Der Dyson-Junck-Antrieb


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So ein Hörspiel wollte ich schon immer mal schreiben! Es kommt eine junge FBI-Agentin vor, so wie Jodie Foster in „Schweigen der Lämmer“, und ein deutscher Raketenforscher und absichtliches Aneinander-Vorbeireden und viele Fakten über Raketenantriebe und dann, am Ende, gibt es ein Wendung.

Ach, hab‘ ich schon erzählt, dass es in den Achtzigern spielt? Nicht? Dabei macht es DAS erst so richtig cool!


Download der Sendung hier.
Musiktitel: „In The 80’s“ von Rhett & Link


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Die Geschichte zum Lesen

HW: Dass jetzt Frauen auch FBI-Agenten sind, daran werde ich mich nicht so schnell gewöhnen.
FA: Ist Ihr Name Junck, Sir?
HW: Ich meine, Frauen machen mittlerweile ja jeden Job den Männer auch machen, oder? Na ja, die richtigen Drecksarbeiten vielleicht nicht. Arbeiten Frauen auf Bohrinseln, Agent?

FA: Ist ihr Name Bernhard Junck? Geboren 1925 in Weimar?
HW: Oder in der Kanalisation? Arbeiten Frauen in der Kanalisation? Ich frage auch nicht, weil ich etwas gegen Emanzipation hätte oder gegen Frauenrechte. Ich frage aus reiner Neugier, müssen Sie wissen!
FA: Sind Sie der Professor Dr. Junck, der bis 1972 mit Wernher von Braun für die NASA gearbeitet hat und dann für das Space Nuclear Propulsion Office?

HW: Denn, wissen Sie, ich lehne den Großteil der modernen Medien ab. Das Fernsehen ist in meinen Augen ein Mittel des Staats, um die Menschen gezielt abzulenken und zu verblöden. Sind Sie beim FBI da eigentlich anderer Meinung, Miss, oder entwickelt ihr so Schwachsinn wie A-Team vielleicht sogar?
FA: Ich muss Sie bitten, mir Ihre Identität zu bestätigen, bevor ich auf irgendeine Ihrer Fragen antworten werde, Mister.

HW: Sie sind mit drei schwarzen Limousinen mit getönten Scheiben hierher in das Hinterland von Idaho gefahren und wurden als attraktivste und schlaueste Agentin an meine Tür geschickt, wie ich vermute, und jetzt muss ich Ihnen meine Identität bestätigen? Im Ernst? Haben Sie und die Kollegen den Verdacht, dass Sie sich vielleicht verfahren haben? Ist es das? Wollen Sie wissen, wie man von hier zu diesem Herrn Junck kommt?
FA: Sir, nein, Sir. Wir wissen, dass Sie eben dieser Herr Junck sind. Aber wir brauchen Ihre Identität, um Ihnen die nötige Clearance zu geben, die jene Fragen haben, die Ihnen die Agentur und die Regierung der Vereinigten Staaten gerne stellen wollen würden.

HW: Sie erinnern mich irgendwie an das blonde Bond-Girl in diesem unsäglichen 007-Streifen, den ich vor kurzem gesehen habe. Eine Schande, was aus Bond geworden ist – dabei wäre Christopher Walken kein schlechter Bösewicht…
FA: Sir, könnten Sie mir soweit entgegenkommen, dass Sie mir irgendein Dokument zeigen könnten, dass Ihre Identität belegt?

HW: Sie müssen wissen, ins Kino gehe ich auch nicht oft. Denn Kino ist ja die pure Propaganda. Es ist ganz schön ekelhaft von hier draußen zu beobachten, wie ihr die Bevölkerung so langsam auf den Krieg vorbereitet, den ihr da plant. Ich meine, plumper geht es ja kaum noch! Rambo III ist von euch direkt finanziert, oder?
FA: Sir, die Alternative ist, dass wir sie festnehmen und nach Langley fahren und dort die nötige Unterhaltung mit Ihnen führen. Darauf sind wir durchaus auch vorbereitet, Sir.

