Barbies Traumvilla


play_circle_filled
pause_circle_filled
volume_down
volume_up
volume_off

Vor noch nicht einmal zehn Jahren verkauften sich jede Sekunde weltweit drei Barbiepuppen. Das deutsche Durchschnittsmädchen besaß immerhin sechs Stück dieser langbeinigen Blondinen. 

Doch seitdem sinken die Verkaufszahlen beständig und schicken sogar Mattels Aktienkurs in den Keller. Irgendwie ist sie nicht mehr modern, oder? 

Unsere Erzählerin auf jeden Fall denkt voller Dankbarkeit an ihre Zeit in Barbies Traumvilla zurück – für sie war das ein Traumspielzeug und die Barbie wurde eine gute Freundin.


Download der Sendung hier
Musik in der Sendung: “Tomorrow” von Bensound  / CC BY-NC-ND 3.0
Musiktitel: „ Barbie“ von Caroline Cruz / CC BY-NC-SA 3.0


Was denkst Du? Deine Meinung über diese Geschichte bei uns im Forum. 
(Nur für Sektenmitglieder) 


Die Geschichte zum Lesen

Barbie war meine Freundin. Und ich war ein Barbie-Mädchen! Mit Leib und Seele! Aber, zu meiner Verteidigung: Das war einer Zeit, als die superschlanke Blondine noch nicht geächtet war wegen ihrer Traumfigur aus Plastik.  

Mitte der Achtziger lebten wir noch in einer Welt, in der Jungs partout nicht mit Puppen spielen durften. Aber das machten. Deren Puppen hießen bloß „He-Man“ oder „Big Jim“ und damit ist alles gesagt, oder? 

Mein Lieblings-Spielzeug war die Barbie-Traumvilla. Ich gebe es offen zu. Jahrelang verbrachte ich jeden Tag Stunden damit. Sie war mein großer Stolz. Wir waren drei Kinder und das Geld hat vorne und hinten nicht gereicht. Ich aber hatte die Traumvilla, die alle meine Freundinnen wollten! 

Und Schuld hatte ein völlig Fremder. Ein Achtzehnjähriger, so wurde mir erzählt. 

Das kam so: Mein kleiner Bruder und ich und meine Freundin Annabell und ihr kleiner Bruder saßen im Sommer im Auto. Annabell und ich waren zehn, unsere Brüder zwei Jahre jünger. Meine Mutter hatte uns in den Märchenpark geschleppt.  

Das war mehr als peinlich, denn wir Mädchen waren dafür natürlich viel zu alt! Trotzdem hatte es uns ehrlich gesagt allen Spaß gemacht. Waren wir auf der Hinfahrt alle noch komplett überdreht gewesen, so kämpften wir Kinder jetzt, auf der Rückfahrt, ziemlich mit unseren Augenlidern. 

Der völlig fremde Achtzehnjährige beschloss einen Laster zu überholen und raste uns mit voller Geschwindigkeit rein. Mein kleiner Bruder saß auf dem Beifahrersitz und das Auto wurde bis zu seinen Knien zusammengefaltet. Er war angegurtet und trug keine weiteren Verletzungen davon. 

Meine Mutter hatte sich das Handgelenk gebrochen, als sie ein verzweifeltes Ausweichmanöver gefahren war. Annabells kleiner Bruder war im Kofferraum – wir hatten einen Kombi und damals fand man das in Ordnung. Er verließ das Auto ohne eine weitere Schramme. 

Annabell und ich hatten auf der Rückbank gespielt, unangeschnallt, und lagen ineinander verknotet im Fußraum. Hat mein Bruder mir später erzählt. 

Denn ich hatte an den Unfall überhaupt keine Erinnerung mehr. Jahrelang hatte ich nicht einmal auch nur unruhigen Schlaf oder Albträume. Keine Geräusche und keine Bilder haben mich verfolgt.  

Aber ich kann mich noch sehr gut ans Krankenhaus erinnern. Ich sehe die Szene vor mir, als ich aufwache. Am Bettende steht mein Vater, meine Mutter – mit einem Gipsverband – und der Arzt und sie diskutieren über meine Verletzungen. 

Als ich leise krächze, stürzt sofort meine Mutter zu mir und weint. Und auch mein Vater, der Baumstamm in meinem Leben, hat Tränen in den Augen. Ich aber spüre eigentlich keine Schmerzen und bin nur verwirrt. 

