10 Tage im Irrenhaus


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Elizabeth Cochrane Seaman hieß die Journalistin, die als Nelly Bly weltberühmt wurde. Sie gilt als die Erfinderin der Undercover-Reportage.

Und das rührt daher, dass sie sich zehn Tage lang als psychisch kranke Frau in eine Irrenanstalt (Lunatic Asylum) hat einsperren lassen.

In der heutigen Sendung berichtet sie einem britischen Kollegen von ihren Erfahrungen.


Download der Sendung hier.

Kostenloses eBook (epub, pdf, azw, mobi): “10 Days in a mad house” von Nelly Bly

Musiktitel: „Nelly Bly“ von den Pheasant Pluckers


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Die Geschichte zum Lesen

HW: Hallo! Entschuldigung, falls ich Sie störe, aber Sie sind doch Ms. Bly, oder?

FA: Bin ich. Und wer will das wissen?

HW: Ich. Also, mein Name ist George Earle Buckle. Von der „Times“. Der London „Times“.

FA: Ein Brite besucht die Neue Welt. Gefällt Ihnen New York denn, Mr. Buckle?

HW: Nun, es ist auf jeden Fall anders als London.

FA: Inwiefern?

HW: Ich würde sagen, es ist bunter. Und lauter. Und schmutziger.

FA: Bunter?

HW: Nun, erstens sieht man Menschen vielfältiger Herkunft auf den Straßen, auch mischen sich die Klassen auf den öffentlichen Plätzen und dann wäre drittens noch die Werbung zu erwähnen, mit der ihr Amerikaner die Straßen zuklebt.

FA: Verstehe. Das leuchtet mir ein. Was kann ich denn für den vornehmen Briten aus dem Empire tun?

HW: Nun, Ms. Bly, ihr Herausgeber, ein gewisser Mr. Pulitzer hat mich an Sie verwiesen. Ich plane eine Reihe von Reportagen über Amerika und wollte Eine vielleicht dem Umgang mit nervlich angegriffenen Menschen widmen.

FA: Ach, Sie meinen mit Irren?

HW: Das ist keine sehr gelungene Wortwahl, denke ich. Was meinen Sie?

FA: Und dann hat Joseph gesagt: Gehen Sie zu Nelly, das ist unsere Irre hier in der Redaktion!

HW: Tatsächlich war die Formulierung Ihrem Vorschlag nicht unähnlich. Aber selbst in der Alten Welt ist ihr Buch „10 Tage im Irrenhaus“ durchaus bekannt. Und ich würde Sie gerne zu Ihren Erfahrungen interviewen. Gönnen Sie mir eine Viertelstunde Ihrer Zeit?

FA: Wenn Sie mir so schmeicheln, kann ich nicht „Nein“ sagen. Passt es Ihnen jetzt sofort?

HW: Jetzt sofort wäre ausgezeichnet. Moment, ich hole nur mein Notizbuch hervor.

FA: Arbeiten bei der „Times“ eigentlich Frauen in der Redaktion, Mr. Buckle.

HW: Äh, wie bitte? Durchaus.

FA: Sie weichen aus. Gibt es bei der Times weibliche Redakteure, Mr. Buckle?

HW: Doch, gibt es, Ms. Bly. Zielt Ihre Frage auf eine spezielle Absicht?

FA: Nun, ich weiß, dass es bei Ihnen keine Redakteurinnen gibt, es sei denn, es geht um Hausarbeiten oder Mode. Stimmt doch?

HW: Stimmt, Ms. Bly.

FA: Na ja, in den Staaten sind wir da auch noch nicht viel weiter. Ich selber habe jahrelang über Mode geschrieben und ich wäre beinahe vor Langeweile verendet. Also schlug ich Joseph vor, ich mache eine ganz spezielle Reportage. Über das Irrenhaus.

HW: Wie kamen Sie auf diese Idee?

FA: Nun, es gab Gerüchte, dass dort mit den Menschen nicht gerade anständig umgegangen wird. Und ich konnte das Beschriebene eigentlich nicht glauben. Also wollte ich mehr wissen. Meine Idee war, selber eingewiesen zu werden. Ins Irrenhaus. Das liegt in New York auf Blackwell’s Island, schön weit weg von den geistig Gesunden. Und es gibt, hier in New York, eigentlich nur Gerüchte darüber, was dort geschieht. Aber es gibt diese Redensart: „Die Fähre bringt Dich nach Blackwell’s Island, aber sie fährt Dich niemals mehr zurück!“

HW: Und so haben Sie für diese Story die Undercover-Reportage erfunden.

