CSI Döhren-Wülfel



Wenn man früher Fernsehen geschaut hat, dann hatte man den Eindruck, in jeder Stadt ermittelt mindestens ein Sherlock Holmes. Auch wenn er Derrick heißt oder Bella Block oder Columbo.

Dann kamen die Spezialisten von der CSI in Mode und schon tauchten bei uns die Spurensucher auch prominent in den Krimis auf. Sogar der Tatort-Reiniger hat eine Serie – vielleicht die beste Serie von allen!

Im heutigen Hörspiel lernen wir einen ganz normalen Durchschnitts-Spurensucher kennen. Der einen ganz normalen Durchschnitts-Einbruch untersucht und dabei zu ungewöhnlichen Schlüssen kommt!


Rosie hört im Hintergrund: „Jazzymuté:1“ von Jazzymuté / CC BY-NC-SA 3.0
Download der Sendung hier.
Musiktitel: „This Old Man – Columbo Tribute“ von Cyril Stapleton


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Die Geschichte zum Lesen

FA: Ach, Polizei-Obermeister Maier ist eine Frau! Heißt das dann nicht ObermeisterIN?
(denkt)
Ach, nee. Ach so. So macht ihr das nicht. Verstehe.

(pötzlich russischer Akzent) Aber, junger Mann, ich muss Ihnen sagen, dass geht leider gar nicht!
Das kann ich nicht… Weil…

(tränenerstickt) Ich… ich… kann Ihnen gar nicht schildern…. Sie wollen nicht, dos ich…. Wie soll ich sagen auf Doitsch? Also, damals… in moiner Heimat Russland, da bin ich gewäsen interniert. Sie wissen, was das bedoitet?

Ja. Genau. So wie Gulasch. Bloß heißt Gulag. Genau. Und da hat mich immer eine Kommisarin von KGB… na ja… sie hat mich… tut mir leid…

(weint) Ich weiß nicht doitsche Wort… Sie hat mich… Sie hat mich immer sehr weh getan, wenn Sie verstehen, wos ich meine? Sehr, sehr weh getan! Immer! Sie… (heult)

Und heite, wenn ich sehe Polizist oder Soldat, welcher ist woiblich, dann ich bekomme sofort Attacke von Panik! Sie verstehen? Also, bitte, sie besser schicken Mann, wo sichert Spuren! Bitte!

Ja, Name ist Schröder, stimmt. Nein, ist eingedoitscht. Beherde hat Namen eingedoitscht. Weil keiner hier kann aussprechen russische richtige Namen, Sie verstähen? Wie? Soll ich sagen richtige Namen? Glauben Sie mir nix?

Na gut. Na gut! Richtige Name ist Kasawasov-koskinowitsch-darbrowski. So, jetzt wiedarholen Sie! Sehen Sie! Sehen Sie? Darum Beherde gesagt, ich ab jetzt heiße Schröder.

Schicken Sie als bitte eine Sicherspurungsfachpersonal, wo hat mennliche Geschlecht!

Danke, vielen Dank! Sie kennen nicht wissen, wie dankbar ich bin Ihnen! Vielen Dank!

(legt auf)

(in Hochdeutsch, zu sich) So ein Arsch! Unglaublich, was man heute tun muss, damit jemand von der Spurensicherung kommt! Da bricht jemand bei Dir ein und Du musst dann am Telefon ein kleines Tänzchen aufführen, damit sich einer der Herren in Uniform die Ehre gibt! Nicht zu fassen.

Na, gut. Jetzt muss ich nur noch Sabine schreiben…

(langsam, tippend) „Also! Wette gilt! 50 Euro! 20 Minuten! Deal!“

So… (off links) Jetzt noch ein bisschen hier… (off rechts) und das auch noch… So…

Ok. Dann schauen wir einmal. Zählt das jetzt schon? Vielleicht sollte ich mir einen Wecker stellen, oder so? Ach, was. Auf die Minute wird’s ihr schon nicht ankommen, wette ich.

(Handy bingt WhatsApp) Was denn? (off) Wie? „19“? Im Ernst? So eine Korinthenkackerin!

HW: (off) Entschuldigung, darf ich reinkommen? Hengstler, von der Spurensicherung!
FA: (überrascht) Oh, Herr Polizei-Obermeister-Kommisar! Das ging aber sehr schnell!
HW: Na ja, nachdem ihre Wohnung direkt über der Wache ist, ist die Anfahrt sehr schnell. Die können wir Ihnen eigentlich gar nicht berechnen!

