Der Handel mit der Teufel


Das Szenario ist altbekannt. Ein Klassiker. Unser Held Peter will nicht mehr weiterleben. Er glaubt, er hat alles verloren.

Bis auf einmal eine verführerische Frau neben ihm auftaucht und mit ihm redet. Die hat da noch ein Angebot für ihn, dass vielleicht alles ändert.

Oder eigentlich mehrere Angebote… Ist eine Frage des Vertriebs.
Hörspielfolge.


Download der Episode hier.
Musik:
Hamavdil“ von Ofri Eliaz / CC BY-SA 3.0
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Skript zur Sendung


Erzähler: Jeder kennt das Gefühl, wenn es im Leben nicht so läuft wie geplant. Machen wir uns nichts vor: Eigentlich läuft’s im Leben nie so wie geplant. Meistens wird es nicht so schlimm wie befürchtet, aber genau so oft wird es auch nicht so wie erhofft.

Und wenn dann eine Sache schief läuft, dann schließen sich andere gern an. Und dann schaut man auf sein Leben und denkt bei sich: Wie konnte das alles nur so kommen?

Das können dunkle Stunden sein. Und Peter, der Held unseres Hörspiels heute, der hat besonders dunkle Stunden hinter sich. So verzweifelt ist er, dass er beschließt, dem allen ein Ende zu setzen. Von einem Hochhaus zu springen und alles zu beenden.

An diesem Morgen hat er sich noch einmal einen Kaffee gemacht und ein Toastbrot mit Nutella gegessen. Dann in seiner Wohnung den Haupthahn zugedreht und alle Sicherungen rausgedreht. Er hat seinen besten Anzug angezogen und ist normal in die Arbeit gefahren.

Im Lift drückte er aber nicht die „Drei“ wie sonst, sondern er fuhr ganz nach oben. Und von da stieg er auf das Dach. Ein letztes Mal richtet er seine Krawatte, knöpft sein Jackett zu und schnürt sich die Schuhe ganz fest. Erst den einen, dann den anderen. Und weil sie verschieden fest gebunden waren, wiederholt er diesen Vorgang noch drei Mal.

Dann klettert er über ein Mäuerchen und steht nun auf dem Sims. Unter ihm fließt der morgendliche Berufsverkehr träge vor sich hin. Keiner nimmt ihn wahr.

HW: Oh, mein Gott, oh mein Gott, das ist aber verdammt hoch hier! Uff! Hoppla! Beinahe wäre ich ausgerutscht! Oh, mein Gott! Will ich das wirklich machen! Bei meiner Scheiß-Höhenangst! Ich könnte ja auch in der Garage, mit einem Schlauch, die Abgase. Mist, ich habe ja jetzt ein Elektro-Auto. Shit, shit, shit! Ich habe echt Scheiß-Angst!

Plötzlich kommt es direkt neben Peter zu einer Art Verpuffungsreaktion.
Eine kleine Rauchwolke steigt auf und plötzlich steht neben ihm eine teuflisch gutaussehende Frau und lächelt ihn verschwörerisch an.

FA: Na, Peter! So früh schon so blöde Ideen?
HW: Achtung, nicht näher kommen! Der Sims ist ganz uneben! Nicht, dass wir beide runterfliegen!
FA: Ooch, das ist aber nett! Du machst Dir wegen mir Sorgen! Das musst Du nicht, kleiner Peter!

HW: Woher kennen Sie überhaupt meinen Namen?
FA: Das gehört zu meinem Job. Wenn einer von euch plant, sein Leben zu beenden, dann erscheint bei uns ein Pop-Up auf dem Desktop mit den ganzen Infos. Und dann kann sich einer der Kundendienst-Mitarbeiter melden und sich kümmern.

HW: Kundendienst-Mitarbeiter?
FA: Ja. Na ja, eigentlich ist das ein Euphemismus. In Wirklichkeit sind die Zeiten auch für uns nicht mehr einfach. Jeder muss schauen, dass er seine Waren an den Mann bringt. Eigentlich ist das mittlerweile ein Vertriebsjob.

