Ausgegöttert!



Wenn man der oberste aller griechischen Götter ist, dann kann man sich keine Blöße erlauben! Dann muss das schon klappen mit dem Blitzeschleudern – sonst gibt’s wieder Gerüchte im Olymp! Aber auch Zeus kommt in die Jahre.

Und er ist irgendwie mit der Gesamtsituation unzufrieden. Es fehlt den Sterblichen da unten irgendwie die richtige Frömmigkeit. Und das Wetter macht auch nicht mehr das, was der Gott der Stürme sich so vorstellt!

Er diskutiert die Sachlage mit seiner Tochter, Aphrodite, und die beiden ziehen aus ihrer Analyse drastische Konsequenzen!


Download der Sendung hier.
Musiktitel: “Les Aphrodites“ von Carole Masseport / CC BY-NC-SA 3.0


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Die Geschichte zum Lesen

HW: (stöhnt vor Anstrengung)

FA: Hi Zeus!

HW: Ah! Du bist’s!

FA: Das ist aber eine schöne Begrüßung!

HW: Sorry!

FA: Was machst Du denn gerade für komische Sachen?

HW: Was soll ich schon machen? Ich kuck runter auf die Welt der Sterblichen. Wie halt jeden Tag.

FA: Das sah aber ganz anders aus!

HW: So so. Und wie sah das aus?

FA: Es sah so aus, als wolltest Du einen Deiner Blitze schleudern! So sah das aus!

HW: Pah! Wollte ich nicht!

FA: Ah, ich glaube schon. Ich habe gesehen, wie Du Deine Arme ausgebreitet hast und versucht hast, einen Deiner Blitze zu erschaffen.

HW: Hab‘ ich nicht!

FA: Ach Zeusilein! Ich kenne Dich doch seit Anbeginn der Zeit! Ich habe Dich schon so oft gesehen, wie Du Blitze schleuderst! Mir kannst Du nichts vormachen! Klar wolltest Du das! Haben Dich die Sterblichen wieder einmal angepisst, oder was? Ich verstehe echt nicht, warum Du Dich immer so aufregen musst wegen denen. Ehrlich – mein Gott, das sind doch nur Sterbliche, was erwartest Du denn? Die sind im Prinzip dazu gebaut, dauernd Ärger zu machen! Entspann Dich, Zeus. Chill Dein Leben, Alter!

HW: (genervt) Aphrodite, was willst Du?

FA: Ich? Nichts!

HW: Du kommst immer nur, wenn Du ‚was willst. Also, was willst Du?

FA: Warum hat’s nicht geklappt?

HW: Was hat nicht geklappt?

FA: Na, das Blitzeschleuder-Dingsi halt. Du fuchtelst theatralisch mit den Armen rum und stöhnst wie ein alter Sterblicher mit Hämorrhoiden, aber zu sehen war nichts. Kein Blitz, kein Donner. Ich habe nicht einmal ein paar Funken gesehen!

HW: Wie bitte?

FA: Du hast mich schon verstanden – also, warum klappt’s nicht mehr?

HW: Ich weiß nicht, wovon Du faselst!

FA: Oh, mein Gott! Entschuldige das Wortspiel. Aber hast Du etwa Deine… Na, deine Potenz verloren?

HW: Nein! Hab‘ ich nicht!

FA: Oh, mein König aller Götter! Wer hätte gedacht, dass das überhaupt möglich ist! Jahrtausende lang hast Du Deine Blitze auf die Sterblichen abgefeuert und plötzlich geht nichts mehr!

HW: Könntest Du bitte leiser reden?

FA: Aber das macht doch nichts, Zeusilein! Das passiert allen Männern früher oder später!

HW: Ich bin aber kein Scheiß-Mann! Ich bin ein Gott!

FA: Klar, weiß ich doch. Weiß ich doch… Darum hat’s wahrscheinlich auch so lange geklappt. Weil Du halt ein göttlicher Motherfucker (Gott) bist. Und nicht einer von… von…

HW: Einer von was?