FA: Ja, die „World“ ist noch jung und Joseph für Neues offen. Aber eigentlich dachte ich, ich schaffe es gar nicht, eingeliefert zu werden. Wie spielt man denn eine seelische Erkrankung vor?

HW: Und? Wie macht man das?

FA: Ich habe erst einmal vor dem Spiegel irre Blicke geübt. Wenn man weit in die Ferne glotzt und wenn man die Gesprächspartner niemals anschaut, dann wirkt das schon recht irre. Ich habe auch dafür gesorgt, dass meine Garderobe leicht derangiert wirkte. Und dann habe ich die ganze Nacht Gruselgeschichten gelesen, um nicht zu schlafen.

HW: Und wie sind Sie dann vorgegangen?

FA: Schritt eins meines Plans war ein Obdachlosenasyl für Frauen in der Second Avenue. Hier musste ich zum ersten Mal die Irre inszenieren. Aber die Matrone des Hauses, eine gewisse Mrs. Caine war eine wirklich herzensgute Frau und es tat mir sehr leid, sie nach Strich und Faden zu belügen.

Ich erzählte ihr, mein Name sei Brown und ich wäre erst neulich in New York angekommen und würde niemanden hier kennen. Und das alles unerträglich traurig war. Natürlich blickte ich ihr niemals ins Gesicht und starrte nur in die Ferne.

Arbeiten könne ich auch nicht und ich hätte auch keinerlei Erinnerung mehr daran, wer ich war und wo ich herkam. Das reichte der guten Frau aber nicht, um mich gleich in Behandlung zu geben und sie nahm mich in ihr Asyl auf.

HW: Aber damit konnten Sie sich natürlich nicht zufrieden geben!

FA: In der Tat. Ich verwandelte mich vom Trauerkloß zur Furie, bis die anderen Frauen es mit mir nicht mehr aushalten konnten. Das führte zu Schritt zwei. Nämlich zur Polizei. Ich wurde abgeführt und einem Haftrichter vorgestellt.

HW: Ohne ein Vergehen?

FA: Nur, weil ich für das Asyl nicht mehr tragbar war. Aber auch hier begegnete ich einer guten Seele, nämlich Richter Duffy. Aber nach zwei Tagen ohne Schlaf und mithilfe der mittlerweile schon gut eingeübten schauspielerischen Kniffs gelang es mir, den guten Richter zu täuschen. Eine Ambulanz wurde bestellt, um mich ins Bellevue Krankenhaus zu fahren. Richter Duffy schärfte dem Fahrer noch einmal ein, er möge mich gut behandeln. Ist das nicht ein toller Mann?

HW: Und das Bellevue ist eine Irrenanstalt?

FA: Nein, aber da gibt es Nervenärzte. Spezialisten. Und sie können sich vorstellen, dass ich große Angst hatte, ob ich solche Fachmänner überzeugen kann, war es mir doch weder bei Mrs. Cain, noch bei Richter Duffy so richtig gut gelungen. Um ein Haar wäre ich da ja schon gescheitert.

HW: Und? Wie gelang Ihnen dieses Kunststück?

FA: Wissen Sie ‘was? Es war überhaupt kein Problem! Hat einen die Gesellschaft erst einmal so weit abgestoßen, gibt es keinen Weg mehr zurück! Im Bellevue gab es den Irrenflügel, wo ich und noch drei andere Frauen eingesperrt wurden.

Den Irrenflügel müssen Sie sich einfach wie ein Gefängnis vorstellen. Dort saßen wir den Tag in alten Korbstühlen herum und froren wie die Schneider. Aber es gab keine Decken oder ähnliches. Auf mehrfaches Betteln bekam ich einen alten, stinkigen Umhang ausgehändigt. Für den, so sagte die Schwester, ich Gott gefälligst danken sollte.

Aber kaum hatte ich mich in den kratzigen Schal gewickelt, schon war es Zeit für die Untersuchung durch den Nervenarzt. Der kuckte mir ins Gesicht, in die Pupillen, stellte mir ein paar zusammenhanglose Fragen und sagte dann zur Schwester.

