Das Wau-Quiz


Man kann Hunde mögen oder nicht. Aber jeder hat trotzdem zusätzlich Vorurteile gegenüber bestimmten Hunderassen. Keiner hält Columbos Basset für einen Killer oder einen Dobermann für ein Schoßhündchen.

Die Merkmalsvielfalt, die wir durch Zucht bei Hunden erreicht haben, ist größer als bei allen anderen Haustieren. Egal ob Mops, Chihuahua oder Bernhardiner oder Malamut – alle Hunde stammen von Wölfen ab.

Darum kann man Hunde auch am Bellen erkennen. Oder vielleicht doch nicht? Heute also versuchen wir das im Wau-Quiz. Und reden dabei über den Sinn von Rassezucht an und für sich.


Musik: „Woof Woof“ von TEXASRADIOFISH / CC BY-SA 3.0
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Chihuahua
Chihuahuas gelten als lebhaft, wachsam, ruhelos und sehr mutig. Größenwahnsinnig trifft vielleicht auch zu. Von allen Zuchthunden sind sie die kleinsten. Es heißt, sie wären einst Opferhunde der Azteken gewesen. Und es heißt, es gäbe eine genauso kleine Hunderasse, eben in der Provinz Chihuahua sogar wild. Die werden so vier Pfund schwer und leiden oft an Atem- oder Zahnproblemen wegen der kleinen Schnauze. Und weil man sie – Kindchenschema – auf große Augen hin züchtet, sind sie auch lichtempfindlich

Deutscher Schäferhund
Den gibt es offiziell als Rassestandard erst seit 1891. Dann wurde er sehr schnell zum Modehund, obwohl er natürlich eigentlich immer noch ein Hütehund war. Viele Züchter behaupten, dass absichtlich immer wieder Wölfe eingekreuzt wurden, aber genetisch läßt sich das nicht belegen. Weil die Hinterläufe immer niederer gezüchtet wurden, bekommen fast alle Tiere eine Hüftdysplasie. Im Vergleich zu anderen Rassen gleicher Größe stirbt er recht schnell, die meisten Hunde werden nicht einmal acht Jahre alt.

Shi Tzu
Shi Tzu ist chinesisch und heißt „Löwe“. Diese Rasse gibt es in China angeblich schon seit dem achten Jahrhundert. Und sie wurde – nächste Legende – extra so gezüchtet, weil Buddha himself angeblich einen Hund hatte, der sich auf Befehl in einen Löwen verwandeln konnte. Das ist eine der Rassen, wo man ständig das Fell pflegen muss, sonst würde das auch so lange wachsen, dass das Tier nicht mehr laufen kann. Kleine Schnauze hat er, brachycephal heißt das, und damit die gleichen Probleme beim Atmen wie Möpse oder viele Bulldoggen. Die Atemwege sind zu klein für die Größe des Tieres.

Schnauzer
Das ist jetzt vom Fell her wieder ein eher pflegeleichter Kandidat. Eine ältere Hunderasse, die ursprünglich als Rattler gezüchtet wurden. Den Hof also von Ratten, Mardern und Mäusen freigehalten haben. Bis vor hundert Jahren ein eigentlich sehr gesunder Hund, bis man auch bei ihm begann, auf fallenden Rücken zu züchten. Darum haben die neuen Riesenschnauzer die gleichen Probleme wie die Schäferhunde.

Pekinese
Wieder ein asiatischer Hund. Ein Palasthund, wie man in China sagt. Schon auf jahrhunderte alten Bildern kann man Pekinesen bestaunen. Für einen kleinen Hund bellt er eigentlich relativ wenig, aber gibt Signal, wenn er Fremde sein Revier betreten sieht. Ein kleiner Wachhund also.
Der vereint jetzt die Gesundheitsprobleme von Chihuahua und Shi Tzu und ist mittlerweile so übezüchtet, dass selbst Züchter von Qualzucht sprechen. 2012 zum Beispiel wurde bei den Crufts, der größten Hundeasusstellung der Welt, kein Pekinese ausgezeichnet, weil alle nicht gesund waren.

Husky
Der Husky ist ein Schlittenhund, wie jeder weiß. Egal ob Alaska- oder sibirischer Husky, die Zuchtmerkmale wurden in den USA entwickelt. Er kann bei Übung das Neunfache seines Körpergewichts ziehen und gilt als intelligent, cool und kinderfreundlich. Allerdings muß man ihn auch richtig behandeln. Wenn man für einen Husky nicht das Alphatierchen des Rudels ist, hat man verkackt. Huskies leiden durch die Überzüchtung sehr häufig an Zinkmangel, da genetisch bedingt der Darm kaum Zink aufnimmt. Die Haut ist dann Pilzen und Bakterien nicht mehr gewachsen. Ältere Huskies bekommen dann Dermatitis. Cortison und ähnliches läßt grüßen!