HW: Wann wollt ihr eigentlich losschlagen und die Russen wegbomben? Nächstes Jahr? Oder erst 1988?
FA: Mr. Junck, das ist meine letzte Aufforderung. Danach werde ich meine Kollegen bitten, Sie zum Auto zu führen oder notfalls zu tragen.
HW: Sehen Sie? So moderne Zeiten, aber die Drecksarbeit, einen uralten Forscher durch die Gegend zu tragen, die müssen immer noch Männer erledigen!
FA: Gut. Sie haben es so gewollt!

HW: Miss, wir könnten uns ganz anders unterhalten, wenn Sie nur in der Lage wären, sich an die einfachsten Formen der zwischenmenschlichen Kommunikation zu halten. Ich verstehe wirklich nicht, wie Manieren und Kultur in den Staaten so schnell degenerieren konnten!
FA: Was meinen Sie, Sir?
HW: Sie kommen hier auf mein Grundstück gefahren, mit drei Limousinen, steigen aus, klettern auf meine Terrasse und pöbeln mich an, ich müsste Ihnen meinen Namen sagen. Halten Sie das für höflich?
FA: Standardverfahren, Sir!

HW: Oh, mein Gott! Irgendwann habt ihr Amerikaner es mit jeder einzelnen Nation auf der Welt auf Dauer verspielt, wisst ihr das? Dieser kalte Krieg geht vielleicht einmal vorbei und wenn ihr es nicht schafft, vorher wieder einen heißen Krieg anzufangen, dann wird die Welt vielleicht bemerken, dass ihr einfach nur die größten Angeber der Geschichte seid!
FA: Gut. Sir, ich werde jetzt meine Kollegen holen!
HW: Mein Gott, Agent, jetzt stellen Sie sich doch nicht so an! Was könnten den die Höflichkeitsformeln von – sagen wir einmal allen Zivilisationen außer der amerikanischen – so vorsehen, wenn man uneingeladen das Grundstück eines anderen betritt? Hm? Kann doch nicht so schwer sein, Frau Agent!
FA: Dass man sich vorstellt?

HW: Genau! Sie sagen es! Vielleicht ist eure Angebernation doch nicht verloren!
FA: Sir, mein Name ist Agent Foster. Ich arbeite für das CIA. Wir wurden von der NASA und dem FBI zur Zusammenarbeit aufgerufen, weil wir bestimmte Daten gemeinsam auswerten wollen. Und dazu brauchen wir ihre Hilfe oder die Hilfe von jemand anderem aus dem Space Nuclear Propulsion Office.
HW: Aber die anderen sind nicht erreichbar?

FA: Oder nicht zur Kooperation bereit, so wie Sie.
HW: Moment, wer hat gesagt, ich bin nicht zur Kooperation bereit? Haben Sie schon mit Freeman gesprochen?
FA: Ja, Sir.
HW: Na gut, wissen Sie was, Agent Foster, nehmen Sie erst einmal Platz.

FA: Sir, ich bräuchte trotzdem ein Dokument zur Identifikation.
HW: Moment, ich komme gleich wieder. Wollen Sie einen Drink.
FA: Ein Glas Wasser wäre mir recht.
HW: Und für die Agenten im Auto?
FA: In den Wägen sind Kühlschränke integriert.
HW: Gut, gut. Ich komme gleich wieder!

HW: So, hier hätten wir also: Einmal ein Glas Wasser und meine Department of Defense Identification Card. Ich hoffe, das reicht Ihnen.
FA: Ja, Sir, das ist mehr als genug.
HW: So, dann können wir ja über Ihr Anliegen reden. Sie haben Daten, die Sie nicht lesen können?
FA: Genau, Sir.
HW: Und Freeman Dyson hat euch nicht geholfen?

FA: Sir, er hat die Daten gesehen und sehr lange, sehr viel gelacht. Wir sollten bei den Russen anrufen, hat er vorgeschlagen. Das war alles.
HW: So, so.
FA: Sir, Sie haben damals mit Mr. Dyson für das Verteidigungsministerium und die NASA an atomaren Raketenantrieben gearbeitet. Ist das richtig, Sir?