„Ist wahrscheinlich eine Hure. Auf jeden Fall ist sie komplett verblödet!“ Und das war alles. Eine Unterschrift und am nächsten Morgen ging es ab nach Blackwell’s Island!

HW: Mit der Fähre?

FA: Mit dem hässlichsten, verwahrlosesten Boot, dass sie sich nur vorstellen können! Ich dachte während der ganzen Überfahrt, wenn ich die Fahrt überstehen, dann würde ich Gott gefälligst danken, wie die Schwester im Bellevue meinte.

HW: Und wie waren die Umstände dann auf Blackwell’s Island?

FA: Haben Sie das Buch eigentlich gelesen?

HW: Ihr Buch?

FA: Genau.

HW: Um ehrlich zu sein: Nein.

FA: Verstehe. Nun, Mr. Buckle, wenn der Irrenflügel vom Bellevue schon wie der Knast war, so war Blackwell wie ein Knast, bloß wie ein spanischer Knast während der Zeit der großen Inquisition.

HW: Sie wurden also folgerichtig gefoltert?

FA: Ich beschreibe Ihnen das und Sie dürfen dann selber entscheiden, ob das Folter ist. Vor dem Bericht aber noch eine Information. Schon auf der Fähre habe ich aufgehört, mich zu verstellen, sondern habe mich genauso verhalten, wie im alltäglichen Leben auch. Ich habe meine Gesprächspartner angeschaut und ich ganzen Sätzen gesprochen. Ich verhielt mich völlig normal.

Auf Blackwell wurde ich noch einmal drei Nervenärzten vorgestellt, die aber meine Normalität gerade erst für einen Beleg meiner vollkommenen geistigen Verwirrtheit dokumentierten.

Fangen wir also mit dem Kuriositätenkabinett an:

Generell ist das ganze Irrenhaus auf Blackwell nicht geheizt. In keinem Flügel und in keinem Zimmer gibt es Öfen. Jede Tür ist zweimal versperrt. In jedem Zimmer leben 10 Frauen eingesperrt mit einander. Für jede Frau gibt es ein Bett und einen Stuhl, keinerlei persönliche Gegenstände sind erlaubt. Jede Frau hat ihr graues Anstaltskleid und eine Bettdecke aus Wolle. Man kann sich nachts entscheiden, ob man die Füße oder die Schultern warm haben will.

Am Morgen geht es um sechs Uhr zum ersten Mal in den Speisesaal. Alle sitzen nebeneinander an einer langen Tafel. Dann wird, zum Frühstück eine Art wässrige Milch in Schüsseln serviert und dazu für jeden ein seltsames Gebräu, das die Schwestern Tee nennen. Das ist warmes Wasser, in das jemand in der Küche wohl kurz eine Kupfermünze getaucht hat.

Mittags gibt es für jeden ein Stück seltsames schwarzen Brot, eher abgestandener, alter Teig, aber trotzdem schon verschimmelt. Steinhart und oft auch schmutzig. Dazu gibt es tatsächlich ein Stück Fleisch, aber auch das ist meistens verdorben und stinkig und schlierig. Ach, Essbesteck gibt es natürlich nicht, wir mussten essen wie die Tiere.

Abends gibt es noch einmal von dem Kupferwasser und einen undefinierbaren, schwarzen Brei. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es sich um Küchenabfälle aus der Stadt handelte, die man stundenlang verkochte.

Wer klagt, bekommt nichts zu essen. Wenn man Glück hat. Wenn man Pech hat, bekommt man mehrere Tage nichts zu essen und wird auch noch geschlagen.

Überhaupt ist das Verspotten der Patienten und das Schlagen, Treten, Haare-Ausreißen anscheinend eine der Behandlungsmethoden. Eine Schwester hatte sich darauf spezialisiert, jede Frau, deren Gesicht ihr nicht passte, so lange zu würgen, bis das Opfer ohnmächtig war.

HW: Das ist ja unglaublich! Dagegen sind Haftanstalten ja tatsächlich human!