FA: Was? Wie bitte? Die Polizei berechnet die Anfahrt?
HW: Nein, kleiner Scherz!
FA: Was? Ach so! Sehr witzig! Entschuldigen Sie, ich bin völlig neben mir, müssen Sie wissen! Das ist so furchtbar, dass hier eingebrochen wurde, das kann ich Ihnen gar nicht beschreiben! Das ist wie… Ich finde gar keinen Vergleich, der passt… Ich fühle mich hier auf jeden Fall nicht mehr sicher, so viel ist sicher!

HW: Jetzt muss ich aber schon fragen… Sie sind schon Frau Schröder, oder?
FA: Ja, bin ich! Wieso?
HW: Mein Kollege meinte, Sie hätten einen starken russischen Akzent…
FA: Ach, hört man das so deutlich?

HW: Nein, eigentlich gar nicht, um ehrlich zu sein!
FA: Na, dann hat ihr Kollege vielleicht ein besonderes Ohr für solche Feinheiten!
HW: Hm. Eigentlich auch nicht…
FA: Herr Oberkommissar, könnten wir uns vielleicht dem Kapitalverbrechen zuwenden, dass hier stattgefunden hat?

HW: Na klar, sicher. Kein Problem. Wie haben Sie denn bemerkt, dass hier eingebrochen wurde?
FA: Wie bitte? Machen Sie Scherze? Als ich kam, stand die Tür sperrangelweit offen!
HW: Diese Tür?
FA: Natürlich! Diese Tür! Ja, na die Wohnungstür natürlich!

HW: O.k. Hm… Also… (off) Ich sehe jetzt hier keinerlei Spuren von Gewalteinwirkung…
FA: Und am Schloss? Sieht man das, wenn die einen Dietrich verwendet haben?
HW: Nein, das sieht man nicht. Aber bei einem Schloss dieses Typs kommt man mit einem Dietrich auch nicht weit. Es sei denn, man hat sehr viel Zeit!

FA: Na ja, ich war in der Arbeit! Und mein Freund auch! Das heißt, hier war acht… nein, neun Stunden keine Menschen.
HW: Und die Nachbarn?
FA: Pah! In dieser Nachbarschaft schaut keiner auf den anderen! Sie kennen das sicher, oder? Die hätten die Türen aufschweißen können und dann wären meine Nachbarn an dem vorbei gelaufen und hätten ihn noch freundlich gegrüßt!

HW: Hm. Sie kennen keinen Nachbarn?
FA: Nein, nicht persönlich. Ich kenne die Namen auf dem Klingelbrett. Und ich kenne Gesichter, denen ich begegne. Aber ich habe keine Ahnung, wie die zusammen gehören, verstehen Sie?
HW: O.k. Na gut. Die werden wir trotzdem vielleicht verhören müssen.
FA: Wirklich? Mmmhhh. Das wäre mir aber unangenehm!

HW: Das muss sein, Frau Schröder. Vielleicht hat ja doch jemand ‚was bemerkt.
FA: Sehr unangenehm…
HW: Machen wir doch einfach ‚mal weiter. Sie kamen nach Hause und dann haben Sie bemerkt, dass die Tür offensteht. Und dann sind Sie hier reingekommen…
FA: Genau, und da ist mir sofort die nächste Auffälligkeit… na ja… aufgefallen!
HW: Und das wäre?

FA: Sehen Sie diesen Tisch?
HW: Sicher.
FA: Und was sehen Sie auf dem Tisch?
HW: Eine Fernsehzeitschrift und eine Fernbedienung. Aber nachdem da Sony draufsteht, gehört die wahrscheinlich zu der Stereoanlage, die hier im Schrank steht.

FA: Das ist… wahr! Sehr gut! Sie sind aber wirklich ein Profi! Sehr gute Auffassungsgabe. Auf dem Tisch hier stand ein nagelneuer Samsung 50 Zoll oder Inch oder Zentimeter (was weiß ich) Fernseher mit Full HD oder Ultra HD oder, ach keine Ahnung! Auf jeden Fall arschteuer!
HW: So um die 800 Euro, schätze ich…
FA: Genau! So ist es! Denn hatte mein Freund gekauft. Erst vor zwei, drei Monaten. Und der ist nun weg.