In dem Schwall an Liebe und Zuwendung spielt das aber keine Rolle. Während mir meine Mutter mit vielen Worten erklärt, was geschehen ist, schaut mein Vater konzentriert aus dem Fenster. Ich schaue ihm fasziniert zu. Tränen hatte ich bei ihm noch nie gesehen. Der alte, knorrige Baumstamm hat gewankt. 

Dann schaut er mich an und sagt: „Du wirst gleich operiert, und dabei wirst Du wieder schlafen. Aber bei der Operation kann nichts passieren. Du wirst aber länger im Krankenhaus bleiben müssen. Und: Du wirst sehr tapfer sein müssen. 

Morgen, wenn wir uns wiedersehen, dann darfst Du Dir irgendetwas wünschen! Was immer Du auch willst! Und wir werden Dir das kaufen. Ich rate Dir also, dass sehr genau zu überlegen bis morgen! Die Chance kommt nur einmal!“ 

Wir können gerne darüber diskutieren, ob das pädagogisch schlau ist oder nicht. Auf jeden Fall beschäftigte es mich noch den ganzen Tag. 

Während die Schwester Kanülen in mich legte, überlegte ich. Als ich in den OP geschoben wurde, überlegte ich. Wahrscheinlich überlegte ich auch, während ich in die Narkose sank. 

Kaum konnte ich die Augen öffnen, überlegte ich weiter. Mein Gehirn kannte nur ein Problem: Was soll ich mir wünschen? 

Am nächsten Morgen waren alle meine Geschwister da und es herrschte Unruhe im Krankenzimmer. Ich wandte mich an meine große Schwester um Rat: „Was soll ich mir bloß wünschen? Ich habe vier Optionen: 

Erstens: Ein Pferd. Zweitens: Ein eigenes Telefon in meinem Zimmer, damit ich nicht immer mit allen streiten musste, bevor ich auch einmal telefonieren durfte. Oder, noch besser: Einen eigenen Fernseher auf dem Zimmer oder, am allerbesten: Die Barbie-Traumvilla! 

Meine Schwester war schon elf, aber für mich war sie die Verkörperung von Erfahrung und Lebensweisheit. Schließlich hatte sie auch fast zwei Jahre mehr Übung darin, eine Tochter meiner Eltern zu sein. 

Sie meinte: „Ein Telefon oder einen Fernseher kriegst Du irgendwann sowieso. Und wenn es erst ist, wenn Du ausziehst. Ein Pferd ist einfach zu teuer, das würde die Eltern ein Vermögen kosten. Das kostet jeden Monat so viel wie eine Barbie-Traumvilla. Also solltest Du Dir die wünschen!“ 

Ein weiser Rat. Obwohl ich mich sowieso schon längst dafür entschieden hatte. Ich wollte bloß ihre Meinung dazu hören. 

Die restliche Krankenhauszeit verging in meiner Erinnerung wie im Flug. Meine Mutter kam jeden Tag vorbei und verbrachte ihre Freizeit mit mir. Wenn ich über das Essen klagte, brachte sie mir am nächsten Tag mein Leibgericht – Spaghetti Bolognese – mit ins Krankenhaus. Wenn ich über die Schlafanzüge in der Klinik schimpfte, hatte ich am nächsten Tag einen neuen von zu Hause. 

Und die ganze Zeit sagten mir meine Besucher, wie toll ich das mache. Und wie tapfer ich bin.  

Ich genoss diese Aufmerksamkeit, ich sonnte mich darin. Als Sandwich-Kind ist man das nicht gewohnt. Aber ich hatte auch ein bisschen ein schlechtes Gewissen, denn eigentlich leistete ich ja überhaupt nichts. Ich heilte einfach vor mich hin. 

Eines Abends fragte ich meine Mutter, warum mich Annabell nicht besuchen kommt. Und sie sagte in sehr ruhigen Worten zu mir: „Erinnerst Du Dich, dass Du nach dem Unfall erst einmal ganz lange geschlafen hast? Vier Tage lang?“ – „Nun ja. Annabell ist nie mehr aufgewacht!“ 

Ich sollte vielleicht lügen und behaupten, dass ich sehr geschockt war oder sehr traurig – aber in Wirklichkeit habe ich das einfach hingenommen. Ich war viel zu sehr mit mir selber beschäftigt und viel zu sehr darauf konzentriert, im Fokus all dieser Aufmerksamkeit zu bleiben. 