HW: Aha. Kenn‘ ich. Das ist bei uns in der Bank auch so gewesen. Wer nicht genug Versicherungen verkauft, hat kaum ein Auskommen.
FA: Genau, Peter, genau! Schön, dass wir uns da verstehen. Du warst mir gleich sympathisch!

HW: Echt, war ich?
FA: Total! Diese Gründlichkeit bei der Planung. Und diese Liebe für Details. Wie ordentlich Du Dir die Schuhe zubinden kannst!

HW: Das… das ist mir wichtig! Barbara hat immer gesagt, dass sei total zwangsneurotisch. Aber ich glaube, das hat sie nicht so böse gemeint. Die hat immer so Witzchen gemacht, die ich nie verstanden habe. Und jetzt, jetzt liegt sie mit diesem fetten Gerald im Bett und wahrscheinlich ziehen die sich schon zum dritten Mal alle Staffeln von „Game of Thrones“ rein! Und dann haben sie leidenschaftlich und stundenlang Sex! (Pause. Heult) Meine Barbara!
FA: Aber Peterchen! Das ist doch kein Grund zu weinen! Die weiß Dich halt nicht zu schätzen!

HW: Aber mein Geld, dass hat sie zu schätzen gewusst! So ein regelmäßiger Bankjob, das hat ihr gefallen! Wer weiß, wie lange das schon geht mit diesem Fantasy-Freak! Wer läuft denn als erwachsener Mensch mit einem Drachen-Tattoo durch die Gegend!
FA: Aber so eine Frau ist doch kein Grund, sich umzubringen!

HW: Das ist ja auch bei weitem nicht alles! Wenn’s nur das wäre! Aber mein ganzes Leben liegt in Trümmern! Alles weg!
FA: Du schaust aber eigentlich ganz gesund aus…

HW: Meinen Job habe ich auch verloren! Ich bin rausgeworfen worden wie ein Hund! Nach 13 Jahren! Erst am Schalter und dann, seit drei Jahren, endlich im Büro. Anlageberatung! Wer hätte auch denken können, dass das mit den Scheiß-Bitcoins nur eine Blase ist!
FA: Bitcoins?

HW: Ja, die blöden Bitcoins! Ich habe praktisch die Guthaben aller Sparer in Bitcoins angelegt. Und dann sind die plötzlich im Kurs gefallen. Von 30.000 Dollar auf 15 Cent. Wer hätte das ahnen können? Ich wollte doch nur das Beste für unsere Kunden!
FA: Das ist doch nur ein kleiner Fehler, oder? Dass die das nicht verzeihen können? Nach 13 Jahren!

HW: Genau! Ich meine, mein Erspartes ist ja auch komplett weg! Die Lebensversicherung, der Bausparer und das Guthaben auf dem Konto – das habe ich auch alles eingesetzt. Kann doch keiner behaupten, dass ich nicht an diese Idee geglaubt habe, oder?
FA: Ich kenne das, Peter, ich kenne das. Ein kleiner Fehler und schon wird man zur Sau gemacht. Ich zum Beispiel war eine der besten Succubi, die die Hölle überhaupt hatte. Und dann bin ich mit den verschiedenen Kontrakten irgendwie durcheinander gekommen. Und mein Kunde, der eigentlich schon längst im Fegefeuer schmoren sollte, ist jetzt halt aufgrund eines „kleinen Versehens“ der Präsident von Amerika. Ich meine, wer weiß, wofür das gut ist? Hm? Könnte doch eine tolle Entwicklung für das Höllenbusiness sein?

HW: Eben! Mein Fehler ging ja auch in ganz Deutschland durch die Presse! Wieviele Leute ich davon abgehalten habe, ihr Geld in Bitcoins zu investieren! Das ist vielleicht… Moment… Hölle? Sie sind aus der Hölle?
FA: Ja, habe ich mich nicht vorgestellt? Sorry. Angenehm, Beletha, Herrin von drei Legionen Dämoninnen. Na ja, früher halt…

HW: Nicht die Hände schütteln! Das ist ein Trick! Kenne ich doch! Ich geb‘ Dir die Hand und Du ziehst mich wieder auf’s Dach! Geh weg! Weiche, Satanas!