HW: (off) Auf dem Tischchen sind aber keine Spuren zu erkennen, wo der stand.
FA: Wieso sollte der Spuren machen?
HW: Na ja, da würde dann kein Staub liegen.
FA: Staub? Ich führe einen ordentlichen Haushalt! Hier verstaubt nichts! Herr…

HW: Hengstler. So wie in dem berühmten Hörspiel „Crazy Cat Lady“. Kennen Sie das?
FA: Hörspiel? Muss man das kennen?
HW: Oder in „Die Bombe im Gurkensalat“, kennen Sie das?
FA: Was haben denn Hörspiele mit dem Fernsehen zu tun?

HW: Sie haben recht. Also gut. Ein Samsung 50-Zoll-Fernsehgerät. Ist Ihnen sonst noch etwas aufgefallen?
FA: Ja, hier auf dem Tresen stand immer das Laptop von meinem Freund. Da hat er manchmal dran gearbeitet. Oder er hat irgendwie die Filme von dem Laptop auf den Fernseher gebracht.
HW: Wissen Sie, was für ein Laptop?
FA: Von Apple. So ein McBook Pro. Auch neu.
HW: Mit Touchbar oder Touch ID?
FA: Mit waaas?

HW: Na gut, ich schreibe ‚mal € 2000,- auf. Sonst noch ‚was?
FA: Da, an der Garderobe da stand immer die Tasche mit den Golfschlägern von meinem Freund. Auch recht neu, die roch noch richtig extrem nach Leder. Und die Golfschläger, die waren auch richtig teuer, aber ich habe keine Ahnung, wie teuer…
HW: Oh. Na, da habe ich auch keine Ahnung. Aber, das fängt, glaube ich bei € 500,- an und ist dann nach oben offen. Ist aber ein bisschen schwieriger zu verhehlen…
FA: Zu was?

HW: Für den Dieb. Zu verkaufen. Das hat einen höheren Wiedererkennungswert.
FA: Verstehe. Das waren richtige Profis, oder?
HW: Die haben sich auf jeden Fall die anscheinend wertvollsten Sachen rausgesucht. Ist Ihnen sonst noch etwas aufgefallen.
FA: Ja, die Schlüssel von meinem Freund sind nicht mehr am Schlüsselbrett.
HW: Wie bitte?

FA: Na, die Schlüssel sind weg.
HW: Wieso? Hatte er die nicht dabei?
FA: Nein, der kommt hier mit der Karte rein. Und das Ticket für die U-Bahn hat er auf dem Handy. Das waren Wohnungs-Schlüssel für hier, für das Haus seiner Eltern und für sein Auto.
HW: Oh. Na, das dürfte dann auch weg sein!

FA: Im Ernst? Ein nagelneuer BMW!
HW: Wissen Sie den Typ?
FA: Äh…. (unsicher) Blaauuu?
HW: Wie sah er denn aus?
FA: Wie so ein blödes SUV! Groß!sie wissen schon, wo in Indien ne ganze Famlie drin wohnen könnte. Und er heißt, glaube ich „Vision“.
HW: Das gibt’s…
FA: Jetzt hab‘ ich’s! Vision iPad! Oder so… in der Art.

HW: Vision iNext? Aber den gibt’s noch gar nicht zu kaufen!
FA: Für Entwickler von BMW anscheinend schon!
HW: (pfeift durch die Zähne) Wow, da kommt ein ganz schönes Sümmchen zusammen! Bisher gilt der ja noch als Legende. Ich weiß gar nicht, ob Sie mir das erzählen hätten dürfen!

FA: Was? Ach so? Na, vielleicht hieß der auch anders? Ich kenne mich da echt nicht aus!
HW: Na ja, ich schreibe ‚mal €200.000 auf…
FA: Was?
HW: Ja, klar. Da kriegen sie auch eine halbe Million für, wenn Sie den an Mercedes verkaufen…
FA: Im Ernst?

HW: Frau Schröder – ist Ihnen sonst noch etwas aufgefallen?
FA: Ich habe noch nicht überall geschaut. Aber in der Küche ist mir nichts aufgefallen…
HW: Haben Sie irgendwo noch Wertsachen versteckt. Schmuck z.B.?
FA: Klar. Im Schlafzimmer. Im Schrank.

HW: Logisch. Wo auch sonst?
FA: Warum sagen Sie das so?
HW: Weil das immer so ist…
FA: Ach tatsächlich?! Schauen wir ‚mal. Folgen Sie mir…

HW: Ich kann auch hier warten…
FA: Nein, nein, keine Problem!
(SFX: Quietschen)

FA: Oh, mein Gott?
HW: Was ist denn?
FA: Oh, mein Gott!
HW: Was ist denn?
FA: Oh. Mein. Gott!
HW: Auch auf die Gefahr, mich zu wiederholen: Was ist denn?

