Apokalypsenarbeiter

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Eines der Bücher der Bibel ist ja komplett dem Weltuntergang gewidmet. Die „Offenbarung des Johannes“, gerne auch „Apokalypse“ genannt. Dort werden die Arbeitsstellen der vier apokalyptischen Reiter detailliert beschrieben. Doch heute müssen da wahrscheinlich ein paar Beschäftigungsverhältnisse aufgelöst werden – auch im Himmel gibt es Sparmaßnahmen!


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Musiktitel: „Dark Horse“ von Bella Ruse / CC BY-NC-ND 3.0

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Die Geschichte zum Lesen

Die Zeiten im Himmel sind auch nicht mehr die, die sie mal waren. Die ganzen Austritte sorgen dafür, dass auch Gott an seinem Team Einsparmaßnahmen durchführen muss. Downsizing in Heaven. Und mit dieser unangenehmen Aufgabe betreut ist der Erzengel Gabriel. Macht ihm aber ziemlich Spaß.

Wir sehen ihn also in seinem weißen T-Shirt und den abgetragenen Jeans in seinem Büro sitzen. Seine Füße mit den Hippie-Flipflops liegen auf dem Schreibtisch. Er hat ein iPad in der Hand und raucht eine Selbstgedrehte.

Gabi: „Der Nächste!“ & „Bitte!“

Die Tür öffnet sich. Die Gestalt, die das Büro betritt, trägt Lumpen und ist mit Geschwüren und eitrigen Wunden übersät. Langsam humpelt sie an den Tisch und setzt sich.

Pest: (stöhnt)

Gabi: Wow. Also, ich muss schon sagen… Du schaust echt scheiße aus!

Pest: Danke. Ich fühl‘ mich auch echt nicht gut. Ich dachte schon, ich schaff’s nicht.

Gabi: Schön, dass Du trotzdem da bist. Pest: Gabi, dass mit dem Rauchen solltest Du echt lassen. Kriegt man Krebs davon…

Gabi: Pesti, ich bin ein Erzengel. Remember? Unsterblich und so.

Pest: Bist Du Dir ganz sicher. (niest laut)

Gabi: Gesundheit.

Erzengel Gabriel drückt seine Kippe aus.

Gabi: Also, Pesti, wir müssen Personal einsparen. Euer Team wird runtergesized. Ich muss ein paar von euch feuern, sorry. Die Kohle reicht kaum noch für Armageddon, tut uns echt leid.

Pest: Ach. Echt. Das issja schade. Aber auf mich könnt ihr nicht verzichten, das ist Dir ja klar. (hustet)

Gabi: Ach. Wieso?

Pest: Na, ich bin schon von Anfang an dabei. Ich bin vom Boss gleich nach dem Sündenfall eingesetzt worden. Gabi: Und?

Pest: Na, alleine die Abfindungen. Nach fast 6000 Jahren Verbeamtung! Hast Du das ‚mal ausgerechnet?

Gabi: Hm. Pest: Du, Gabi?

Gabi: Ja.

Pest: Kann ich ‚mal Deinen Papierkorb haben?

Gabi: Klar. Wieso denn?

Pest: Mir ist plötzlich so übel, ich glaub, ich muss… (würgt)

Gabi: Was? Spinnst Du? Gib‘ wieder her! Du kannst doch nicht in meinen Papierkorb reihern! Reiss‘ Dich gefälligst zusammen.

Pest: Gut. Kann ich mich dann hier auf die Couch legen?

Gabi: Von mir aus.

Pest: (stöhnt ins Off)

Gabi: Der Nächste!

(Pause)

Gabi: Der Nächste, BITTE!

Die Tür öffnet sich. Eine extrem abgemagerte Figur schleppt sich mühevoll an den Schreibtisch.

Gabi: Hallo! Schön, dass Du da bist. Ich hab’s Pesti schon gesagt. Wir müssen sparen. Und ich muss ein paar von euch entlassen.

Hunger: Echt. Schade. Kann ich den Schokoriegel da haben?

Gabi: Was? Klar, hier, nimm!

Hunger (mit vollem Mund): Und wen genau? Weil, auf mich kannst Du ja wohl nicht verzichten.

Gabi: Ach, auf Dich auch nicht?

Hunger: Klar. Ich bin einer der vier apokalyptischen Reiter!

Gabi: Das sind die anderen drei auch!

Hunger: Ich habe schon Milliarden Menschen in den Wahnsinn und den Hungertod getrieben! Ich bin grausamer und fieser als alle anderen!

Gabi: Meinst Du?

Hunger: (schmatzt) Klar. Meinst Du, wir könnten uns eine Pizza kommen lassen?

Pesti (aus dem Off): Viel zu fett. Kriegst Du Herzinfarkt von…

Gabi: In den Himmel? Wie soll das denn gehen?

Hunger: Oder Tacos! Tacos wären auch toll!

Gabi: Oh je. Warte mal. Ich hab‘ hier in der Schublade noch… Wo sind sie denn. Ah. Da. Hier. Das sind Gummiteufelchen. Sind halt schon ein bisschen alt.

Hunger: Das macht nichts, danke Dir!