FA: Ok., ok., ok.! Keine Panik! Null Problemo!
FA: Dann bleiben wir einfach beim Protokoll. Solche Verkaufsgespräche musste ich ja höllisch oft üben. Also. Peter, hast Du sonst noch Sorgen?

HW: Ha! Das ist eine nette Frage! Ob ich sonst noch Sorgen habe? Sehr nett, Frau Teufel! Ich habe keinen Pfenning Geld mehr, kann meine Raten nicht zahlen und werde die Wohnung verlieren, meine Katze ist seit drei Wochen unauffindbar und ich habe so seltsame Knötchen unter der Achsel – ich brauche gar nicht zum Arzt gehen, ich weiß auch so, dass das Krebs ist!

FA: Ok. Wir hätten also: Freundin zurückholen, Job wiederkriegen, Konto auffüllen, Katze finden und Dich vom Krebs heilen.
HW: Ha! Das wäre ja ein Wunder! Was redest Du da? Kannst Du das wirklich?

FA: Klar kann ich das! Ich bin die Teufel, vergessen? War das eigentlich schon alles?
HW: Äh. Na ja… Wenn wir schon dabei sind, ich würde auch gerne im Bett…
FA: Sprich Dich nur aus, Peter, wir sind ganz unter uns. Was in der Hölle geschieht, bleibt in der Hölle!

HW: Na ja, ich würde gerne länger können. Verstehst Du, was ich meine? Ich glaube, Barbara war immer ein bisschen enttäuscht. Also, so von meiner… sagen wir…
FA: Ausdauer. Sagen wir Ausdauer. Gut, Potenz ist auch auf der Liste. Das alles kann ich Dir geben, Peter! Aber ich will natürlich auch etwas von Dir. Ist ja ein Vertriebsjob, wie gesagt. Wir haben viele Produkte mittlerweile, aber unsere Produkte haben auch ihren Preis.

HW: Klar. Kein Problem. Ist ja nur fair. Was kostet mich denn der ganze Spaß dann?
FA: Peter, Du willst Deine Freundin wieder und Deinen Job, willst Dein Erspartes zurück und Deine Katze, völlig gesund sein und auch noch potent wie ein junger Stier! Willst Du das, Peter?

HW: Ja. Das wäre wirklich eine feine Sache!
FA: Dann antworte mit mit: Ja, Beletha, Herrin der Legionen, das ist mein Wunsch!
HW: Also gut. Ja, Belethra…
FA: Beletha…
HW: Ja, Beletha, Herrin der Legionen, das ist mein Wunsch.

FA: Gut, macht genau 18,99
(Pause)
HW: Wie bitte?
FA: Macht 18,99. In Bar. Keine Karte.
HW: Im Ernst?
FA: Schaue ich aus, als ob ich Witze mache?
HW: Gut, gut, gut, warte. Ein Moment… Äh, können wir schnell auf die andere Seite der Mauer klettern? Nicht, dass es mich jetzt noch runterhaut…
FA: Kein Problem.

HW: Also gut, hier! Zwanzig Euro! Der Rest ist für Dich!
FA: Ha ha ha! Der Handel ist perfekt!

(Pause)

FA: Geh‘ ran! Das ist für Dich!

HW: (Telefon) Untersberger. Hallo? Wer? Du bist es, Barbara! Lange nichts… Was? Doch, doch. Nein. Keine Angst, auf jeden Fall will ich Dich zurück. Ja. Hm. Das wußte ich doch, dass der nur ein Aufschneider ist. Du, was Anderes, was schnurrt denn da im Hintergrund? Nein! Wirklich? Ja, wo war er denn der Racker? Na, prima! Wie? Was ist noch? Der Chef hat angerufen? Echt? Wie? Und eine Gehaltserhöhung auch noch? Nein! Das ist ja ein Wunder! Ob ich heimkomme? Na klar komme ich heim! Ja, ich habe Dich auch vermisst! Ja, ich hab‘ auch total Bock! Und ob! Da habe ich dann auch noch eine Überraschung für Dich in petto. Glaube ich.