FA: Na ja, einer von DENEN. Denen da unten. Den Sterblichen. Zur Zeit lassen wir die so um die Siebzig werden, oder? Na ja, und früher oder später, da verlieren die das alle… Na ja, DAS halt. Bei manchen fängt es sogar schon in frühen Jahren an. Glaub‘ mir, ich bin die Göttin der Liebe, ich weiß genau, wovon ich rede!

HW: Ich habe aber nicht meine… Also, ich habe aber nicht DAS verloren! Ich bin nur ein bisschen müde, das ist alles!

FA: Na ja, das ist eigentlich nicht überraschend. Wann hast Du eigentlich das letzte Mal den Olymp verlassen und warst einmal da unten? Poseidon meinte neulich, er hätte Dich das letzte Mal 1892 gesehen.

HW: Pff! Poseidon! Was hat der denn zu melden?

FA: Also, warum gehst Du nicht ‚mal wieder runter? Kannst ja wieder eine Sterbliche schwängern, das war doch früher ein richtiges Hobby von Dir, oder?

HW: Einer muss auf den Haufen da unten ja aufpassen! Macht ja sonst keiner! Und die werden immer schlimmer. Früher, da konnte ich so jemanden wie Herkules auf die loslassen und dann war, nach einiger Zeit, das dauernde Kriege führen vorbei. Heute…

FA: Mein Gott, da hat dann wenigsten Ares ‚was zu tun!

HW: So funktioniert das doch nicht! Der Gott von etwas zu sein, bedeutet ja nicht, dass man das tagaus, tagein ausüben muss. Ares ist der Gott des Krieges und nicht der täglichen Streitereien, verstehst Du?

FA: Ich verstehe, was Du sagen willst, Zeus. Ich höre Dich. Ein paar von uns müssen aber das, wovon sie Gott sind, einfach täglich ausüben. Was wäre ich denn zum Beispiel für eine Göttin der Liebe, wenn es nur alle paar hundert Jahre Liebe gäbe? Hm?

FA: (Off) Schau Dir diesen Sterblichen doch nur einmal an! Der verbreitet die ganze Zeit Liebe!

HW: (Off) Ja, klar. Bis ihm seine Frau auf die Schliche kommt!

FA: Ach, Zeusilein! Du bist aber heute mies drauf! Was ist denn Dein Problem?

HW: (seufzt schwer) Ach, keine Ahnung. Wahrscheinlich war es einfach schon der erste Fehler überhaupt, die Pandora überhaupt die Büchse aufmachen zu lassen. Ich meine, jetzt schau Dir nur einmal den Verhau da unten an!

FA: Na ja, eigentlich… Ich meine, man müsste doch annehmen, dass Krankheit, Tod, Krieg, Armut, Schmerz, Hass, Neid, Geiz und Zigaretten die Menschheit vernichten würde, oder? Und? Die Sterblichen nehmen das und leben ihr Leben einfach trotzdem! Das ist doch eigentlich irgendwie liebenswert, oder?

HW: Kannst Du Dich noch an den Anbeginn der Zeit erinnern, Aphro? Die Menschen hatten einen Riesenschiss vor uns! Und vor dem, was wir ihnen antun können. Damals war es ein Kinderspiel, den Haufen da unten zu verwalten. Und? Heute? Wer hat heute noch vor uns Angst?

FA: Ja, die Zeiten haben sich geändert!

HW: Geändert? Die haben aus dem Planeten einen Müllhaufen gemacht!

FA: Die Sterblichen sind halt erwachsen geworden!

HW: Früher, da war alles einfacher! Wenn es da eine Hungersnot gab, dann war halt der Gott daran schuld, der halt für den Erntekram zuständig ist…

FA: Demeter.

HW: Meinetwegen. Demeter. Eben. Übrigens, wo ist die denn eigentlich? Die habe ich schon seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen.

FA: Die hat sich zur Ruhe gesetzt.

HW: Wie bitte?