HW: Das ist richtig. Man muss aber sagen, dass die Grundidee von Freeman ist. Ich war nur der Chefdesigner.
FA: Mit dem von Ihnen entwickelten Triebwerk ist es möglich, im Weltall sehr hohe Geschwindigkeiten zu erreichen und das Sternensystem zu bereisen oder zu besiedeln.
HW: Ja. Im Prinzip ist das mit jedem Triebwerk möglich. Aber atomare Antriebe sind halt sehr praktisch.
FA: Warum, Sir?

HW: Na ja, bei klassischen Propulsionstriebwerken brauchen Sie viel Brennstoff, den Sie sie hinter sich werfen können, wenn Sie verstehen, was ich meine. Bei unserem Konzept zündet man einfach immer wieder kleine Atombomben und lässt sich von deren Explosion durch den Weltraum ziehen.
FA: Wie beim Medusa-Antrieb der Briten?
HW: Sie sind gut vorbereitet. Aber wir waren noch einmal um einige Faktoren schneller.
FA: Aber der Dyson/Junck-Antrieb wurde nie realisiert?

HW: Nein. In den Sechzigern waren die Russen ja noch im interstellaren Wettlauf. Die ersten Konzepte für atomare Raketenantriebe stammen aus Russland, aber der Vertrag über das Verbot von Kernwaffenversuchen in der Atmosphäre, im Weltraum und unter Wasser beendete alle diese Forschungsobjekte.
FA: Obwohl die prinzipielle Machbarkeit belegt war.

HW: Ich bin mir sicher, sowohl bei den Russen als auch bei euch Amerikanern liegen Pläne aus dieser Zeit in den Schubladen, die man schnell herausholen kann, wenn ein Asteroid auf die Erde zufliegt.
FA: Nun. Was soll ich sagen. Wir denken, die Russen haben diese Pläne in die Tat umgesetzt.
HW: Wie bitte?

FA: Ja, Sir. Die Briten haben es mit dem Lovell-Teleskop als erste erfasst, aber mittlerweile haben wir eine Bestätigung aus eigenen Quellen. In Jupiternähe ist ein Objekt aufgetaucht, dessen Strahlungsmuster genau einem Dyson/Junck-Antrieb entspricht.
HW: Das kann ja überhaupt nicht sein. Sie wissen, dass wir über die ersten Experimente nicht hinaus gekommen sind.
FA: Ja,. wir wissen das. Wir wissen weiterhin, dass sowohl Sie als auch Freeman Dyson sehr überzeugt waren von ihrer Arbeit …

HW: Aber natürlich! Unser Antrieb ist der einzige Weg zu den Sternen! Das war in den Siebzigern so, das ist jetzt, in den Achtzigern, immer noch so! Und wenn wir nicht die Kernfusion hinbekommen, dann wird das auch noch lange so bleiben. Das kann ich Ihnen jederzeit auf einem Blatt Papier vorrechnen!
FA: Und dass sie beide sehr enttäuscht waren, als die Weltraumprogramme 1972 zusammen gekürzt worden sind.

HW: Na ja, jetzt habt ihr ja den Ronald Reagan und sein Star Wars, da wird der Weltraum wieder interessant, oder?
FA: Sir, darüber kann ich Ihnen keine Informationen geben.
HW: Oops! Da habe ich eine empfindliche Stelle getroffen, scheint mir.
FA: Sir, könnten Sie sich vorstellen, dass Mr. Dyson sein Wissen mit russischen Forschern geteilt …
HW: Nein. Niemals. Sie müssen wissen, das hätte es auf russischer Seite nicht einmal kompetente Ansprechpartner gegeben. Michailow und Kurchatow und Sacharow waren ja beide nicht mehr da und Geld für Experimente haben die Sowjets ja auch nicht mehr.

FA: Ihrer Meinung ist es unmöglich, dass es sich bei den Signalen um ein russisches Raumschiff handeln kann?
HW: Das habe ich nicht gesagt. Denn außer den Russen kommt kaum jemand in Frage, oder? Die eigentliche Leistung ist ja nicht einmal, so ein Raumschiff zu bauen, sondern die Entwicklung geheim zu halten. Denn jeder Start und jede Landung würde sehr leicht lesbare, radioaktive Spuren hinterlassen, wenn Sie wissen, was ich meine.
FA: Wären Sie bereit, für die Regierung der Vereinigten Staaten einen Blick in die Daten zu werfen?

