die Berge empfingen sie wie die Königin, die sie war und verschlossen hinter ihr die Höhlen, um die Schätze der Erde niemals zu teilen. Seit diesem Tag müssen die Menschen die Erde verletzen, um an ihre Schätze zu kommen. Sie mussten den Pflug erfinden und den Pickel und die Schaufel.

Doch der Streit war nicht beendet und es war an dem Mädchen, die Mutter zu verfluchen. „Was für eine Mutter bist Du, die nur das Jagen kennt! Du bringst den Kreaturen meines Waldes nur Sterben!“

Und die Mutter nahm den Bogen und brach auf in den Westen. Der Wald empfing sie wie die Königin, die sie war und verschloss hinter ihr alle Straßen, die jemals zu dem Haus der drei ersten Menschen geführt hatten. Seit diesem Tag wissen die Menschen ihren Weg nicht ohne Hilfe. Sie brauchen Karten, den Stand der Sonne oder Lotsen, um zu wissen, wo sie sind.

Nun lebte das Mädchen alleine in der Burg. Die Menschen hatten aber Angst und am meisten Angst davor, was die Zukunft für sie birgt. Und so endete der Streit noch nicht. Die Menschen versammelten sich und riefen: „Du bist doch nur ein kleines Mädchen, wie willst Du uns regieren?“

Und das Mädchen nahm die Decke aus Edelsteinen und brach einen Zweig aus dem Dach des Hauses und kniete sich auf das Fell des weißen Bären. Sie küsste den Kopf des Bären und er wurde wieder lebendig.

Auf ihm ritt sie fort in den hohen Norden, bis sie weit entfernt war von allen Menschen. Und als sie sich zur Ruhe legten, wurde der Bär wieder zu einem Fell und das Fell wurde zu einer Decke aus Schnee, die alles bedeckte und alle Geräusche von Streit und Zwietracht verstummen ließ.

Und das Mädchen rammte den Zweig in die Erde und ein riesiger Birkenwald umschloss sie, so dass sie kein Mensch mehr finden konnte.

Doch zuletzt sprach ihr großes Herz zu ihr und sie nahm die Decke aus Edelsteinen und warf sie mit aller Kraft an den Himmel, so dass dieser voller Sterne war.

Die Menschen hatten sich aus Angst in ihren Hütten versteckt und der Tod nahm sich jede Nacht, wen er wollte.

Doch als das Mädchen die Decke an den Himmel geworfen hatte, war die Nacht nicht mehr mit Dunkelheit erfüllt und die Menschen erfüllte wieder Liebe zur Schöpfung und die sie verließen ihre Häuser wieder.

So musste sich der Tod in dunklen Ecken verstecken, denn er fürchtete sich vor dem Licht und er fürchtete sich vor der Liebe.

Das ist alles 7000 Generationen her. Wir Menschen lernten, ohne unsere Anführerinnen zu leben. Wir lernten, uns selber zu versorgen, ohne die Kraft der Jägerin zu haben. Und wir lernten, von den Schätzen der Erde zu leben, ohne das Wissen der alten Frau. Und wir lernten, Straßen zu bauen ohne das große Herz des Mädchens.

Jetzt, 7000 Generationen später, haben wir die Dorne aus der Mutter aller Häuser genommen und sie zur schönsten aller Blumen gezüchtet.

Manche Wanderinnen begegnen nun auf ihren Wegen dem Tod, danken ihm ohne Angst und schenken ihm eine Rose. Und der Tod verneigt sich und geht ein Stück des dunklen Weges mit ihnen, bis er sie zurück geführt hat zu Ea. Die er eines Tages selber zurück begleiten wird zur Allmutter.

Bis eines Tages alle Funken verloschen sind und der Faden der Zeit den Raum nicht mehr hält. Doch bis dahin vergehen noch einmal 7000 Generationen.

Jetzt kennt ihr die Geschichte von der Schöpfung der Welt und den drei ersten Menschen und der schönsten aller Blumen. Wenn die nächste Generation groß genug ist, dann erzählt sie weiter, Wort für Wort.


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