Pesti: Pfui Geier. Hast Du schon ‚mal was von Karies gehört?

Gabi: Mann, Mann, Mann, ihr seid echt ein fertiger Haufen!

Die Tür wird geöffnet. Ein breitschultriger Mann mit einem antiken Helm und einer AK47 stürmt wütend in den Raum.

War: Sag‘ ‚mal, wie lange willst Du mich eigentlich noch warten lassen, Du Amtsschimmel! Ich sitze das draußen schon die ganze Zeit ‚rum und warte! Wer denkst Du, dass Du bist? Hä?

Gabi: Ach, Krieg! Hi! Setz‘ Dich erst einmal. Die beiden anderen sind eh‘ gerade beschäftigt. Einer kaut Gummiteufelchen und der andere reihert in die Ecke. Das ist ja ein tolles Team.

War: Ach, ihr seid auch da! Hallo, ihr Dilettanten! Hunger: (mit vollem Mund): Hi, Krieg!

Pesti: Du hast da einen ganz seltsamen Fleck am Oberarm. Bist Du sicher, dass das kein Melanom ist?

War: Red‘ kein Blech, Du Hypochonder! Um was geht’s hier, Gabi?

Gabi: Einsparmaßnahmen. Wir müssen die Apokalypse downsizen. Das war ja ‚mal als so eine Riesensause gedacht. Aber jetzt versuchen wir, das ein bisschen zu reduzieren.

War: Da hätte ich eine tolle Idee!

Gabi: Ach?

War: Ja. Das mit dem Reiten und mit den Pferden, das ist ja total von gestern. Wir sparen uns den Stall und die Pferde und das Stallpersonal. Sind ja laufende Kosten, die addieren sich ja auch.

Gabi: Weiter!

War: Und stattdessen kaufen wir uns einen Panzer! Das macht ‚was her!

Gabi: Einen Panzer?

War: Ja! Den könnten wir auch cool anmalen, wenn wir wollen!

Gabi: Die vier Panzerfahrer der Apokalypse?

War: Genau. Cool, oder?

Gabi: Nein. Das ist überhaupt nicht cool! Stattdessen werden wir ein paar von euch entlassen.

War: Ja, schmeiss‘ die zwei Pfeifen da raus! Deren Paar Leichen kann ich auch noch übernehmen. Jetzt, wo’s Atombomben gibt, ist das kein Pensum mehr, vor dem ich Angst hätte.

Gabi: Ach, und Dich soll ich behalten? Du stinkst hier seit Kain und Abel den ganzen Himmel voll mit Testosteron und Schweiß. Du warst mir immer schon ein Dorn im Auge! Bloß, weil Michael so auf Dich abfährt…

War: Was? Frechheit! Du Streberengel, Du lächerlicher! Ich fordere Dich zum Duell auf!

Gabi: (genervt) Oooch. Ich bin ein Erzengel, Du Pfeife! Rechte Hand Gottes und so.

War: Pah! Na und!

Gabi: Du setzt Dich jetzt auf die Couch da und hältst die Klappe!

War: Aber…

Gabi: Klappe!

War: Aber…

Gabi:Klappe!

War: Aber…

Gabi: Sch!

War: Aber…

Gabi: Sch!

Keine Tür öffnet sich. Auf einmal steht mitten im Raum ein Skelett. In einem schwarzen Umhang. Mit einem Rasenmäher. Es wird sehr still und kalt im Raum. Hunger kaut Gummiteufelchen. Man kann das hören.

Gabi: Ah! Tod! Hi! Wow – cooler Rasenmäher! Was ist aus der Sichel geworden?

Tod: Man muss auf der Höhe der Zeit bleiben, oder?

Gabi: Ganz genau! Du, Todi, wir haben da ein Problem. Wir müssen ein paar von euch leider rausschmeissen. Das ganze Konzept mit diesem Armageddon ist nicht mehr zeitgemäß. Und auch zu teuer. Tod: Verstehe. Na, auf mich kannst Du ja wohl nicht verzichten, oder?

Gabi: Auf Dich auch nicht. Wieso?

Tod: Zwei Gründe. Erstens sind die anderen ohne mich völlig nutzlos. Kriegsopfer, Hungeropfer und Kranke: Am Schluss hole ich sie mir. Ohne mich nur Leid ohne Ende.

Gabi: Das leuchtet ein. Und der zweite Grund?

Tod: Ich kann euch beim Sparen helfen.

Gabi: Wie denn?

Tod: Ich kann das Problem mit den Abfindungen lösen.

Keine Ahnung, wie, aber: Tod zwinkert Gabriel aus seinen leeren Augenhöhlen zu.

Gabi: Ah… Verstehe! O.k. Ausgemacht!

Der Tod macht eine ausschweifende Armbewegung und plötzlich sind Krieg, Hunger und Pestilenz tot.

Tod: So. Das wäre erledigt.

Gabi: Das spart mir einen Haufen Aktenkram! Danke, Tod!

Tod: Kein Problem!

Gabi: Sag‘ mal, meinst Du, wir könnten uns echt im Himmel eine Pizza bestellen?


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