Nach drei Monaten kam ich wieder nach Hause. Ich hatte auf der Fahrt nach Hause erfahren, dass ich das Schuljahr wohl wiederholen müssen würde, das bereitete mir einigen Kummer. Andere Klasse, andere Kinder – ich hatte Angst.  

Aber zu Hause war jede Sorge und jede Angst sofort wie weg geblasen. Denn, mitten im Wohnzimmer stand Barbies Traumvilla. Und damit mein Traumspielzeug. 

Diesen Winter spielte ich ununterbrochen damit. Morgens, vor dem Frühstück ging ich ins Wohnzimmer und nach der Schule verbrachte ich jede freie Minute damit, bis ich ins Bett musste. 

Ich war ein absolut manisches Barbie-Mädchen. Alle meine Gedanken drehten sich nur um Barbie und ihr Haus. Ich bastelte Teppiche und Regale und tapezierte die Räume mit selbstgemalten Tapeten, ich baute einen kleinen Garten an mit einem echten Baum. 

Einen Balkon bekam das Häuschen natürlich auch. Barbie wurde natürlich älter und nicht immer lief mit Ken alles so rund – die beiden zickten sich manchmal über Tage an. Sehr zum Leidwesen von Sandy, die dann immer ausriss und überall im Haus gesucht wurde. 

Aber, um endlich auf eigenen Füßen zu stehen, machte sich Barbie selbstständig und eröffnete im Erdgeschoss einen Laden. Ziemlich emanzipiert für die Kleinmädchen-Phantasie einer Zehnjährigen im Jahre 1985, finde ich. 

Allerdings muss ich gestehen: Es war natürlich: Ein Friseursalon! Mit Stühlen aus Fimo und mit Trockenhauben aus Alufolie. Und auch wenn der Laden offiziell Barbie gehörte, so war ich doch diejenige, die den Kundinnen die Haare waschen musste und trocknen und föhnen. 

Ganz schöne Knochenarbeit! Sandy zum Beispiel, die kam mindestens drei Mal am Tag mit lächerlichen Änderungswünschen! Manchmal, wenn ich so auf den Barbie-Terminkalender kuckte, war ich wirklich heilfroh, dass wenigstens Ken keine Haare hatte, sondern eine Frisur aus Plastik! 

Man kann es nicht anders sagen: Ich war über Jahre besessen von Barbie und besessen von ihrer Traumvilla. Es war eine Sucht.  

Meine Eltern fanden das über lange Zeit toll und lobten meine Kreativität und Phantasie, aber als ich dreizehn wurde, da begannen sie sich so langsam Sorgen zu machen. In der Schule hatte ich keinerlei Probleme, aber ich vernachlässigte meine Kontakte zu den Freundinnen, die ich nicht mit dem Barbie-Virus anstecken konnte. 

Wahrscheinlich hätte ich mich mit 13 so langsam auch für Jungs interessieren sollen. Oder für Partys. Oder, spätestens mit 14. Aber ich blieb meiner Freundin Barbie treu und ich interessierte mich auch nicht dafür, wer in der Schule gerade mit wem ging oder wer sich gerade wieder einmal betrunken hatte. 

Ich hatte ganz andere Probleme. Denn Barbie hatte den Friseursalon aufgegeben, wahrscheinlich hatte Sandy alleine als Stammkundschaft nicht gereicht. Und jetzt, wo meine Freundinnen alle nicht mehr mit Barbiepuppen spielten, sondern mit Jungs – igitt! – brachen die Umsätze radikal ein! 

Darum baute sie erst eine Garage – na ja, das musste ich machen. Aus einem Schuhkarton. Und dann stellte sie sich aber nicht den Jeep von Mattel rein, der eigentlich für so eine junge Frau gedacht war. Sondern sie begann den Verkauf von Computern.  

Von Macintosh-Rechnern, um genau zu sein. Mein Vater hatte einen Kollegen mit einem Mac in der Arbeit und er war sich ganz sicher: „Das ist die Zukunft! Bald steht so ein Ding in jeder Zimmerei!“ 

Da lag es auf der Hand, dass auch Barbie in diese Branche investierte. Und deshalb bastelte ich tagelang kleine Macs aus Fimo. Und einen hat Barbie auch verkauft. An meinen Vater. Den stellte er sich ins Büro und war sehr stolz. Sagte mir sein Kollege. 