HW: Natürlich!
FA: Würden Sie dann bitte vorher hier unterschreiben?
HW: Sicher.
FA: Und hier.
HW: Gut.
FA: Und zuletzt hier.
HW: Schön.
FA: Dann hier die Ausdrucke. Brauchen Sie lange, bevor Sie ein erstes Urteil abgeben können?

HW: Was? Nein, nein! Das erste Urteil geht ganz schnell. Zum Beispiel schauen diese Werte schon einmal ziemlich ähnlich aus wie von einem TRIGA-Reaktor. Ein Pulsmodell auf jeden Fall, wie bei uns und Medusa auch.
FA: Also handelt es sich um ein Dyson/Junck-Triebwerk?
HW: Wie bitte? Oh, nein! Das kann man so nicht sagen. So eine Mark-II-Reaktor ist eine logische Entwicklung. Wenn Ameisen intelligent wären, würden sie etwas ganz Ähnliches bauen.

FA: Ameisen?
HW: Von mir aus auch Delfine.
FA: Was haben Delfine mit der Raumfahrt zu tun?
HW: Agentin Foster, jede Intelligenz stößt auf die gleichen Elemente wie wir. Das Periodensystem ist keine Entwicklung, sondern eine Entdeckung.
FA: Wie sie meinen.

HW: Aber? Das ist ja seltsam?
FA: Was ist seltsam?
HW: Wie viele Forscher haben sich denn diese Daten schon angeschaut?
FA: Das weiß ich nicht, Mr. Junck. Kann ich Ihnen auch nicht sagen.

HW: Und wie vielen ist schon aufgefallen, dass dieses Raumschiff immer langsamer wird?
FA: Langsamer?
HW: Warten Sie bitte einen Moment. Ich hole mir schnell mal einen Taschenrechner. Brauchen Sie vielleicht einen Schluck Whiskey?
FA: Ich? Nein.
HW: Ich nehme lieber einen mit. Einen Moment bitte.

HW: So, da wäre ich wieder. Lassen Sie mich einige Berechnungen durchführen. Ja?
FA: Was bedeutet es, dass das Raumschiff immer langsamer wird?
HW: Na ja, wenn sie im Weltall fliegen, dann haben Sie ja keine Reibung. Sie verstehen?
FA: Ja. Keinen Luftwiderstand.
HW: Im Kern ja. Also müssen Sie jede Geschwindigkeit, die sie durch Beschleunigung erreichen, auch selber durch Abbremsen wieder senken.
FA: Und?

HW: Das heißt, ein Flug zum Mars mit unserem Triebwerk beschleunigt eine Woche und bremst dann eine Woche.
FA: Und?
HW: Das heißt, aus der Flugbahn und dem Bremsvorgang kann man berechnen, wo das Raumschiff losgeflogen ist.
FA: Und?

HW: Tja. Ich weiß jetzt auf jeden Fall, warum Freeman so lachen musste. Und ich denke, die Regierung der Vereinigten Staaten sollte es sich noch einmal überlegen, nächstes Jahr die Sowjetunion anzugreifen, wie euer Präsident das plant.
FA: Wieso?

HW: Agent Foster, jeder Astrophysiker mit einem Taschenrechner kann Ihnen ausrechnen, dass dieses Raumschiff gerade abbremst auf seinem Flug zur Erde. Und dass es von Alpha Centauri kommt. Unserem Nachbarsystem. In nicht einmal einer Woche klingeln die Außerirdischen an unserer Haustür!

FA: Herr Junck, vielen Dank für diese Information. Sie bestätigen unsere Theorie. Wir müssten Sie jetzt aber doch bitten, Ihre Sachen zu packen.
HW: Kein Problem. Mache ich dann gleich. Will die Regierung das alles geheimhalten, Agent Foster?
FA: Dazu kann ich Ihnen keine Auskunft geben, Mr. Junck. Aber sie werden Mr. Dyson, Mr. Sacharow und Mr. Kurchatov noch heute wiedersehen, soviel kann ich Ihnen schon jetzt versprechen!


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