FA: Der Minisafe ist weg!
HW: Der Minisafe?
FA: Ja, so eine große rote Dose zum Absperren! Mit Sicherheitsschloss!
HW: Verstehe. War aber nicht einbetoniert oder mit der Wand verkettet, oder so?

FA: Was? Nein! Aber weg ist sie!
HW: Und da war ihr Schmuck drin?
FA: Nein, nein. Da waren die Wertsachen von meinem Freund drin! Seine Rolex und mindestens viertausend Euro in Bar und ein paar Kriegerhand.

HW: Kriegerhand? Was? Kriegerhand…? Meinen sie vielleicht …Krügerrand?
FA: Genau! So große, golden Münzen!
HW: Wieviele?
FA: Fünf, glaube ich, wieso?

HW: Gut, dann schreibe ich noch einmal € 10.000,- auf!
FA: Was?
HW: Ja, ihr Freund scheint nicht schlecht zu verdienen, Frau Schröder!
FA: Und sein Koffer ist auch weg!
HW: Sein Koffer?

FA: Ja, und alle seine Klamotten! Mein Gott, wer stiehlt denn bitte Unterhosen?
HW: Wie bitte?
FA: Alles, auch seine Anzüge – kein Stück mehr über, das gibt’s ja nich. Uuuunglaublich!

HW: (leise) Ach so. So ist das…
FA: Was ist wie? Was brummen Sie da in Ihren Bart?
HW: Tja, Frau Schröder. Ich muss Ihnen gestehen, ich habe da einen Verdacht!

FA: Wie? So früh? Sie haben ja noch gar keine Fingerabdrücke genommen. Oder so… sowas
HW: Frau Schröder, lassen Sie mich das zusammenfassen: Die Tür ist unbeschädigt. Es fehlen: Der Fernseher von Ihrem Freund, das Laptop von Ihrem Freund, das Auto von Ihrem Freund, die Wertsachen von Ihrem Freund und die komplette Garderobe von Ihrem Freund. Stimmt’s?
FA: Ja. Und?
HW: Fällt Ihnen bei den Beutestücken ein bestimmtes Muster auf?

FA: Wie… Sie meinen?
HW: Ich würde mich glatt trauen, die Hypothese raus zu hauen, dass Ihr Freund wohl ausgezogen ist.
FA: Wie bitte? Warum denn? Jajaja,…ohne mir vorher Bescheid zu geben?

HW: Keine Ahnung. Hatten Sie denn Probleme in der Beziehung?
FA: Nein. Naja. Manchmal…
HW: In letzter Zeit?
FA: Ja, gestern abend. Eine Meinungsverschiedenheit. Naja, eher ein Riesenstreit. Sie haben recht…

HW: Tja. Das ist dann ein weiteres Indiz.
FA: (fassungslos) Oh, mein Gott! Aber, aber, aber ich liebe ihn doch!
HW: Ja, das kann schon sein, aber…
FA: (tränennahe) Ich… ich… ich habe alles für Ihn aufgegeben!

(SFX: Handy whatsappt)

HW: Das war ihr Handy, oder?
FA: (sachlich) Ja, spielt aber jetzt keine Rolle.
HW: Schauen Sie nur einmal! Vielleicht ist es ja ihr Freund.
FA: Was? O.k. Moment… Nee, ist nur meine Freundin…

HW: Haben Sie die schon informiert?
FA: Nein. Die hat nur „3“ geschickt!
HW: Was bedeutet das?
FA: (sachlich) Ist’n Inside-Joke. Spielt jetzt keine Rolle.

FA: (tränennahe) Jetzt, wo er aus meinem Leben ist! Ich… ich bin extra für ihn hierher gezogen! Haben Sie das eigentlich gewusst?
HW: Ich? Nein? Woher auch?
FA: Ich war mir so sicher: DAS ist der Mann meines Lebens! Mit diesem Mann wirst Du einmal Kinder in die Welt setzen und ein Bäumchen pflanzen! Nur mir diesem Mann! Haben Sie das schon gewußt?

HW: Ich? Nein? Haben Sie das irgendwo veröffentlicht?
FA: Und jetzt, auf einmal, bin ich wieder alleine! Ganz alleine! Wie ein einzelnes Samenkorn, das vom Sämann auf den Weg statt auf den Acker geworfen wurde!
HW: Schöner Vergleich! Markus-Evangelium, oder?

