Bella Italia!


Nach dem durchschlagenden Erfolg der Olli-Geschichten um Eng-Tanzen, Irland-Uraub oder seltsames Kochgut heute die erste Elli-Geschichte!

Frau Anders erzählt uns von einem besonders gut geplanten und auch besonders gut gelungenen Urlaub in das wunderschöne Italien!

Fazit: „Mama, ich muss doch lernen!“ Viel Spaß!


Download der Episode hier.
Musik: Casalingo von Piso / CC BY-SA 3.0


Skript zur Sendung

Italien, ein Idyll, wie aus den deutschen Schlagern der Nachkriegszeit herauszuhören, irgendwo hinter den sieben Bergen, wo das Wetter besser ist und die Städte heilgeblieben…

Verklärte Romantik.

Die Lieder aus der Zeit unserer Eltern sind ein bisschen wie akustische Postkarten, totale Klischeebilder, die nichts mit dem italienischen Alltagsleben zu tun haben, sondern das Bild von einem Naturdenkmal erschaffen haben, in dem der Mensch dem Menschen noch ein Freund ist.

Und so saßen unsere Eltern im DKW Junior und träumten vom ewigen Dolce Vita in der Wärme bei diesen Naturmenschen, die ja praktisch nur vom Fischen lebten. Und von Amore.

Rund 120 Millionen Touristen kommen jährlich nach Italien, dieses Jahr soll ein Neues Rekordjahr verzeichnet werden. Heute gibt es immerhin keine nostalgische Verklärung mehr.

Clip: Cassette on

Im Jahr 2009 waren es übrigens auch schon über 100 Millionen.
Als wir unsere Italienreise antraten.

Ich war seit 3 Jahren wieder verheiratet mit einem Mann, der nicht nur keine weiteren Kinder, sondern am liebsten gar keine Kinder gehabt hätte. Was an sich schon recht schwierig zu lösen war, denn ich hatte ja schon zwei Töchter.

Das bekamen natürlich alle Kinder regelmäßig zu spüren. Sie wurden immer schlechter in der Schule, ängstlicher und unsicherer.

Das führte zu andauernden Auseinandersetzungen zwischen mir und meinem Gatten, sodass es schließlich eines Sommers zu der Entscheidung kam:
„Wir fahren nach Italien zum Campen! Mit den Hunden! Aber ohne den Mann!“

Meine ältere Tochter wollte die Ferien eigentlich dazu nutzen, ihre schulischen Leistungen verbessern. Das ließ sie zunächst zögern…

Lea: Mama, ich muß doch lernen!

Beide Töchter hatten unabhängig voneinander am Ende der Ferien eine Nachprüfung abzuleisten. Ohne diese Prüfung würden sie das Schuljahr wiederholen müssen.

Mama: Ach was! Lernen kann man da auch! Null Problemo!

Rief ich ihnen zu, während ich begann, alles irgendwie Brauchbare in unseren Jeep zu werfen.
„Mädels packt, gleich geht’s los!“
Der Prozess wurde nicht unwesentlich dadurch beschleunigt, daß ich mich gerade mal wieder in einem heftigen Streit mit meinem damaligen Mann befand.

Allerdings beeinflußte das wiederum die Wahl meiner Ausstattungs-Gegenstände für die Reise nicht unwesentlich…

Recht schnell war also das für uns Notwendig-Scheinende gepackt, die Hunde noch eingeladen und ab die Post!

Uuff, das wär schon mal geschafft. Bloß erst mal losfahren!
Aber in welche Richtung überhaupt? Naja, ganz klar Richtung Süden!

Gott sei dank war es noch recht früh um die Mittagsstunde, sodass man sich wunderbar am Sonnenstand orientieren konnte! Null Problemo!

So fuhren wir Richtung Süden, voll bepackt, verhungern würden wir sicherlich nicht. Und Hundefutter hatten wir auch genug dabei, sehr gut.

Kaffee brauchte ich natürlich in rauhen Mengen, sonst war die Strecke nicht so einfach zu schaffen… und: Geniale Idee meinerseits: Guarana!

Das fand ich beim Sammeln der Reiseutensilien im untersten Badfach. Sehr schön! Davon erstmal 2 Kapseln einwerfen, schließlich wollten wir ja heute noch etwa 400 km bis zur Adria fahren!

Dort hatte ich mich kurz zuvor noch mit einer Bekannten grob verabredet, die zufällig zur gleichen Zeit ebenfalls dort auf einem Campingplatz Urlaub mit ihrer Tochter machte.

