Das Spießer-Quiz


Der Begriff Spießer oder Spießbürger ist schon mehrere hundert Jahre alt. Und wie viele Begriffe hatte er einst ein positives Image verknüpft und ist jetzt ein Schimpfwort.

Was aber genau ein Spießer ist, darüber herrscht keine Einigkeit. Zumindest nicht zwischen Frau Anders und Herrn Wunderlich.

Deswegen gibt es heute das ultimative Spießer-Quiz, das die Frage endgültig entscheiden wird. Einen Battle, wer der größere Spießer ist! Werdet Zeuge, wie Spießer-Geschichte geschrieben wird!


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Link: Das Spießer-Quiz
Musik: „Fleischschritt Marsch“ von FLEISCHSCHRITT MARSCH / CC BY-SA 3.0
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Skript zur Sendung


Aber natürlich nicht, ohne vorher dem Begriff eine semantische, historische und psycho-soziale Bedeutung gegeben zu haben, wie es sich für ein Bildungs-Programm wie unseres gebührt.

Der Begriff „Spießer“hat seine Wurzeln im ausgehenden Mittelalter. Der Handel und das Handwerk erlebten einen Aufschwung in den neuen freien Reichs-Städten. Wer es einmal dahin geschafft hatte, war ein freier Bürger. Und kein Leibeigener mehr.

Der Adel saß auf seinen kalten Burgen und machte sich Sorgen, dass das eigene Wirtschaftsmodell darunter leidet. Nicht zu Unrecht. Zwar sollte es noch fünfhundert Jahre dauern, bis es alle begriffen, aber eigentlich war der Adel erledigt.

Weshalb man dazu überging, die Städte regelmäßig zu überfallen und zu plündern. Worauf die hohe Mauern bauten und sich bewaffneten. Aber ein eigenes Militär gab es nicht. Und so mussten die Bürger selber auf den Zinnen Wache schieben.

Die reichen Bürger deligierten das an angeheuerte Söldner, die wohlhabenden rüsteten sich mit Armbrüsten und die ärmeren Bürger kauften sich halt eine Hellebarde. Auch Spieß genannt. Und so ein Bürger, der mit einem Spieß Wache stand, war… ein Spießbürger!

In der Zeit seiner Entstehung war das also durchaus ein positiv besetzer Begriff. Ein nicht wohlhabender Bürger, der trotzdem seine Pflicht für das Allgemeinwohl erfüllte.

Und so lungerte der Begriff noch in unserer Sprache ‚rum, als die Hellebarden schon längst von Gewehren ersetzt waren. Im 19ten Jahrhundert dann stieß eine Generation von Weltverbesserern auf den Begriff.

Eine Generation von Bürgersöhnen, wie z.B. Heinrich Heine oder Karl Marx, die eigentlich die schlechter gestellten Kreise der Gesellschaft von der Unterdrückung befreien wollten. Und die dann das schimpfen anfingen, als die sich partout nicht befreien lassen wollten.

Diese beiden und eine ganze Generation von Studenten verwendeten den Begriff dann für den störrischen Kleinbürger. Der sich nicht aus seiner mutmaßlichen Normalität befreien will.

Und so wird er heute immer noch verwendet. Frau Anders und ich verwenden den Begriff beide allerdings ganz anders. Und wunderlich. Mal schauen, was also bei unserem Test ‚rauskommt.