SFX: Interlude 3 

Doch als ich fünfzehn wurde, da bestanden meine Eltern darauf, dass ich die Ecke des Wohnzimmers mit Barbies Villa und ihrem Garten und dem Baum und dem Balkon und dem Computerladen endgültig räumen müsste. 

Das war kein Problem mehr, denn – um ganz ehrlich zu sein – meine Leidenschaft hatte nachgelassen. Nicht etwa, weil der Umsatz in Barbies Hardware-Shop miserabel war, sondern weil ich langsam tatsächlich andere Dinge für mich entdeckte. Obwohl, naja, so unter uns, der Umsatz war tatsächlich lausig! 

Ich entdeckte zum Beispiel, dass Erwachsene ein Leben führen, dass sie irgendwie vor uns geheim hielten. Der Besuch bei meinem Vater in der Zimmerei hatte mir das deutlich gemacht. Da war ich ein einziges Mal in meinem Leben. Und meine Geschwister, glaube ich, nie. 

Meine Mutter erzählte auch nie von ihrem Job als Kindergärtnerin, aber ich wusste, dass sie – wenn keine Kinder in der Nähe waren – miteinander durchaus darüber redeten. 

Wenn aber wir Kinder da waren, dann drehte sich das Gespräch immer nur um unsere Sorgen und Nöte. Und selbst in der Phase, als sie sich gesorgt hatten, dass ich Barbie-abhängig war, interessierten sie sich trotzdem für alle meine Umbaupläne. 

Also stöberte ich eines Nachmittags durch das Haus und suchte nach Spuren vom geheimen Leben meiner Eltern. Ich war alleine und ich war sehr, sehr neugierig.  

Die meisten offiziellen und langweiligen Sachen verschwanden in einer großen Kommode im Wohnzimmer. Die Schubladen waren verschlossen, aber das „Geheimnis des Schlüssels“ wurde in der Familie von einem Kind zum anderen weitergereicht. 

Also öffnete ich erst eine Schublade und fand faszinierende Dinge. Eine Armbanduhr zum Beispiel, die mein Vater zur Konfirmation bekommen hatte. Mit einer Gravur: „Wir sind stolz auf Dich. Mutti und Vati“ 

Ein Fotoalbum von der Hochzeit meiner Eltern: Mein Gott, waren die jung! Die schauten auch nicht anders aus als die Jungs und Mädel, die bei mir in die Kollegstufe der Schule gingen! 

Ein alter Reisepass von meiner Mutter. Und darin waren ganz, ganz viele Stempel. Meine Mutter war vor der Ehe durch die halbe Welt gereist! Jugoslawien, Türkei, Persien, Afghanistan, Indien. Und auch: Polen, Tschechoslowakei, Russland! Und jedes Land hatte einmal in den Pass gestempelt. 

Noch aufregender waren aber die Briefe. Da waren mehrere Stapel mit Briefen und natürlich war ich viel zu neugierig, um da nicht hinein zu schauen. 

Ein Kuvert war dicker als die anderen. Und in dem Kuvert waren: Ein Autoschlüssel. Von dem Wagen, der bei dem Unfall zerdrückt wurde. Und ein Arztbrief, der den Trümmerbruch vom Handgelenk meiner Mutter beschrieb. Und Schreiben von der Versicherung, dem Krankenhaus, der Schule, dem Kindergarten, dem Autohaus, dem Gutachter, den Sanitätern und der Polizei. 

Und ein Kuvert mit einem schwarzen Rahmen drum rum. Das war eine Einladung zur Beerdigung von Annabell. Meiner besten Freundin. Und dazu noch ein Brief. Von Annabells Vater. 

Er schrieb: „…und auch, wenn wir die Trauer kaum ertragen, haben wir niemals Ihrer Frau auch nur die geringste Verantwortung gegeben. Sie hatte an dem Unfall keinerlei Schuld, die Umstände sind eindeutig. 

Sie werden lachen, wenn sie hören, dass wir beide sehr religiös geworden sind nach dieser Katastrophe. Wir beten jeden Tag, dass ihre Tochter wieder gesund wird und ihre Gesundheit wieder voll hergestellt wird. 