FA: Blackwell ist die Endstation in unserer Gesellschaft, Mr. Buckle. Blackwell steht in der Hackordnung noch einmal ein paar Stufen unter einem Gefängnis. Hier entledigt sich die Gesellschaft der Ungewollten! Ich habe mit einigen Patientinnen gesprochen und viele landen dort einfach, weil sie bettelarm sind oder nicht genug Englisch sprechen, um sich zu verständigen.

Im Buch habe ich zwei Fälle noch einmal eingehend beleuchtet. Zum Beispiel Anne Neville, ein armes Zimmermädchen, das so viel gearbeitet hat, dass es sterbenskrank wurde. Weil aber niemand die Kosten für ein normales Krankenhaus bezahlen konnte, landete sie im Bellevue.

Oder Tillie Mayard, eine intelligente, junge Frau, die nach einem unbehandelten Fieber einen nervösen Tick entwickelte. Fürsorglich luden ihre „Freunde“ sie im Bellevue ab und schon ging es die Leiter abwärts.

Denn die Diagnose „nervenkrank“ ist wie ein Todesurteil. Weder Anne noch Tillie können davon ausgehen, dass sie in ihrem Leben noch einmal irgendwo eine Anstellung finden. Wie schon gesagt: Die Fähre bringt Dich nach Blackwell’s Island, aber sie fährt Dich niemals mehr zurück!

HW: Ich verstehe. Aber, abgesehen vom Essen und der Unterkunft: Wie sieht denn die Behandlung der Schutzbedürftigen auf der Insel aus?

FA: Es gibt keine Behandlung. Keine. Nur die rauen Lebensumstände. Die ganze Veranstaltung dient nicht dem Zweck, die Frauen wieder in die Gesellschaft zu integrieren. Es geht nicht um Heilung, Mr. Buckle. Blackwell ist kein Krankenhaus, auch wenn es sich so nennt. Blackwell ist ein Müllplatz für Frauen. Ein Endlager.

HW: Haben Sie das so auch im Buch geschrieben?

FA: Nicht ganz so deutlich. Aber lassen Sie mich meinen Bericht noch abschließen. Denn es gibt noch drei Dinge, die man auf Blackwell so treibt außer Müll zu fressen und nachts zu erfrieren. Da gäbe es noch Arbeit, Badespaß und Sitzen.

HW: Ich höre den Sarkasmus in ihren Worten.

FA: Arbeit bedeutet, das ganze Gebäude zu putzen. Vorzugsweise der Privatzimmer der Ärzte und der Schwestern. Und das Waschen, Trocknen und Bügeln derer Kleidung. Die Filzlumpen der Patientinnen bedürfen solcher Sorgfalt nicht.

HW: Die werden nicht gewaschen?

FA: Doch, bloß nicht mit warmem Wasser oder Waschmittel. Was eine gute Überleitung zum Badespaß wäre. Einmal die Woche werden alle Frauen in ein spezielles, großes Badezimmer geführt. Mit drei Wannen voller kaltem Wasser. Vorher aber müssen sich alle ausziehen. Komplett ausziehen. Nackt. Ich habe das beim ersten Mal verweigert und habe protestiert, das wurde mir das Kleid und die Unterwäsche halt mit Gewalt vom Körper gerissen.

Jede muss in die kalte Wanne steigen und wird dann von oben bis unten gesäubert. Mit einem Schrubber, nicht mit einer Bürste oder einem Schwamm. Dann wird man einmal mit Kernseife eingeseift, von oben bis unten, Haare, Gesicht, alles. Dann muss man in der Wanne aufstehen und die Seife wird mit drei Eimern voll kaltem Wasser abgespült.

Danach wartet man, bis alle Frauen an der Reihe waren, darf sich wieder anziehen und wird ins Bett geschickt. Die ganze Prozedur findet ohne die Verwendung von Handtüchern statt.

Und dann wäre am Ende noch das, was man sonst noch so macht, wenn man nicht arbeitet oder gebadet wird. Und das wäre: Nichts!

Ein normaler Tag besteht aus Sitzen, geradeaus kucken und die Klappe halten. Wir saßen alle den ganzen Tag nebeneinander auf einer Bank ohne Rückenlehne. Wir mussten uns tadellos aufrechthalten und hatten nicht die Erlaubnis uns zu bewegen oder zu reden.