Nach etwa 20 Minuten Autofahrt, die erste Herausforderung: Hm, Lindau oder München? Das ist hier die Frage, liegt ja beides irgendwie im Süden…

Mama: Kind, gib mir doch mal den Atlas, bitte!
Kind: Welchen Atlas?
Mama: Na, die Straßenkarte, die hinten bei dir liegt!
Kind: Hier liegt keine Straßenkarte!
Mama: Hm. Na gut. Dann fahren wir eben noch eine Runde. Praktisch diese Kreisel.

Ja, also München wäre glaub ich schon ganz okay, von der Richtung her…
Oder doch lieber Lindau?

Ich frag einfach jemanden… Im Kreisel rechts ranfahren, geht irgendwie aber auch nicht richtig… Na gut, macht nix. Ich winke dem überrascht schauenden Verkehrsteilnehmer auf der Nebenspur zu, während ich langsam meine Runden ziehe.

Mama: Halllooo, ähhh halllloooo,…
Irgendeiner: Was? HÄ? Wie bitte?
Mama: Äh, wo geht’s denn bitte nach Italien? Jaa, Itaaalien? Ach, da lang, super, alles klar, vielen Dank auch, tschüüüss!

Mama: Na also, alles bestens. Prima Kinder. Läuft doch. Null Problemo!
Klara: Mir is schleeeecht…
Mama: Was wovon denn, wir sind doch eben erst losgefahren?
Klara: Aber wir fahren immer nur im Kreis!

Nach München dann wurde das Navigieren dann wirklich einfach, überall standen riesige Schilder mit Italien. Prima! Bravissimo.

Weiter geht’s Richtung Salzburg, also quasi auch nach Italien. Irgendwann fragt jemand: „Äh, müßten wir nicht langsam mal ankommen?“

Hm stimmt eigentlich, 500 kilometer gefahren aber immer noch kein Venedig?
Sehr merkwürdig… müßte doch schon längst zu sehen sein.

Ah, ja da stehts ja „Venezia 120 kilometro. Na also!
Trotzdem komisch. So weit? Na ja, egal, was solls. Null Problemo!

Wegen der Vorfreude, unser Ziel demnächst erreicht zu haben, fahren wir die nächste area de servizio, zu deutsch: „Autogrill“an, um uns die weitere Route bis zu unserem Ziel genau anzuschauen.

„Du, wo fahren wir denn überhaupt hin auf welchen Campingplatz?“ fragt meine Tochter. Völlig zu recht…

Ich krame in meiner Tasche nach der Adresse, wo ich kurzfristig einen Wohnwagen für 4 Personen und 2 Hunde gemietet hab!
Ja, wo war das denn gleich noch… Ah, hier:

Mama: „Village Cera una Volta in Villanova de Albenga“ …etwa 100 Kilometer südlich von Genua. Hmmm, Genua? Moment… Genua? Mist!
Wir sind an der falschen Küste!
Klara: Ach Mama, das ist nicht dein Ernst?

Mist, wie komm ich bloß auf die Idee, dass dieser hundefreundliche Campingplatz in der Nähe von Venedig ist?

Ach, jetzt weiß ich’s wieder… der Campingplatz von Sabine und Julia, meiner Bekannten, der lag in der Nähe von Venedig, na klar!
Aber unser Ziel lag, so wie es aussah, eindeutig nicht an der Adria, sondern im Golf von Genua! Blöder Fehler!

Egal, was soll’s? Das Jammern hilft uns nicht weiter. Ich schütte mir noch schnell einen Kaffee rein und ein, zwei Guarana hinterher und dann geht’s wieder weiter! Diesmal Richtung Genua! Theoretisch sollten wir in spätestens 6 Stunden dort sein.
Null Problemo!

Es dämmerte bereits und die Kinder wurden müde, ich hielt dank meines Coffein-Konsums noch lässig durch. Doch nachts um 1.00 machte ich trotzdem allmählich schlapp. Für etwas mehr als 550 km hatten wir bisher über 12 Stunden gebraucht. Und das nur weil ich zunächst Richtung Slowenien gefahren war…

Ärgerlich war das schon etwas. Ich hielt an einem bewaldeten Parkplatz, wo wir die Nacht in unserem Auto verbrachten. Meine jüngste Tochter legte sich zu den Hunden in den Kofferraum, die ältere auf die Rückbank und Frau Anders legte den Fahrersitz in die Horizontale.

In der Morgendämmerung hatten wir uns soweit erholt, das wir weiterfahren konnten.

Wir brauchten noch bis zum Nachmittag, als wir schließlich unseren Campingplatz in einem abgelegenen Naturpark etwa 20 km landeinwärts gefunden hatten. Und dann etwa nochmal zwei weitere Stunden, bis wir schließlich halbtot auf die durchgelegenen Matratzen des gemieteten Wohnwagens fallen konnten.