FA: Wie eine Rose, die versucht zwischen den Brennesseln zu erblühen! Ganz alleine! Gnaz einsam!
HW: Ich sitze ja auch gerade neben Ihnen hier, also so ganz alleine…
FA: Wie eine Flamme, die gegen den Wind um ihr Leben kämpft, aber eigentlich weiss: Der Orkan folgt erst noch!
HW: Ja ja…

FA: Oh, mein Gott! Herr Hengstler, nehmen Sie mich in den Arm! Mir wird so kalt! So kalt! In mir stirbt gerade eine große letzte Hoffnung!
HW: Also, das gehört eigentlich nicht so zu meinen Aufgaben…
FA: Ich weiß! Umso dankbarer ist Ihnen meine Seele für dieses kleine Fünkchen seelische Zuwendung!

HW: Kein Problem. Brauchen Sie ein Taschentuch?
FA: Ja, gerne…
HW: Hier.
FA: Danke! (schneuzt sich laut)

HW: Na gut. Dann… denke ich einmal, Sie wollen keine Anzeige gegen Unbekannt stellen?
FA: Nein, nein, nein….
HW: Gut, dann gehe ich…
FA: Herr Hengstler, darf ich Ihnen eine kleine Frage stellen?

HW: Sicher. Nur raus damit!
FA: Ich habe furchtbare Angst in der Wohnung auf einmal…
HW: Ah.
FA: Könnten Sie nach Dienstschluss noch einmal vorbei…
HW: Oh. Also. Das machen wir eigentlich nicht….

FA: Für mich! (schluchzt) Bitte! Bitte!
HW: Na gut. Dann schau‘ ich noch einmal vorbei…
FA: Das wäre meine Rettung! Ich… ich… ich muss nur noch einmal weg… Ich besorge uns eine tolle Flasche Rotwein! Was mögen Sie denn? Spanisch, Italienisch….
HW: Französisch. Aber das ist nicht nötig! Machen Sie sich keine…

FA: Das ist kein Umstand! Ich habe ja nichts zu essen hier, ich muss eh‘ weg!
HW: Ach so…
FA: Ich schreibe Ihnen dann einfach, wenn ich wieder da bin! O.k.?
HW: Klar.

(Pause. Awkward.)

FA: Da äh, da bräuchte ich nur Ihre Nummer!
HW: Ah. Verstehe. Moment. Ich schreibe Ihnen hier etwas auf.
FA: Danke, Herr Hengstler! Jetzt habe ich wieder etwas, an das ich mich klammern kann!
HW: Kein Problem. Hier. Das ist für Sie. Können Sie brauchen….

FA: Vielen Dank! Dann bis später!
HW: Auf Wiedersehen, Frau Schröder!
FA: (verrucht) Bon soir et jusqu’à la même!
HW: Was auch immer….

SFX: (Tür schließt)

FA: (zu sich) Hah! Rosie! You’ve done it! 50 Euro! Hah!

SFX: (Wählgeräusch)
SFX: (Klingeln im Handy)

Sabine: Und?
FA: Hah! Ich habe seine Nummer! Ich habe es gewusst! Wer ist die Größte?
Sabine: Fuck! Wie hast Du das gemacht?

FA: Das bleibt mein Erfolgsgeheimnis! Aber siehst Du, dass das geht! Eine Frau braucht nicht einmal ihre Wohnung verlassen und kann in 15 Minuten ein Date haben….
Sabine: Technisch gesehen, eher 20 Minuten!

FA: Ja, mein Gott! Der hat geredet wie ein Wasserfall! Das passiert manchmal, wenn eine hübsche Frau so ein Mauerblümchen überhaupt wahrnimmt! Da löst sich dann etwas lange Aufgestautes!
Sabine: Und? Hast Du seine Telefon-Nummer! Sonst gilt die Wette nicht!

FA: Klar. Hat er mir auf so einen Zettel gemalt. Warte, lese ich Dir exklusiv vor!
SFX: Papier

(Pause)

Sabine: Und?
FA: Shit!
Sabine: Was ist?
FA: Sagen wir so… Du kriegst die 50 Euro!

Sabine: Ich? Wieso? Was ist los? Ist das eine falsche Nummer?
FA: Nein. Gar keine Nummer. Oder halt 1.4.5. Aber das ist schlimm genug…

Sabine: Was denn?
FA: Das ist eine Anzeige wegen §145d, Absatz 1 des Strafgesetzbuches!
Sabine: Waaas?

FA: „Vortäuschung einer Straftat.“
Sabine: Was? Wieso?
FA: Wieso? Weil der vielleicht doch nicht so blöd war, wie er aussah, der kleine Bulle…