HW: (Zu FA) Oder, stimmt doch?
FA: (flüstert) Ganz sicher, Peter! Das wird toller Sex!
HW: Bin gleich da! Ja, ich Dich auch! Nein, ich Dich. Nein, ich Dich! Bussi! Nein, Doppelbussi! Dreifachbussi! Bis gleich, Schatz!

(Pause)

HW: Das ist ja wirklich unglaublich! Danke! Du hast mir nicht nur das Leben gerettet, sondern… Ich finde gar keine Worte… Darf man Teufel in den Arm nehmen?
FA: Davon! …würde ich lieber Abstand nehmen.
HW: O.k. Auch kein Problem. So, jetzt hast Du mir geholfen, jetzt helfe ich Dir. Was hast Du denn sonst noch für Angebote!

FA: Gut, dass Du fragst, Peter! Ich habe für Dich tatsächlich noch teuflisch gute Angebote! (lacht) Schau! Hier

HW: Was ist das? Eine DVD-Box?
FA: Ja! Das ist die Silber-Box mit allen Louis de Funés-Filmen! Im Handel schon längst vergriffen! Exklusiv nur bei mir!
HW: Nein!
FA: Doch!
HW: Nein!
FA: Doch!
HW: Nein!
FA: Doch! Alle Klassiker sind da drinnen. Digital Remastered! Fantomas, Rabbi Jacob, Brust oder Keule, Der Trockenschwimmer und die ganzen St-Tropez-Filme.

HW: Ah ja. Du, ich bin ja eigentlich nicht so ein…
FA: Hab‘ ich auch schon dem Pastewka verkauft, der war überglücklich!
HW: Na gut!

FA: Ich wusste, dass Du das brauchst! Du willst das, oder?
HW: Klar! Hau her! Eine Hand wäscht die andere!

FA: Halt! Wir müssen uns ans Protokoll halten. Sprich: Ja, Beletha, Herrin der Legionen, das ist mein Wunsch!
HW: Also gut. Ja, Belethra…
FA: Beletha…
HW: Ja, Beletha, Herrin der Legionen, das ist mein Wunsch.

FA: Gut, Peter, aber wenn Du das willst, dann hat das natürlich seinen Preis!
HW: Das habe ich mir schon gedacht. Was willst Du denn dafür?
FA: Ich will…  Ich. Will. Deine. Unsterbliche. Seele!

HW: Ach. Na dann. Kein Interesse. Tut mir leid!
FA: Was?
HW: Das ist nichts für mich, sorry.
(Pause)
HW: Ich muss dann mal weiter! O.k?

FA: (grüblerisch) Moment…
HW: Und tschüssikowski! War nett, Dich kennengelernt zu haben!
FA: Moment, warte! Mir ist da..
FA: Hey, Peter! Warte! Ich habe da einen kleinen…
FA: Peter! Das kannst Du doch nicht machen…

FA: (leise. fade out) Mist. Ich hab‘ schon wieder die Kontrakte verwechselt. So eine verdammte Scheiße! Der Boss wird mich so zur Schnecke machen. Das hätte nicht passieren sollen. Aber was soll man auch machen, immer dieser popelige Merchandise. (höhnisch) „Beletha, verkauf T-Shirts! Beletha, verkauf‘ Tassen! Beletha, weise die Leute auf Patreon hin! Beletha, nimm keine Hundert-Euro-Scheine mehr an!“ Meine Fresse, wie der Job runtergekommen ist! Das waren noch Zeiten, die Kreuzzüge! Da war man noch wer! Und jetzt? Darf ich die Menschen anbetteln! Das waren wirklich ganz prima kleine Affen, da müssen die beiden Trottel denen Seelen geben und die ganze Zeit so eine Show abziehen! Wie kann man unendlich alt sein und trotzdem sich wie ein Klein-Kind aufführen…