Am nächsten Morgen: Wir fahren ans Meer! Null Problemo!

Nach einem einfachen Käsebrot zum Frühstück packen wir alles Notwendige ein, um einen Tag am Meer zu verbringen. Spielsachen für die Hunde, Spielsachen für die jüngere Tochter, zwei Bücher für die Mama, Berge von Handtüchern, geschmierte Brote, Tomaten und Gurken, jede Menge Wasserflaschen, am Strand is ja immer alles so teuer!

Und das Meer, das war ja nicht weit weg, da sind wir ja gestern dran vorbeigekommen, ein paar mal sogar, als wir unseren Campingplatz suchten. So fuhren wir also die Pass-Straße wieder zurück. In die Richtung, aus der wir gekommen waren, das war nicht sehr schwer, denn wir mußten dauernd nur bergab.

Nach etwa einer knappen Stunde Gekurve, inklusive mehrerer Stopps wegen unvermeidlicher Übelkeit, kamen wir wieder in Albenga an. Dem größeren Küstenort, der uns als Orientierungspunkt dienen sollte. Und da lag es vor uns, wie ein glitzernder Spiegel im strahlenden Blau. Das bellissimo mare italiano! Einfach wunderbar!

Schon entdecken wir einen der zahlreichen Parkplätze, die gegenüber der Uferpromenade gegen klingende Münze stundenweise zu kaufen sind.

Okay, alle raus, alle raus, vergesst euer Zeug nicht, wer kann noch einen Hund nehmen?? Und los geht’s. Null Problemo!

Doch als wir auf den engen Streifen der Uferpromenade treten, der nicht eingezäunt ist, sehen wir schon überall große rote Verbotsschilder „cane prohibiti“ = Hunde verboten!

Und meterhohe Zäune. Merkwürdig war das. Nirgendwo schien man an den eigentlichen Strand vordringen zu können.

Wir liefen so noch eine ganze Weile weiter entlang dieser Sicherheitsvorrichtung, um den Strand vor unwillkommen Eindringlingen zu schützen, doch permanent wiederholte sich das Embargo, dass hier offensichtlich für alle Hundeführer galt.

Wir gaben schließlich auf. Es ging auf Mittag zu, nicht nur die Hunde, sondern auch wir hatten keine Lust mehr, hier an dieser glühenden Zaun-Promenade weiter unsere kostbare Urlaubszeit zu verplempern!

Rückzug!

Fast wieder am Auto angelangt, trafen wir auf einen anderen Mini-Hundebesitzer, der uns erklärte: Natürlich gäbe es einen wunderbaren Strand extra für Hunde und natürlich könnte man diesen ganz leicht erreichen. Keine 4-5 Kilometer von hier. Man könne im Prinzip hinlaufen… okay, mille grazie, mille grazies, senor!

Mama: Los Kinder, rein ins Auto! Null Problemo!

Clip: /DÖF

Ok, ok, neuer Parkplatz. Alle wieder raus.

Mama: Kinder, vergesst euer Zeug nicht!

Und los geht’s.

Kind: „Daaa, Mama ich seh schon ein Schild mit einem Hund drauf!“
Mama: „Spiaggia per cani, na also, geht doch!“

Wir öffnen ohne irgendwelche sittlichen Hemmungen das Türgitter zum Strandabgang.

Mama: … tadaaaa! So da wär‘ ma also! Jetzt heißt es: Sonne, Strand, Meer, Kinder!

Tüp: Ja hallo, wieviel samma denn?
Mama: Ähh, wie bitte?
Tüp: Ja wieviele seits ihr denn?
Mama: Ja wieso?
Tüp: Macht pro Person 18 und pro Hund 10 Euro.
Mama: Waaas? Ja, aber wir wollen ja nur zu dem Strand da unten.
Tüp: Ja genau, 18 Euro bittschön, gee!
Mama:18 Euro? Ja und wofür?
Tüp: Liegen, Sonnenschirm und Hundenäpfe inklusive!
Mama: So, aha. Ja, schön dann bitte 1 Erwachsene und 2 Kinder, und 2 Hunde.
Tüp: Kinder gibt’s nur bis 3 Jahren und die do san jo mindestens 16, ge!
Kinder: Ohhh vielen Dank (Beide gleichzeitig)
Tüp: Also dann hätt ma 3 Erwachsene, 2 mal Hund macht 74 Euro!
Mama: Ja aber es is ja scho nach 12, da is ja praktisch schon der halbe Tag vorbei.
Tüp: Joo, wann sie kommen, des is ihre sache, mir maachen do um 8de auf und um 6se zu, ge. Kost euch immer 74 euro.