Eine Schwester mit einem Rohrstock patrouillierte die Reihe immer auf und ab und verteilte je nach Lust und Laune Schläge. Keine Lektüre, kein Beine-Vertreten, keine Bewegung. Jeden Tag von morgens nach dem Frühstück um sechs Uhr bis abends zum Abendessen um neun Uhr.

HW: Das ist ja tatsächlich Folter!

FA: Mr. Buckle: Wenn man nicht irre ist, wenn man nach Blackwell kommt, dann ist man nach spätestens 10 Tagen völlig verrückt! Wenn man das durchmacht, dann stirbt jede Hoffnung in einem. Wenn ich nicht gewusst hätte, dass Joseph mich nach acht Tagen rausholt, dann wäre ich komplett verzweifelt. Aber auch so hatte ich wirklich beklemmende Ängste, ob ich das überhaupt gesund überlebe! Ich habe von der Zeit immer noch Albträume, dabei war das alles 1887, also ein Jahr her!

HW: Mr. Pulitzer hat Sie also nach acht Tagen aus dieser Anstalt befreit?

FA: Ja. Und drei Tage später hatten wir schon die erste Reportage in der „World“. Das erste Kapitel im Buch. Ich hatte mir, um nicht völlig zu verdummen, in Blackwell im Kopf schon jedes Wort ausgedacht, ich musste es nur noch aufschreiben!

HW: Ihre Arbeit hat ja für beträchtliches Aufsehen gesorgt! Wurde Blackwell geschlossen?

FA: Nein. Aber der Etat für die Behandlung von Nervenkranken in New York wurde um eine Million Dollar erhöht.

HW: Immerhin.

FA: Mr. Buckle, eine Frage: Meinen Sie, der Umgang mit seelenkranken Menschen in Britannien ist anders?

HW: Gute Frage. Meine ehrliche Antwort: Ich würde das hoffen. Aber nachdem ich ihre letzte Reportage gelesen habe, bin ich mir nicht sicher.

FA: Sie meinen den Ortstermin in Blackwell mit den Richtern und der Polizei?

HW: Ja. Genau. Weil sie ihren Besuch angekündigt hatten, war die Anstalt in tadellosem Zustand. Und genauso kenne ich solche Anstalten auch. Ich kündige meinen Besuch an und alles wirkt tadellos.

FA: Na ja, die Richter haben alle Mitarbeiter verhört. Und nachdem die alle schöne Geschichten erzählt haben, aber jede eine andere, flog der Schwindel ja doch auf in Blackwell.

HW: So ist da in ihrem Fall. Aber ich habe keinerlei Insider-Informationen. Und ich würde auch nicht für eine Reportage meine geistige Gesundheit auf’s Spiel setzen wollen. Ich habe Frau und Kind, wenn Sie mich verstehen…

FA: Also ist es bei euch genauso?

HW: Ich befürchte schon, Ms. Bly. Ich befürchte schon. Bei der Behandlung seelischer Krankheiten hat unsere Gesellschaft noch einen blinden Fleck. Hier in den Staaten, aber auch in Europa.

FA: Das ist eine sehr britische Untertreibung, Mr. Buckle.

HW: Eine letzte Frage, Ms. Bly, bevor ich Ihnen weiter Ihre wertvolle Zeit stehle: Nach diesem Bravourstück, was sind denn ihre weiteren Pläne?

FA: Gute Frage. Aber sie müssen mir Stillschweigen versprechen. Unter Kollegen.

HW: Sie haben mein Wort als Gentleman, dass alles, was sie mir auf diese Frage antworten, unter uns bleibt!

FA: Kennen Sie Jules Verne, Mr. Buckle?

HW: Diesen französischen Autoren?

FA: Genau! Der hat kürzlich doch ein Buch geschrieben: „In 80 Tagen um die Welt“. Haben Sie das gelesen?

HW: Nein. Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich nur die herrlichen Kupferstiche bewundert habe und es dann an meinen jungen Neffen verschenkte.

FA: Tut auch nichts zur Sache. Ich habe mit Joseph gewettet, dass ich das sogar in 72 Tagen schaffe!

HW: Sie wollen als Frau alleine um die Welt reisen?

FA: Genau!

HW: In 72 Tagen?

FA: Genau!

HW: Das schaffen Sie niemals!

FA: Hah! Das werden wir erstmal sehen! Wollen wir wetten?


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