Spitz
Der Spitz ist der Hund von Witwe Bolte aus Max & Moritz. Früher ein ausgesprochen beliebter kleiner Haushund und ein mutiger Wachhund. Schlägt halt schnell an und wird deswegen für einen Kläffer gehalten. Heute völlig aus der Mode gekommen. Einzelne Spitz-Züchtungen, wie z.B. der Groß- und der Mittelspitz sind tatsächlich vom Aussterben bedroht. Will keiner mehr haben.
Dabei ist er ein folgsamer, leicht zu haltender Hund, von dem es jetzt auch keine angezüchteten Krankheitsbilder zu berichten gäbe.

Boxer
Im Mittelalter hat man bei der Jagd Hunde gezüchtet, die sich mutig mit ihren kurzen Schnauzen in Wildschweine und Bären verbissen haben und nicht mehr losgelassen haben. Das waren die ausgestorbenen Bullenbeisser. Im 19ten Jahrhunder hat man die mit Bulldoggen gekreuzt und fertig war der Boxer. 50 Jahre lang ein Lieblingsobjekt deutscher Züchter ist er mittlerweile lammfromm, familienfreundlich und seelenruhig. Aber leidet auch an allem, was so ein Zuchthund haben kann. Keine Rasse erkrankt häufiger an Mastzelltumoren oder Zahnfleischwucherungen. Hüftdysplasie oder Spondylarthosen bekommt er auch häufig und die besonder schmerzhafte OCD, wo die Gelenke nicht mehr miteinander funktionieren.

Cocker Spaniel
Ein Modehund der Siebziger. Ursprünglich als Stöberer zu Jagd gezüchtet, ist er ein auffallend fröhlicher und lebendiger Hund. Auch sehr sensibel und manchmal eigensinnig. Cocker haben manchmal eine Erbkrankheit, die nur für sie typisch ist. Die Cockerwut. Das sind völlig grundlose Attacke extremer Aggressivität bis zur kompletten Erschöpfung. Wenn schon der Spitz als Kläffer gilt, dann kann man den Cocker auf jeden Fall so bezeichnen.

Labrador
Das ist nun der Modehund von gerade jetzt. Labrador ist eine Halbinsel Kanadas und da stammt der Hund auch her. Mit Nachnamen ist er ein Retriever, also ein Hund, der Jagd-Beute findet und wieder zurückbringt. Auf deutsch ein Apportierhund. Er ist aufmerksam, geduldig, ausgeglichen und tut keiner Fliege etwas zu leide. Es sei denn unabsichtlich, denn er ist eher grobmotorisch und nicht besonder sensibel. Für einen Hund seiner Größe wird er recht alt, über 10 Jahre. Allerdings hat er auch den längsten Katalog an typischen Erkrankungen. Bis auf die Atembeschwerden alles, was wir bisher hatten. Und Labbies werden auch gerne plötzlich lahm oder blind.

Boston Terrier
Damit wir auch einen Terrier haben. Also einen Hund, der gezüchtet wurde, um Füchse oder Dachse aus ihren Höhlen zu jagen. So wie zum Beispiel unsere Dackel. Das besondere am Boston Terrier ist, dass er keiner ist. Er schaut aus wie ein Terrier, dem man den Kopf einer Bulldogge gegeben hat. Und rein von der Zucht her gesehen, stimmt das auch. Ein prima Begleithund ohne großen Jagdinstikt und nicht so nervös wie Terrier. Über spezifische Krankheiten ist dem VDH nichts bekannt. Allerdings gibt es in Deutschland gerade einmal 300 Hunde dieser Zucht.

Dobermann
Ich habe mich immer gewundert, warum Dobermänner nicht mehr so aussehen wie in meiner Kindheit. Ein Nachbar hatte drei Stück, die uns dauerhaft angekläfft und angesabbert haben. Das liegt daran, dass die Züchter denen bis 1983 die Ohren abgeschnitten haben und bis 1998 die Schwänze. Dobermann-Besitzer sagen, die sind freundlich und wollen nur spielen. Im Rassestandard steht aber wörtlich: „Gefordert werden ein mittleres Temperament und eine mittlere Schärfe.“ Mehr Schärfe als „mittel“ kennt der FCI übrigens nicht.
Dobermänner haben auch eine spezielle Krankheit, die nach ihnen benannt ist. Die „Dobermann Kardiomyopathie“ – kurz gesagt eine vererbte, sehr aggressive Herzkrankheit. Die betrifft um die 60% aller Exemplare. Die liegen dann halt plötzlich tot im Körbchen.

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