FA: Ja, die Menschen haben das mit der Landwirtschaft selber im Griff. Da hat sie sich zur Ruhe gesetzt. Führt, glaube ich, da unten ein Lebensmittel-Label…

HW: Da siehste’s! Davon rede ich! Früher, wenn sie Hunger litten, dann, weil Demeter ihnen die Ernte verhaut hat. Heute machen die mit ihrer Scheiß-Technologie eine 1A-Göttin wie Demeter einfach überflüssig! Wie soll das denn noch enden, bitte schön?

FA: Ach, ich weiß nicht. Ich sehe das nicht so schwarz. Ich habe ordentlich zu tun. Das sind 7 Milliarden Menschen, da gibt es viel Liebe!

HW: Ach was! Liebe! Das ich nicht lache! Ich sehe nur Hass und Neid und Gier! Ich habe die Nase voll von denen! Ich werde…

HW: (stöhnt)

SFX: Britzeln

FA: Ach je! Du hast ja wirklich Dein… Dein Dings, Dein ES verloren! Das ist ja furchtbar! Vielleicht sollten wir uns Hilfe holen? Wer ist denn noch einmal der Gott der Stürme?

HW: Ich! Ich bin der Gott der Stürme!

FA: Wirklich? Ich dachte Du wärst der König der Götter.

HW: Bin ich auch! Ich kann halt Multi-Tasking!

FA:(Off) Ach ja? Und wer ist für diesen Riesen-Hurricane da unten zuständig?

HW: (Off) Pfft! Natürliches Auftreten.

FA: Was für ein Ding?

HW: Natürliches Auftreten. Weil es nicht reicht, dass die Sterblichen alles kaputt machen, fängt die scheiß Natur jetzt auch einfach an, zu machen, was sie will!

FA: Wow! Das war mir nicht klar, dass es schon so weit gekommen ist!

HW: Ach, Aphrodite! Ich kann Dir nur sagen, dass ich manchmal frage, ob das alles überhaupt noch Sinn macht!

FA: Oh! Das klingt ja richtig ernst! Aber Du machst hoffentlich keine Dummheit?

HW: Häh? Dummheit wie zum Beispiel?

FA: Na, Dich umzubringen, meine ich.

HW: Ich bin unsterblich! Vergessen? Wir sind alle unsterblich hier!

FA: Oh, äh stimmt ja!

HW: Das meine ich nicht. Ich meine, einfach den Beruf an den Nagel zu hängen.

FA: Wie? Du meinst, nicht mehr der König der Götter zu sein.

HW: Erwäge ich ernsthaft, Aphrodite.

FA: Das kannst Du nicht machen, Zeusilein! Wir brauchen Dich doch!

HW: Pah! Keiner braucht mehr Götter, Aphro. Schau‘ doch einmal da runter! Die brauchen uns nicht! Die brauchen uns schon lange nicht mehr! Die opfern uns schon seit Jahrtausenden keine Erstgeborenen oder Jungfrauen mehr!

FA: Das war ja aber auch eine blöde Idee!

HW: Die opfern uns nicht einmal mehr einen Schokoriegel! Die haben jetzt Wissenschaft. Und Bildung. Und moderne Medizin. Statt uns! Die kriegen nicht einmal mehr bei einer totalen Sonnenfinsternis Angst! So schaut’s doch aus! Die verehren uns nicht mehr! Nix, nada!

FA: Ja, und wen verehren die dann?

HW: Was weiß ich denn? Kim Kardashian; YouTube-Stars, die Kosmetik verkaufen; Dieter Bohlen; Dschungelcamp oder meinetwegen so einen wie Justin Bieber.

FA: Was? Im Ernst?

HW: Ja, das sind heute nicht mehr Gläubige, sondern Follower, aber im Prinzip ist das trotzdem dasselbe.

FA: Das ist ja furchtbar!

HW: Die Mehrheit der Sterblichen da unten ist sowieso der Meinung, dass es uns überhaupt nicht gibt.

FA: Oh je. Jetzt muss ich mich aber erst einmal setzen. Mir ist ganz schwindelig…

HW: Tja. Das ist uns alles einfach aus dem Ruder gelaufen. Ich würde sie ja vom Angesicht des Planeten fegen, aber…

SFX: Britzeln.

HW: Aber ich habe die Macht über sie verloren.