Sie waren uns beiden in den letzten Tagen eine wertvolle Stütze und Hilfe. Meine Frau und ich würden uns sehr wünschen, wenn sie auch bei der Bestattung für uns da sein könnten…“ 

Wie ich das las, brach für mich die Welt zusammen. Ich hatte in all den Jahren seit dem Unfall nicht ein einziges Mal daran gedacht, wie das wohl für meine Mutter war oder meinen Vater. Wie schlimm das für meine Mutter gewesen sein muss, das Auto zu lenken, in dem ein Mensch sterben musste. Die beste Freundin ihrer Tochter… Nicht ein Gedanke! 

Und ich hatte niemals an Annabell gedacht, die ja wirklich meine allerbeste Freundin war und beerdigt wurde, als ich noch im Bett lag und mich von den Operationen erholen musste. Ich kam zurück in eine Welt ohne Annabell und ich merkte das nicht einmal. Denn ich hatte ja Barbie. 

Und natürlich hatte ich in keiner Minute an Annabells Eltern gedacht, die vor dem Unfall für mich wie mein Onkel und meine Tante gewesen waren und die ich danach nur noch kurz und schüchtern grüßte, wenn ich sie auf der Straße sah. 

Aber das hatten sie mir mit keiner Silbe übel genommen. Alle um mich herum hatten mich mit Barbie spielen lassen, bis ich alt genug war, um den Tatsachen wieder ins Auge zu sehen. 

Und dieser Moment war jetzt gekommen. Jetzt, wo ich ohne jede Erlaubnis in Sachen stöberte, die mich nichts angingen. Jetzt, wo meine Freundin Barbie in ihrem Haus auf dem Speicher lag, weil ich nicht mehr mit ihr spielen wollte. 

In dieser Nacht holten mich alle Bilder und Geräusche vom Unfall wieder ein. Ich hörte meine Mutter kreischen, bevor die Bremsen kreischen und bevor das Metall kreischt. Bevor die Luft von Glassplittern erfüllt ist und ich mir am Vordersitz alle Rippen und die Schlüsselbeine zerbreche. Bevor Anabell sich um den Beifahrersitz wickelt, in der Mitte falsch herum durchgebrochen. Zu all dem Horror kam das entsetzliche Kreischen meine Mutter. 

Ich war, genau in dem Moment, als ich im Krankenhaus aufgewacht war, zu meiner Freundin Barbie gezogen. Gemeinsam haben wir fast fünf Jahre lang in ihrer Traumvilla gelebt. Sie hat mir sogar erlaubt, ihr Haus zu gestalten und ihr eine Arbeit zu suchen und mich in ihr Privatleben einzumischen. 

Doch das Wertvollste, was sie für mich getan hat, war es, mir zu ermöglichen, doch noch eine Kindheit zu haben. Barbie hat sich meiner angenommen und beschützt, bis ich alt genug war, um die Wahrheit zu ertragen. Genau wie meine Eltern auch. 

Heute ist Barbie nicht mehr wichtig als Spielzeug. Hätte meine Tochter die Traumvilla gewollt, ich hätte sie sofort gekauft! Und mich selber gefreut. Aber sie brauchte keine Traumvilla. Sie brauchte nicht einmal eine Barbie. Und vielleicht ist das eine gute Nachricht. 

Ich werde dieser kleinen Blondine aus Plastik trotzdem ein Leben lang dankbar sein, dass sie mir meine Kindheit bewahrt hat. Und für mich da war, als meine Freundin Annabell mich verlassen musste. Weil sie in unserem Auto sterben musste… 

Danke, Barbie.


Ähnliche Geschichten:

  • Emma hassen
  • Wenn an der Schwangerschaft die kleine Familie zerbricht, kann man es dann der Tochter nicht nachsehen, dass sie die neue, kleine Schwester einfach hassen will?
  • Der siebente Onkel
  • Ein vietnamesischer Arzt erzählt aus seiner Kindheit und von der Flucht seiner Familie in einem kleinen Boot.
  • Was willst Du jetzt?
  • Was Sven sagt, ist wahr. Und wenn es noch nicht Realität ist, dann ändert sich das. Was wohl diese besondere Frau zu dieser Fähigkeit sagt?