Mama: So, aha. 74 Euro – das ist aber scho happig!
Kinder: Mammmaaa!

Mama: Also dann, gut, wenn ihr meint… 74 Euro!
Tüp: Donkschee. Und viel Spaß gee!
Mama und Kinder: „Danke!“

Klara: Da, Mama! Da sind zwei liegen frei und ein Sonnenschirm!
Mama: Ah ja ok, nehm ma den doch. Ja sonst is ja eh nix frei…
Lea: Ich muss aber jetzt echt mal lernen!
Mama: Ja klar, Schatz, mach nur.
Klara: Ich geh mit den Hunden ins Wasser.
Mama: Guut. Ach, is schon herrlich da, so am Meer.

100 Millionen Touristen im Jahr hat Italien angeblich, schaut so aus, als seien die alle an diesem Nachmittag auf einmal hergekommen. Bella Italia schön und gut, aber es ist so voll, dass man an Flüchtlingslager denken könnte, einige quetschen sich sogar noch zwischen Papierkorb und Kaugummiautomaten.

Du sag mal, was stinkt denn hier so? Riechst du des auch? Jaaa das is eklig…
das kommt von hier hinten glaub ich. Oh mein Gott! Der Kackplatz. Ja super. Wir liegen direkt vorm Kackplatz. Klar, dass da niemand liegt.

Klara: „Mamaa, die gehen überhaupt nicht ins Wasser, die Hunde. Der Benny noch nicht mal mit den Pfoten! Der geht immer weg, wenn eine Welle kommt!

Mama: Ja, die mögen halt kein Wasser, war ja eigentlich schon immer so, gell?!“

Klara: Wir haben voll die langweiligen Hunde, liegen den ganzen Tag nur im Schatten ‚rum, außer wenn sie ‚mal müssen…

Mama: Mei, denen is‘ hier halt einfach viel zu heiß!
Lea: Könnt ihr euch bitte leiser unterhalten, ich muss lernen!
Mama: Oh, natürlich, sorry.

Klara: Mama, kann ich ein Wasser?
Lea: Haben!

Mama: Na klar, warte. Oh, Mist, die hab ich wohl im Auto vergessen. Wenn ich jetzt rausgehe, ob ich dann wohl nochmal reindarf zu euch hier in den Knast?

Klara: Wir können doch einfach eins kaufen!
Mama: Ach was, bin gleich wieder daa.
Klara: Echt peinlich. Gut, dass uns hier niemand kennt!

Clip /ET

Am nächsten Morgen:
„Mama, gehen wir zum Pool?“
Na klar, aber ich geh erst noch mal mit den Hunden und komme dann nach, geh ruhig schon mal vor wenn du magst! Lea, kommst du auch mit?
Lea: Nee, ich muss Lernen.

Und am nächsten Morgen:
„Mama, gehen wir zum Pool?“
Na klar, aber ich geh erst noch mal mit den Hunden und komme dann nach, geh ruhig schon mal vor wenn du magst! Lea, kommst du auch mit?
Lea: Nee, ich muss Lernen.

Und am nächsten Morgen:
„Mama, gehen wir zum Pool?“
Na klar, aber ich geh erst noch mal mit den Hunden und komme dann nach, geh ruhig schon mal vor wenn du magst! Lea, kommst du auch mit?
Lea: Nee, ich muss Lernen.

Und dann, am achten Tag:
Klara: Mama, gehen wir zum Pool?
Mama: Klar.
Klara: Wir können ja auch mal zu dem anderen Pool gehen, der soll noch viel größer sein…

Mama: Da gibt’s noch ein Pool? Echt, hab ich noch gar nicht gesehen…
Lea kommste mit?
Lea: Nee, ich muss Lernen.

Mama: So Mädels, morgen früh geht’s wieder nach Hause.
Aber diesmal fahren wir nicht über Venedig, obwohl…?
Klara: Echt witzig, Mama!

Die Rückfahrt durch die Schweiz war direkt romantisch! Null Problemo!

Mama: Schön hier, findet ihr nicht auch? Lasst uns doch mal aussteigen…
Klara: Pfft! Scheiß-Natur!
Lea: Aber ich muss doch lernen!

Genervt, verschwitzt und völlig fertig fallen die Kinder nach sieben Stunden Fahrt aus dem Auto.

Mama: Ach, schaut mal da, das Schild: Echter Schweizer Käse, frisch von der Alm, nur 15 km von hier! Das machen wir doch oder? Null Problemo, wie immer, oder?

Hysterisches Geschrei, klingt durch das Schweizer „Bergell“ Tal…