FA: Ich hatte ja keine Ahnung, wie schlimm die Dinge stehen. Ich meine – klar, die waren hinter der ganzen Umweltverschmutzung schwieriger zu erkennen, aber ansonsten: Ich würde sogar sagen, noch nie wurde so viel und so oft Liebe gemacht wie heute!

HW: Ach, Aphro, Du naives Ding! Wenn die sagen „Liebe machen“, dann meinen die doch nicht Liebe, sondern Sex. Das kommt zwar manchmal miteinander, aber nicht unbedingt, eher selten. Und die Sterblichen haben nur mehr Sex als früher. Selbst, wenn es nur mit sich selber ist.

FA: Oh, meine Göttin! Äh, sorry, war keine Absicht. Meinst Du, ich habe mein… das Dingsi… also DAS auch verloren? Und es gar nicht gemerkt? Romantik ade? Weil ich nicht aufgepasst habe?

HW: Ich glaube, wir müssen einfach festhalten, dass wir Götter überflüssig geworden sind. Und uns vielleicht anderen, nicht so anspruchsvollen Aufgaben zuwenden.

FA: Ach. Wie zum Beispiel?

HW: Na ja, wenn ich ehrlich bin… So unter vier Augen – aber Du musst versprechen, dass Du’s niemandem erzählst! Vor allem nicht Poseidon! Versprichst Du das?

FA: Meine Lippen sind für Äonen versiegelt!

HW: Na ja, ich könnte mir vorstellen, dass ich ein prima Kneipenbesitzer wäre!

FA: (lacht) Du machst doch wohl Witze, oder?

HW: Nein! Wieso denn? Ich liebe zum Beispiel die Vorspeisenteller beim Griechen! Ich würde gerne einfach eine Kneipe haben, in der es so leckere griechische Vorspeisensachen gibt. Und nach dem Essen spendiere ich jedem Gast noch einen Ouzo!

FA: Pfui Bää!

HW: Was denn? Das ist großzügig! Wir müssen uns Zeus als großzügigen Kneipenbesitzer vorstellen!

FA: Das ist aber schon ein bisschen ein sozialer Abstieg, oder? Vom König der Götter zum mittelmäßigen Kneipenbesitzer?

HW: Pah, Scheiß drauf! Wenn ich denen einen leckeren griechischen Salat und eine Flasche Retina hinstelle, dann werden sie mehr Dankbarkeit zeigen als sie das jetzt tun, oder?

FA: Und sie würden dafür auch opfern, oder?

HW: Genau! Und zwar Euros! Harte Euros! Und nicht Kinder- oder Frauenleichen! Das war ja wirklich der schiere Unsinn!

FA: Das klingt nicht schlecht!

HW: Machst Du mit?

FA: Hm. Ach, was zum Hades! Ich mache mit! Lass‘ uns den Scheiß hier endlich vergessen! Wir steigen vom Olymp und mischen uns unter die Sterblichen und haben einfach noch ein paar Jahrtausende Spaß!

HW: Genau! Wo sollten wir denn unsere Kneipe eröffnen?

FA: Wie wäre es mit Santorin? Das hat mir immer gut gefallen!

HW: Viel zu viele Berge! Das ist das reine Gift für meine Knie! Und ich dachte nicht an Griechenland, eher eine Gegend, wo man Mezze nicht so gewohnt ist.

FA: Und wo nicht so viel Sonne scheint. Das hat mir immer den Teint ruiniert.

HW: Ich wäre für einen Ort im Ruhrpott – da werden uns die anderen Götter niemals vermuten!

FA: Gut, das passt mir auch. Wie wäre es mit Duisburg?

HW: Prächtig!

FA: Und wie nennen wir die Kneipe denn dann?

HW: Das ist ganz einfach! Habe ich mir schon überlegt. Ich habe da eine Idee, die genau auf die modernen Sterblichen passt!

FA: Und zwar?

HW: Narcissus! Wir nennen unsere Kneipe Narcissus!

FA: Tolle Idee! Dann lass uns anstoßen auf unsere Kneipe!

HW & FA: Jamas!